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Politik

... und der Zweite folgt sogleich

Nach Außenminister Fischer wird am Freitag (8.11.) Verteidigungsminister Struck in den USA erwartet. Ist das Ende der Eiszeit in den bilateralen Beziehungen in Sicht? DW-TV-Korrespondent Udo Bauer hakt nach.

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Gut gelaunt wie selten hatte sich Joschka Fischer vergangene Woche nach seinem Gespräch mit US-Außenminister Colin Powell gegenüber deutschen Journalisten präsentiert. Ein sicheres Zeichen dafür, dass es gut gelaufen sein musste, vielleicht besser, als er selbst erwartet hatte. Fischer hatte ja schon vorab gesagt, dass sein erster Besuch nach dem deutschen Wahlkampf kein 'Gang nach Canossa' sei. In der Tat, ein Bußgang war es nicht, wie ihn im Jahre 1077 Heinrich IV. machen musste, um die Lossprechung vom päpstlichen Bann zu erreichen. Es gab – zumindest inhaltlich – nichts zurückzunehmen, Deutschland bleibt bei seiner Anti-Kriegshaltung in Sachen Irak.

Ein anderes Ereignis in der deutschen Geschichte bietet sich da eher an für einen Vergleich: Martin Luthers Auftritt vor dem Wormser Reichstag, der von ihm die Rücknahme seiner 95 Thesen verlangte. "Hier stehe ich und kann nicht anders!" hatte er damals gesagt und war standhaft geblieben trotz eines beträchtlichen Bedrohungsszenarios.

Auch Verteidigungsminister Struck wird sich auf den Luther-Spruch berufen müssen, wenn er am Freitag (8.11.2002) zum ersten Mal mit seinem Amtskollegen Donald Rumsfeld spricht. Deutsche Unterstützung für einen möglichen US-Feldzug gegen den Irak wird er nicht in Aussicht stellen können. Und auch für die neuen Steckenpferde des Amerikaners, eine schnelle Eingreiftruppe der NATO und eine europäische Flotte von riesigen Transportflugzeugen, wird Struck wohl wenig verbindliche Zusagen übrig haben. Einem von Hans Eichel nackt Ausgezogenen kann man nicht in die Tasche greifen. Im Gegensatz zum Außenminister hat Peter Struck seinem US-Amtskollegen also nichts zu bieten, außer vielleicht ein paar Durchhalteparolen.

Joschka Fischer hatte es da einfacher. Bei Diplomaten reichen manchmal nette Worte. Er hatte deshalb das gesagt, was die Amerikaner hören wollen, gleichsam auch als Versicherung, dass Deutschland kein Hort für Anti-Amerikanismus ist oder wird. Ein längliches und braves Dankeschön an Amerika für die Befreiung vom Faschismus, für den Marshallplan, die Luftbrücke und die Wiedervereinigung. Das musste mal gesagt werden, zumal in der amerikanischen Öffentlichkeit in den letzten Wochen Deutschland Undankbarkeit vorgeworfen worden war.

Die Welt zwischen Colin und Joschka ist also wieder in Ordnung. Aber die war auch nie in Unordnung geraten. Fischer und Powell sind sich politisch sehr nahe. Powell gilt in Washington als Taube, als "widerstrebender Krieger", und ist von daher im Bush-Team so etwas wie ein (Links-)Außenseiter. Joschka Fischer ist in Wahrheit amerikafreundlicher als er - vor allem gegenüber seiner grünen Basis - zugeben kann. Donald Rumsfelds Kriegstreibereien in Sachen Irak hingegen sind hinlänglich bekannt. Auch seine ans Geniale grenzende, polternde Rhetorik. Vom Verteidigungspolitiker Struck weiß man noch nicht allzu viel, außer, dass er recht gelassen und ruhig daherkommt und immerzu Pfeife raucht. Er ist aber damit nicht gut genug ausgerüstet, um das transatlantische Eis aufzutauen. Denn im Pentagon herrscht Rauchverbot.