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Amerika

UN warnen vor mehr Cholera-Toten in Haiti

Die Vereinten Nationen haben vor einer schnelleren Ausbreitung der Cholera in Haiti gewarnt. Zudem schätzen die UN, dass mehr Menschen als bisher bekannt an der Seuche gestorben sind.

Ein Mitarbeiter des haitianischen Gesundheitsministeriums in einem gelben Schutzanzug wickelt eine Leiche in einen Toten in einen Leichensack (Foto: ap)

"Die Epidemie verbreitet sich mit zunehmendem Tempo", sagte Nigel Fischer, der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Haiti, am Dienstag (23.11.2010). Daher müsse die internationale Gemeinschaft ihre Hilfe "deutlich erhöhen". Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bis zu 200.000 Menschen in Haiti in den nächsten Jahren an der Cholera erkranken könnten. "Wir tun alles was wir können. Aber solch eine Seuche kann man nicht in ein paar Wochen oder Monaten in den Griff bekommen", so Fischer. Nach Angaben der haitianischen Regierung haben sich seit Ausbruch der Seuche am 19. Oktober bereits mehr als 60.000 Menschen infiziert. Mehr als 25.000 seien behandelt worden.

Mehr Tote als offiziell gemeldet?

Das haitianische Gesundheitsministerium hat am Dienstagabend (23.11.2010) in Port-au-Prince mitgeteilt, dass es nun bereits mehr als 1400 Cholera-Tote gebe. UN-Koordinator Nigel Fischer glaubt, dass diese Zahl zu tief gegriffen sei. Er geht von rund 2000 Toten aus.

Ein Mitarbeiter des haitianischen Gesundheitsministeriums in einem gelben Schutzanzug wirft einen weißen Leichensack in ein Massengrab außerhalb von Port-au-Prince (Foto: ap)

Massengrab in der Nähe von Port-au-Prince

Derweil haben die Behörden in Port-au-Prince neue Massengräber für die Cholera-Toten außerhalb der Stadt geschaffen. Zudem nutzen sie bereits bestehende Massengräber. Augenzeugen berichten, dass seit dem vergangenen Donnerstag (18.11.2010) rund 100 Leichen in Plastiksäcken beigesetzt worden seien. Zudem haben die Gesundheitsbehörden angeordnet, dass die Leichenschauhäuser für die Dauer der Epidemie keine Cholera-Toten mehr aufnehmen dürfen. "In den Straßen aufgesammelte Leichen, die keine Spuren von Gewalt aufweisen, werden aus sanitären Gründen nicht mehr zu den Leichenhäusern zugelassen", heißt es in der Anordnung. Die Behörden sind mittlerweile auch dazu übergegangen, die Leichen in Titayen, das übersetzt so viel wie "kleines Nichts" heißt, rund 20 Kilometer nördlich von Port-au-Prince, beizusetzen. Dort waren bereits im Januar nach dem schweren Erdbeben mehr als 70.000 Leichen vergraben worden.

Bisherige Hilfe reicht nicht

Die Vereinten Nationen haben am Dienstag (23.11.2010) einen dringenden Hilfsappell an die internationale Staatengemeinschaft gerichtet. Von den benötigten 164 Millionen Dollar (rund 123 Millionen Euro) seien bislang nur knapp sieben Millionen Dollar gespendet worden, sagte Elizabeth Byrs vom UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) in Genf. "Die Opfer können nicht warten", betonte sie. Nigel Fischer, der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Haiti, erklärte, dass vor allem Helfer vor Ort gebraucht würden: "Wir brauchen dringend mehr Ärzte. Noch dringender suchen wir aber Schwestern und Pfleger." Aber nicht nur an Helfern, sondern auch an Sachmitteln fehle es. "Wir haben überall Sorgen. Bei den Betten, bei den Medikamenten und bei anderen Dingen. Dafür brauchen wir dringend Hilfe von außen", so Fischer weiter.

Ein Kleinkind sitzt neben seiner Mutter, die an Cholera leidet, in einer Sporthalle, die zu einem Behandlungszentrum umgestaltet wurde. Die Patienten hängen an Tröpfen (Foto: ap)

Ein Kleinkind sitzt neben seiner Mutter, die an Cholera leidet. Beide befinden sich in Cap-Haitien in einer Sporthalle, die zu einem Behandlungszentrum umgestaltet wurde.

Positiv ist, dass laut den Hilfsorganisationen immer mehr Menschen in Haiti ein Bewusstsein für die Cholera entwickelten. "Die Kranken kommen jetzt früher zu uns", so Aurelie Baumel von Ärzte ohne Grenzen. Patricio Luna von der Caritas kann das bestätigen: "Jetzt kommen sie oft noch rechtzeitig zur Behandlung."

Gewaltausbrüche vor Wahlen erwartet

Trotz der Cholera-Epidemie erklärte der provisorische Wahlrat CEP, dass die für Sonntag geplanten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen nicht verschoben werden. Einige Kandidaten hatten das gefordert.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass es zu Gewalttaten vor den Präsidentschaftswahlen in Haiti am Sonntag (28.11.2010) kommen wird. "Das Potential ist leider da und wir müssen auf alles gefasst sein", warnte der Chef der UN-Mission Minustah, Edmond Mulet, am Dienstag (23.11.2010). Derzeit sei es aber ruhig. Mulet ist sich sicher, dass die meisten Proteste nicht spontan sind, sondern aus dem Hintergrund gesteuert werden: "Das sind Gruppen, die die Regierung destabilisieren und die Wahl verhindern wollen, weil sie so auf eine Teilhabe an der Macht hoffen." Einige der Parteien würden die Cholera-Epidemie gegen ihre Gegner und die UN instrumentalisieren. Den UN wird vorgeworfen, die Cholera aus Nepal eingeschleppt zu haben. Darauf gebe es aber nach wie vor keine Hinweise, betonte UN-Koordinator Nigel Fischer: "Es gab mehrere Tests und alle waren negativ. Zudem gibt es bis heute nicht einen UN-Mitarbeiter, der Cholera-Symptome zeigt."

Zusammenstöße mit zwei Toten

Ein Mann hält bei einer Veranstaltung unter freiem Himmel ein Wahlplakat mit dem Foto eines Präsidentschaftskandidaten hoch (Foto: ap)

Der Wahlkampf läuft auf vollen Touren - trotz oder gerade wegen der Cholera

Am Montagabend (22.11.2010) sind bei Zusammenstößen zwischen Anhängern rivalisierender Kandidaten zwei Menschen getötet und weitere verletzt worden. Nach Angaben von Polizei und verschiedener Radiosender haben sich die Auseinandersetzungen in dem Ort Beaumont im Südwesten des Landes bei einer Kundgebung des Regierungskandidaten Jude Célestin ereignet. Rivalisierende Gruppen hatten sich mit Steinen und Flaschen beworfen. Zudem setzten sie Schusswaffen ein.

In drei Städten protestierten aufgebrachte Demonstranten gewaltsam gegen die personelle Besetzung des Wahllokale. Daran beteiligten sich auch Anhänger der Oppositions-Kandidatin Mirlande Manigat, die bei der Wahl als Favoritin gilt. Die Demonstranten befürchten einen Wahlbetrug, da vor allem Anhänger des Regierungskandidaten Célestin als Wahlhelfer eingesetzt sind.

Autor: Marco Müller (dpa, afp, epd)
Redaktion: Oliver Pieper

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