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Ostfriesisch

Unbeugsame Ostfriesen

Plattes Land, raue See, kräftiger Wind über Dünen – diese idyllische Landschaft hat eine kämpferische Vergangenheit. Doch davon zeugen heute höchstens noch die traditionellen ostfriesischen Sportarten.

Schon den Schriftstellern in grauer Vorzeit waren die Ostfriesen ein Begriff. So schrieb der Römer Publius Cornelius Tacitus nicht nur über die Germanicus-Feldzüge, sondern auch über den Stamm der Friesen. Der Geograph Ptolemäus aus Alexandria zeichnete die Küstenlinie Frieslands in seine Karten ein und vermerkte für jede noch so kleine Bucht, welcher Ostfriesenstamm dort lebte.

Ein Mann geht über einen Deich

Für die Römer war das Gebiet im hohen Norden allerdings dann doch nur bedingt interessant. Kalte Winde und hohe Wellen lagen den sonnenverwöhnten und -gebräunten Kämpfern vermutlich nicht. Vielleicht lag es aber auch daran, dass das störrische Völkchen immer schon eine Art Asterix-Dasein fristete?

Streitbares Volk
Die Ostfriesen mögen nämlich keine fremde Autorität. So bekämpften sie über die Jahrhunderte sämtliche Herrscher, die sich die Menschen hinterm Deich zu Untertanen machen wollten. Die Hanse – ein Zusammenschluss niederdeutscher Kaufleute – hatte ein schweres Auskommen in der Gegend. Um das Handelsimperium zu bekämpfen, lockten die ostfriesischen Lokalfürsten selbst berüchtigte Piraten aus der Ostsee zu sich, um sich mit den Seeräubern im Kampf gegen die Kaufmanns-Flotten zu verbünden.

Späteren Herrschern ging es nicht besser: Ob es die Grafen von Emden oder die Preußen-Könige waren – immer mussten sie mit starkem Gegenwind der lokalen Stammeschefs rechnen.

Dünenlandschaft mit Leuchtturm

Das einzige, was die Ostfriesen an Fremdeinflüssen akzeptierten, war der Tee. Den brachten die Holländer um 1650 in die Region. Und seitdem entwickelten sich die überbrühten Kräuter zum Nationalgetränk der Ostfriesen, was anfangs wohl eher gesundheitlichen Gründen geschuldet war! In Ostfriesland gab es nur abgestandenes, brackiges Wasser, das abgekocht werden musste. Damit es einigermaßen schmeckte, akzeptierte man schließlich die getrockneten Blätter.

Sportlicher Lokalpatriotismus
Richtig ostfriesisch geht es heute noch im Sport zu. Hier wird nicht etwa Fußball gespielt. Weder Emden, Aurich noch Westerstede spielen eine wichtige Rolle in deutschen Kicker-Ligen. Nein, die Ostfriesen haben ihre eigenen Sportarten. Boßeln, Klootschießen und Pultstockspringen sind die Leidenschaft der Küstenbewohner – allesamt durchaus exotische Formen der Körperertüchtigung.

Boßeln ist eine Art großangelegtes Kegeln. Meistens konkurrieren dabei ganze Dörfer miteinander. Gewonnen hat, wer seine Holzkugel als erstes ins Dorf des anderen gerollt hat. Beim Klootschießen muss eine Holzkugel, gefüllt mit Blei und gut ein halbes Kilo schwer, vom Sportler eine Rampe hoch getragen und in die Weite geschleudert werden.

Pultstockspringer hüpfen mit Holzstöcken über Gräben und gedenken so der armen Bauern, die im Moor überleben mussten. Eine etwas abseitigere Sportart ist das Kreierrennen. Dabei handelt es sich um eine Art Bobfahren – nur nicht im Eiskanal, sondern im Watt.

Friesen beim Boßeln

Zumindest Boßeln und Klootschießen haben den Sprung in die große weite Welt geschafft: Vor allem in Irland und den Niederlanden werden die beiden Sportarten ebenfalls gerne gespielt. Und auch in den USA soll der friesische Sport von deutschen Einwanderern verbreitet worden sein. Alle vier Jahre finden Europameisterschaften im Boßeln und Klootschießen statt.

Die Gallier von der Nordsee
Ach ja, damit niemand auf die Idee kommt, die Ostfriesen besäßen keinen Lokalpatriotismus: 1678 erzwangen sie von Kaiser Leopold I. die Farben Schwarz-Rot-Blau für ihre Region. Seitdem haben sie ihre eigene Fahne. Und zweihundert Jahre später entwarfen die Ostfriesen dann noch ein eigenes Wappen. Darin huldigen sie ihren alteingesessenen Häuptlingen – dem "Asterix und Obelix von der Nordsee".

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