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Politik

UN warnt vor dritter Terroristengeneration

Die Gefahr weltweiter Terroranschläge sei durch das Chaos im Irak stark gewachsen, warnt ein UN-Bericht. Dort sind selbst die Sicherheitskräfte von Aufständischen unterwandert.

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Kämpfer bringen ihre Panzerfäuste gegen US-Stellungen in Fallujah, Irak in Position

Aufständische bei den Kämpfen um Falludscha im vergangenen Jahr

Das im Irak herrschende Chaos erhöhe die Gefahr weltweiter Terroranschläge beträchtlich, warnten Experten der Vereinten Nationen in ihrem jüngsten Status-Bericht zur Al-Kaida und den ehemals in Afghanistan regierenden Anführern der Taliban. Der Terrorgruppe Al-Kaida sei es gelungen, im Irak ihre in Afghanistan verloren gegangenen Trainingslager zu ersetzen. Der Bericht ist an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) adressiert.

Irak: Autobombenanschlag, 14. September 2005

Autobombenanschlag in Bagdad am 14. September

Unterdessen erklärte der Sicherheitsberater der irakischen Regierung, auch die Sicherheitskräfte des Irak seien von Aufständischen unterwandert. "Aufständische und Terroristen haben sich in unsere irakischen Sicherheitskräfte im Allgemeinen, und in die Polizei im Besonderen, in zahlreichen Teilen des Landes eingeschleust", sagte Muwaffak el Rubaje, am Dienstagabend (20.9.2005) dem britischen Fernsehsender BBC. "Das kann ich nicht abstreiten." In welchem Ausmaß Rebellen in die Sicherheitsdienste eingedrungen seien, könne er selbst nicht sagen, "aber ich muss zugeben, dass sie unterwandert sind".

Neue Rekruten

"Aus allen Teilen der Welt reisen Rekruten an und erwerben Fähigkeiten im Häuserkampf, Bau von Bomben, zur Ausführung von Mord und Selbstmordanschlägen", heißt es in dem UN-Bericht. Wenn diese Terroristen der "dritten Generation" in ihre Heimatländer oder Wohnorte zurückkehrten und sich mit denen vor Ort zusammentäten, die selbst gut integriert seien, wachse durch diese Kombination die Gefahr erfolgreicher Anschläge erheblich.

Trauernde Frauen nach Bombenanschlag im Irak

Trauernde Frauen in Bagdad nach einem Anschlag am 18. September

Es bestehe nach wie vor die Gefahr eines größeren Terroranschlags und auch die Bedrohung durch die fundamentalistischen Taliban habe in jüngster Zeit in Afghanistan wieder zugenommen, hieß es. Diese hätten offenbar wieder mehr Geld bekommen. Al Kaida agiere nun in drei Gruppen, hieß es in dem Bericht. Neben Osama bin Laden und seinen Stellvertretern seien es auch Kämpfer, die in Afghanistan ausgebildet wurden, und neue Rekruten in vielen Ländern der Welt. Diese stünden hinter den Zielen der Al Kaida, hätten ihr Land aber nie verlassen. Diese Gruppen agierten im Verborgenen bis sie zuschlügen. Sie stellten zur Zeit die größte Gefahr dar. Ausgebildet würden sie oft von Afghanistankämpfern oder sie reisten zur Ausbildung in den Irak.

Al-Kaida bleibt mächtig

Al Kaida in Al Dschasira

Ajman al-Sauahri bekennt sich auf Al Dschasira für die Terrorgruppe Al-Kaida zu den Londoner Anschlägen

Den bemerkenswertesten Erfolg habe Al-Kaida durch das Schmieden der Allianz mit dem Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi erzielt, heißt es in dem Bericht der Experten unter Leitung des britischen Anti-Terror-Spezialisten Richard Barrett. Sarkawi führt den irakischen Zweig der radikalen Moslem-Gruppe an. Dieser habe Al-Kaida in einem gewissen Ausmaß geholfen, sich von den Verlusten in Afghanistan zu erholen. Von der Allianz profitierten beide Seiten. Al-Kaida-Chef Osama bin Laden könne für sich geltend machen, an einem Ereignis beteiligt zu sein, das im Mittelpunkt des Welt-Interesses stehe. Sarkawi sei dadurch in der Lage, neue Rekruten anzulocken.

Bin Laden wisse, dass er diese neuen abgehärteten Kämpfer brauche, um zu demonstrieren, dass Al-Kaida die Macht hat, schwere Anschläge außerhalb von Konfliktzonen zu verüben, hieß es in dem Bericht. Die Bedrohung durch Al-Kaida bestehe weltweit genauso weiter, wie zu jeder Zeit nach den Anschlägen am 11. September 2001 in den USA.

"Geld- und Waffenströme unterbrechen"

Die UN-Sanktionen zur Eindämmung des Terrorismus und besonders seiner Finanzierung müsste in dieser Hinsicht angepasst werden, schreibt die Expertengruppe. Vorgeschlagen werden weitere Schritte gegen die Finanzierung des Terrors und eine Ausweitung von Waffenembargos, damit solche Gruppe nicht in den Besitz militärischer Waffen gelangen können.

Das für die Antiterrormaßnahmen zuständige Komitee des Sicherheitsrats verhängte unterdessen Sanktionen gegen Abdul Latif Saleh, einen Mann mit albanischem und jordanischem Pass. Seine Vermögenswerte wurden eingefroren. Er soll Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida haben, wie am Dienstag mitgeteilt wurde. Osama bin Laden soll ihn mit 600.000 Dollar ausgestattet haben, damit er in Albanien eine extremistische Gruppe aufbaut. Die USA froren seine Konten schon am Montag ein. Nach Angaben des Finanzministeriums wurde Saleh aus Albanien ausgewiesen. Sein letzter bekannter Aufenthaltsort war in den Vereinigten Arabischen Emiraten. (stu)

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