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Nordkorea-Konflikt

UN warnen vor Nordkoreas Atomprogramm

Mit großer Sorge verfolgt die Internationale Atomenergiebehörde die Nuklear-Ambitionen Pjöngjangs. Der Chef der UN-Organiation, Amano, hält die Lage für sehr ernst. Die Sicherheitsbedenken gingen über die Region hinaus.

Nordkorea Atomtestgelände Punggye-ri (CNES/Airbus DS/38 North/Spot Image)

Atomtestgelände Punggye-ri im gebirgigen Nordosten Nordkoreas

"Wir haben Anhaltspunkte, dass das Nuklearprogramm so vorangeht wie Nordkorea es verkündet", machte der Chef der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA), Yukiya Amano, in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) deutlich. Die kommunistische Führung in Pjöngjang hatte die Inspektoren der IAEA zwar bereits 2009 aus dem Land geworfen, aber die Experten überwachen die Aktivitäten des Regimes mithilfe von Satellitenbildern. "Alle Indizien zeigen uns, dass Nordkorea Fortschritte macht. Ich habe immer schon beharrlich die Meinung vertreten, dass die Lage sehr, sehr ernst ist", fügte der Japaner in Wien hinzu.

Bebaute Fläche am Reaktor hat sich verdoppelt

Amano verwies auf den Fünf-Megawatt-Forschungsreaktor in Yongbyon. Er sei technisch dazu geeignet, Brennstäbe für einen bestimmten Zeitraum zu bestrahlen. Das Muster, mit dem dies betrieben werde, sei dazu geeignet, atomwaffenfähiges Plutionium herzustellen, sagte der UN-Diplomat der "SZ" weiter. Er erwähnte den amerikanischen Wissenschaftler Siegfried Hecker, der 2010 von einem Gebäude mit einer Anreicherungsanlage berichtet hatte. Laut Amano haben die UN beobachtet, dass seither weitere Anlagen dort entstanden sind. Die bebaute Fläche habe sich verdoppelt.

Südkorea TV Übertragung Raketentest in Nordkora (Getty Images/AFP/J. Yeon-Je)

Nordkorea provozierte am 5. April mit dem Start einer Rakete, die etwa 60 Kilometer Richtung Japan flog

Der IAEA-Chef warnte davor, das wegen der weitreichenden Sanktionen isolierte Land zu unterschätzen. "Es ist ein Fehler zu glauben, weil sie nicht genug Nahrungsmittel haben, hätten sie keinen hohen industriellen Standard. Wenn eine Nation sich auf einen Bereich konzentriert und Geld investiert, kann sie viel erreichen", sagte Amano. Die daraus resultierenden Sicherheitsbedenken gingen über die Region hinaus.

Ungeachtet der umfangreichen UN-Strafmaßnahmen lässt Nordkoreas Diktator Kim Jong Un Raketen entwickeln, die neben Südkorea und Japan auch die US-Küste erreichen könnten. In den vergangenen Wochen drohte er wiederholt mit einem Angriff.

Nordkorea Kim Jong-un (Reuters/KCNA)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (r.) setzt auf Drohungen und nicht auf Diplomatie

"Diplomatischen Kontakte minimieren"

US-Präsident Donald Trump bemüht sich seit Beginn seiner Präsidentschaft, den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen. Seine Regierung schließt auch ein militärisches Vorgehen gegen Nordkorea nicht aus. US-Außenminister Rex Tillerson appellierte am Donnerstag an seine Kollegen der ASEAN-Mitgliedsstaaten, den diplomatischen Kontakt zwischen Pjöngjang und den zehn asiatischen Ländern zu "minimieren". Damit solle verhindert werden, dass Nordkorea seine Pläne für ein Atomwaffenprogramm weiter vorantreiben könne. Acht Außenminister und zwei weitere hochrangige Vertreter der ASEAN-Staaten waren in die USA geflogen, um sich mit Tillerson abzustimmen.

USA Rex Tillerson und Yukoya Amano (Getty Images/A. Wong)

IAEA-Chef Amano (l.) im März bei US-Außenminister Tillerson in Washington

China gilt als Hauptansprechpartner und letzter Alliierter Nordkoreas. 80 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels werden über das große Nachbarland abgewickelt. Allerdings ist auch Pekings Einfluss auf Pjöngjang begrenzt. Chinas Staatschef Xi Jinping hat Kim noch nie persönlich getroffen. In den vergangenen Wochen rief die chinesische Führung Nordkorea mehrfach zur Zurückhaltung auf, worauf Pjöngjang zuletzt mit ungwöhnlich scharfer Kritik reagierte. 

China droht mit scharfer Reaktion

Die Volksrepublik machte nun deutlich, dass sie "auf beispiellose Weise" auf einen neuen Atomtest Nordkoreas reagieren werde. In einem Kommentar der "Gobal Times" heißt es, Peking solle nicht zögern, Pjöngjang diese Botschaft zu übermitteln. Gleichzeitig fordert der Kommentator einen ranghohen Dialog zwischen beiden Ländern, das dies der einzige Weg sei, um "Pjöngjang aus der Sackgasse zu ziehen".

se/rb (sz, dpa, rtr, afp) 

 

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