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Sprachbar

Un-Wörter

Es ist eine der beliebtesten Vorsilben im Deutschen: das „un“ – und sehr vielfältig. Es kann Wörter in ihrer Bedeutung umkehren, sie gar völlig verändern. Aber nicht vor jedes Wort passt es. Dennoch ist es unverzichtbar.

Wie bei der Elektrizität gibt es auch in der deutschen Sprache positiv und negativ geladene Teilchen. Das negativ geladene Teilchen im Deutschen ist die Vorsilbe un. Und wie in der Physik ziehen sich auch in der Sprache positiv und negativ geladene Teilchen an, denn das un gibt es nur in Kombination mit einem Substantiv oder Adjektiv. Durch diese Anziehungskraft entsteht zwar kein elektrischer Strom, aber immerhin ein neues Wort mit einer neuen Bedeutung. Das un macht fast immer das Gegenteil aus dem, was hinten dran steht, denn un funktioniert oft wie eine Negation und bedeutet demnach nicht. Wenn etwas unbezahlbar ist, ist es also nicht bezahlbar.

Das un: die unangefochtene Nummer 1

Symbolbild: Eine Frau steht vor einer Wolke mit einem Blitz konflikt; unwetter; person; ärger; gewitterwolke; gewitter; fehler; problem; zieht auf; stimmung; laune; streit; stimmungsschwankungen; mobbing; frau; konfliktbewältigung; lösung; blitz; wolke; entladen; wetter; sommer; schlecht; angst; unsicher; schuldig; schuld; unschuldig; sturm; sorge; beziehungsproblem; streiten; strafe; bestrafung; mädchen; konsequenzen; sorgen; besorgt; lösen; schlichten; surreal; konzept; regenwolke; krise; lebenskrise; dilemma; schlamassel; problemsituation; risiko; versagen

Das "Un" macht das Wetter zum "Unwetter"

Die Deutschen lieben das un. Es ist wohl die beliebteste Vorsilbe, denn sie nimmt im Duden mit all ihren Anhängseln fast zehn Seiten ein. Mit dem unscheinbaren un lassen sich beinahe unendlich viele neue Wörter bilden. Beispielsweise macht das un einen interessanten Menschen völlig uninteressant. Das un ist in diesem Fall natürlich völlig unschuldig – denn wenn ein Mensch nicht interessant ist, hängt es möglicherweise damit zusammen, dass er unbeliebt, ungebildet oder auch einfach unfreundlich ist.

Aber aufgepasst: Das un ist unberechenbar. Nicht immer sorgt es für die gegensätzliche Bedeutung eines Wortes. So einfach wie bei oben genannten Adjektiven ist es nicht immer. Vielen Wörtern verleiht das un schlicht einen negativen Anstrich. Beispielsweise ist das Gegenteil von Unfall nicht Fall. Ein Unfall ist gewissermaßen ein schlimmer Fall im Sinne von Ereignis. Und das Unkraut ist trotzdem ein Kraut und das Unwetter auch ein Wetter – nur schlimmer.

Das un ist tückisch

Ein Zombie

Ziemlich unheimlich: Untote

Das un dient jedoch nicht allein dazu, die Bedeutung eines Wortes umzukehren oder sie ins Negative zu verwandeln. Das un kann die Bedeutung auch hervorheben und ihr etwas Abschließendes, Endgültiges verleihen, wie zum Beispiel bei der Unsumme oder bei den Unkosten. Der Unterschied zwischen den Kosten und den Unkosten ist also recht klein, bis auf die Tatsache, dass die Kosten etwas unbürokratischer und unwichtiger klingen als die Unkosten. Denn Kosten sind Kosten.

Darüber hinaus kann das un die Bedeutung von Wörtern auch völlig ändern, sodass das neue Wort überhaupt nichts mehr mit dem alten zu tun hat, zum Beispiel beim Wort heimlich. Das Gegenteil von heimlich ist zum Beispiel nicht unheimlich. Man kann zwar heimlich eine Tafel Schokolade essen, ohne dass es jemand merkt – wenn man dies jedoch auf unheimliche Art und Weise tut, dann müsste demjenigen, der zuschaut, ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Unheimlich bedeutet nämlich so viel wie gruselig. Unheimlich schnell zunehmen kann man bei einem hohen Schokoladenkonsum jedoch allemal. In der Umgangssprache bedeutet unheimlich nämlich so viel wie sehr.

Das un schweißt zusammen, was zusammengehört

Zeitdruck: Ein Mann und eine Frau schauen auf die Uhr

Ungeduld sorgt für Stress

Das un ist mit all seinen Funktionen zwar ein ziemlich praktisches Wortbildungselement, aber es passt leider nicht vor jedes Wort. Außerdem fühlt sich das un auch nicht bei jeder Wortart wohl. Mit dem Wort Geduld beziehungsweise geduldig hat es offensichtlich kein Problem, denn die Wörter ungeduldig und Ungeduld existieren im deutschen Wortschatz.

Bei anderen Wörtern ist das un jedoch wählerischer. So gibt es beispielweise die Wörter christlich und unchristlich. Aber aus dem Christ kann kein Unchrist werden, weil es das Wort Unchrist nicht gibt. Verwendet es jemand dennoch, dann meint er bestimmt einen ganz schlechten Christen. Andererseits ist das un mit manchen Wörtern wiederum so eng verbunden, dass es unmöglich ist, es zu entfernen. Wörter wie unermüdlich, unersättlich oder unglaublich könnten ohne das un überhaupt nicht existieren.

Unverzichtbar, aber manchmal unerträglich

Kind auf der Heizung

Hier ist aber jemand unzufrieden

Offensichtlich ist das un unverzichtbar. Da es aus der indogermanischen Sprachfamilie stammt, ist es sogar im Englischen anzutreffen. Unbelievable! Wir brauchen das un. Aber nichts für ungut, manchmal macht man es sich mit dem un auch zu einfach. Wenn das un in einem Text zu oft auftaucht, kann es den Text unerträglich machen, denn Wörter mit un können auch schnell zu Reizwörtern werden, weil sie in ihrer Bedeutung oft sehr absolut wirken.

So ein un rutscht schnell über die Lippen: "Zwei Minuten zu spät! Es ist ungeheuerlich, dass du dauernd so unpünktlich bist! Wie unverschämt! Ja, ich bin unzufrieden! Du weißt doch wie ungeduldig ich bin! Es ist wirklich unfassbar, wie unvernünftig du dich verhältst. Was für ein Unmensch du sein kannst!“

Unschön und unerwünscht: Unwörter

WOTW Döner-Morde

Das Unwort des Jahres 2011

Beim un ist also Vorsicht geboten. Wenn es sich an das falsche Wort andockt, ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass ein Unwort entsteht. Eine Jury von Sprachkritikern bestimmt jedes Jahr das Unwort des Jahres. Bis jetzt gibt es noch kein Unwort des Jahres mit der Vorsilbe un. Im Jahr 2011 wurde das Wort Döner-Morde zum Unwort des Jahres gewählt. Der Grund: Mit der Bezeichnung Döner-Morde haben die Medien eine rechtsterroristische Mordserie umschrieben.

Damit werden jedoch die Opfer der Mordserie diskriminiert, denn es wurden ja keine Döner, ein türkisches Fleischgericht, ermordet, sondern Menschen. Und diese Menschen stammten auch nur zum Teil aus der Türkei. Döner-Morde ist demnach zu Recht ein Unwort, denn wie heißt es im ersten Absatz des ersten Artikels des deutschen Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Das un und die UN

Ähnlich lautet dieser Satz: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." Das steht in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte des un, Entschuldigung, der UN. Das sind die Vereinten Nationen. Und die UN eignen sich auch hervorragend als Vorsilbe: Immerhin gibt es die UN-Charta, die UN-Gesandten und die vielen UN-Konventionen. Nur nichts für ungut - bei diesem un handelt es sich lediglich um eine Abkürzung!




Fragen zum Text

Kein Un ist möglich bei dem Wort …
1. legal.
2. verantwortlich.
3. kritisch.

Das Gegenteil von Unmut bedeutet…
1. Verärgerung.
2. Freude.
3. Mut.

Nichts für ungut! bedeutet …
1. Ich bin noch nicht fertig!
2. Es ist nicht böse gemeint!
3. Das Schlimmste kommt noch!


Arbeitsauftrag
Welches Unwort passt zu welcher Begründung? Schau dir die Wörter im PDF an und ordne zu.

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