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Kultur

Unbekannte Picasso-Sammlung sorgt für Wirbel

Plötzlich steht da ein Elektriker mit einem Arm voller Picassos. 271 angebliche Originale. Noch weiß man nicht, ob die Bilder echt sind. Picassos Erben sind misstrauisch und suchen nach Beweisen.

Bild mit Pferd (Foto: AP)

Ein Bild aus der umstrittenen Sammlung

Eine Sensation für die Kunstwelt: Wie aus dem Nichts ist in Frankreich die riesige Sammlung aus angeblichen Werken von Pablo Picasso aufgetaucht. Die Zeitung "Libération" berichtet am Montag (29.11.2010), ein 71 Jahre alter ehemaliger Elektriker habe erklärt, er habe die 271 Zeichnungen, Collagen, Lithografien und Gouachen von dem spanischen Jahrhundertkünstler persönlich geschenkt bekommen. Sollten die Werke echt sein, dann hätten sie einen Wert von möglicherweise 60 Millionen Euro. Nun ist ein juristischer Streit um die Werke entbrannt.

Mit einem Bilder-Koffer nach Paris

Bild mit Würfel (Foto: AP)

Wurde auch dieses Bild gestohlen?

Pierre Le Guennec brachte die Sache schon im Januar ins Rollen. Er wandte sich damals erstmals an Claude Picasso, den Nachlassverwalter der Familie. Er schickte - so "Libération" - mehr als 20 Fotos von bisher unbekannten Picasso-Werken an den Picasso-Sohn und bat um ein Echtheitszertifikat. Weitere Fotos folgten im März und im April. Im September kamen Le Guennec und seine Frau, die an der südfranzösischen Côte d'Azur leben, mit einem Koffer voller Bilder nach Paris. Dort prüfte der von der Entdeckung geschockte Claude Picasso die Werke mit seinen Mitarbeitern drei Stunden lang. Zweifel an der Echtheit der Bilder sollen dabei nicht bestanden haben.

"Ich war natürlich sehr überrascht. War sehr aufgeregt, die Werke zu entdecken, die wir nicht kannten", sagte Picasso der "Libération". Ihn habe aber irritiert, dass die Werke ohne Datum waren- sie hätten deshalb nie Picassos Atelier verlassen dürfen. "Wer das Werk meines Vaters kennt, weiß, dass er alles systematisch mit Datum versehen wollte", sagte Picasso.

Dagegen erklärte Le Guennec, er habe die letzten drei Jahre vor Picassos Tod für den Künstler in dessen Villen in Südfrankreich gearbeitet. So habe er dort unter anderem Sicherheitsanlagen installiert. Damals habe er die Werke von dem Künstler selbst geschenkt bekommen.

Klage wegen vermuteter Hehlerei

Bild mit Hand (Foto: AP)

Bisher unbekanntes Bild einer hand

"Libération" berichtet, obwohl die Urheberschaft bisher nicht eindeutig geklärt sei, hätten Picassos Erben wegen vermuteter Hehlerei schon im September Klage eingereicht. Ihre Argumentation: Picasso (1881-1973) habe sich nur ungern von seinen Werken getrennt und Geschenke immer datiert und mit einer Widmung versehen. "Eine solche Menge an Werken auf einmal abzugeben, das wäre höchst untypisch", sagte er. "Pablo Picasso war ziemlich großzügig. Aber er schrieb ein Datum darauf, signierte und widmete alle seine Geschenke".

Viele der Stücke seien aber nicht datiert, das bedeute: "Sie hätten niemals die Werkstatt meines Vaters verlassen dürfen".Die französische Behörde zur Bekämpfung des Handels mit Kulturgütern beschlagnahmte die Sammlung im Haus des Ehepaars. Le Guennec kam zunächst in Polizeigewahrsam. Es bleibt aber weiter offen, ob die Werke tatsächlich gestohlen wurden. Auch stellt sich die Frage, warum das Rentnerpaar nach fast 40 Jahren die Werke nun der Familie Picasso zeigte.

Unter den 271 entdeckten Werken sind neun kubistische Collagen, die allein auf rund 40 Millionen Euro geschätzt werden. Auch ein Aquarell aus Picassos blauer Schaffensphase und Porträts seiner ersten Frau Olga gehören dazu.

Autor: Herbert Peckmann (afp,dpa)
Redaktion: Sabine Faber