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Möglicher Anschlag in Berlin

Und der Polizeisprecher schüttelt den Kopf

"Es hat einen Riesenschlag getan", berichteten Augenzeugen. Die Stunden nach dem möglichen Anschlag in Berlin: Naomi Conrad war als Reporterin vor Ort.

Er habe, sagt der junge Mann, der sich nach einigem Zögern Khalid nennt, ein Foto – von dem Anschlag. Ob man es kaufen wolle? "500 Euro" - er grinst. Khalid zückt sein Handy, während seine Freunde sich um ihn scharren: Ein verwackeltes, körniges Bild, auf dem ein Polizist sich über einen Mann beugt, der auf dem Boden liegt, zusammengekrümmt. Ob er noch lebt? Schwer zu sagen. 

Fast ununterbrochen auf Sendung 

Um Khalid drängen sich Journalisten und Schaulustige: Während die einen fast ununterbrochen auf Sendung gehen, starren die anderen, machen Bilder, tuscheln. Denn hinter der Absperrung, die Polizisten in schwarzer Kampfmontur bewachen, ist vor wenigen Stunden erst ein Lastwagen mit polnischen Nummernschildern in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt in der Nähe des Bahnhofs Zoo gerast.

Zwölf Menschen wurden dabei getötet, viele verletzt, etliche von ihnen schwer. Die Polizei gibt im Laufe des Abends und der Nacht diese Informationen weiter. Für die Reporter sind es nur ein paar Schritte bis zum nächsten flatternden Absperrband. Und bis zu dem schwarzen Lastwagen, der in die Menge gerast ist. Davor wechseln sich Fotografen und Journalisten ab, um ein Foto zu erhaschen und in die Kamera zu sprechen.

Terrorangriff oder Unfall?

Vor dem Wagen liegt ein umgekippter Weihnachtsbaum auf der Straße, der gelbe Stern von seiner Spitze lugt unter dem rot-weißen Absperrband hervor. Daneben ragt die Gedächtniskirche in den Himmel, der Glockenturm verschwimmt im Nebel.

Ein gezielter Terrorangriff oder ein Unfall? Der Polizeisprecher schüttelt den Kopf: Man könne noch keine Hinweise in die eine oder andere Richtung geben, ein Verdächtiger – "vermutlich" der Fahrer des Wagens – werde derzeit befragt. Der Beifahrer, das kann er doch bestätigen, ist tot. Und dann noch: Es bestehe keine Gefahr mehr.

Deutschland Neun Tote und viele Verletzte auf Berliner Weihnachtsmarkt (REUTERS/P. Kopczynski)

Oberste Priorität: erste Hilfe für die Verletzten

Später wird Innenminister Thomas de Maizière in einem Interview sagen: "Ich möchte jetzt noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen, obwohl viel dafür spricht." Währenddessen treffen Beileidsbekundungen aus dem In- und Ausland ein, die Bedauern und Erschütterung zum Ausdruck bringen. Gerüchte wabern durch die Stadt: Er habe, sagt ein Taxifahrer bestimmt, "aus einer sicheren Quelle", dass es sich bei dem Täter um einen Polen gehandelt habe, das habe man ihm glaubhaft versichert. Auf jeden Fall, fügt er noch schnell hinzu, sei es letztlich auch egal für die Opfer, "welcher Idiot es getan hat". 

Später berichtet eine Nachrichtenagentur aus Sicherheitskreisen, dass es sich auch um eine andere Nationalität handeln könnte.

Augenzeugin: "Und dann ist es ganz dunkel geworden"  

In einer Pizzeria, deren riesige Glasfront einen Blick über den Weihnachtsmarkt freigibt, drängen sich ein paar Mitarbeiter um einen Tisch. Unten die verschlossenen Buden, an denen Lichterketten funkeln und Polizisten, die Patrouille gehen, sonst Leere. Drinnen die Angst und der Schrecken: Innerhalb von fünf Minuten, erzählt Amee Langer, eine junge Frau, die in der Pizzeria arbeitet, habe sich der Markt geleert. "Und dann ist es ganz dunkel geworden." Gehört, sagt sie, habe sie nichts, kein Knallen, keine Schreie. Langer zuckt die Schultern: Die Musik in der Pizzeria sei einfach zu laut gewesen.

"Krass", sei das alles gewesen, erzählt sie noch, ihre Stimme überschlägt sich fast. Sie habe mit ihrer Mutter telefoniert – und dann ihr Handy ausgeschaltet. Um nicht immer wieder Fragen von besorgten Freunden beantworten zu müssen: Das könne sie einfach nicht.

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