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Politik & Gesellschaft

"UN-Umweltorganisation ist nötig"

In Deutschland machen sich immer mehr Menschen für den Artenschutz stark. Der Erhalt von Flora und Fauna ist aber längst eine globale Herausforderung, sagt Bundesumweltminister Peter Altmaier im DW-Interview.

Deutsche Welle: Es gibt in Deutschland einige Tierarten, die stark vom Aussterben bedroht sind. Was bedeutet Artenschutz für Sie?

Peter Altmaier: Für mich bedeutet Artenschutz, dass wir unser Erbe bewahren, denn diese Tierarten sind über Millionen von Jahren entstanden. Es gibt unglaublich viele unterschiedliche davon, jeder hat seinen Platz im Ökosystem, jeder hat seine Nische, seine Aufgabe in der Natur. Und wenn diese Arten in kurzer Zeit dezimiert werden, dann werden wir das nie wieder aufholen - weder zu unseren Lebzeiten noch zu denen unserer Kinder. Und deshalb müssen wir die Artenvielfalt schützen. Wir haben große Erfolge erzielt, beim Fischotter zum Beispiel, beim Biber, bei den Dachsen und Wölfen. Da haben sich die Bestände erholt, da sind wir auf dem richtigen Weg, und trotzdem sterben immer noch Arten aus oder sind verschollen. Eines Tages merkt man, sie sind ausgestorben. Leider gibt es keinen Grund zur Entwarnung, und in anderen Ländern sieht es noch viel schlimmer aus als in Deutschland. Wir müssen über das Thema Artenschutz auch international reden, damit man weiß, welchen Schatz wir bewahren müssen für unsere Nachkommen.

Wie kann man denn gegen den Artenschwund steuern, vor allem, wenn man es auf der globalen Ebene sieht?

Die Arten, die ausgestorben sind, werden wir nie wieder zurückholen. Aber wir können versuchen, diejenigen, die wir noch haben, zu bewahren. Das ist die Herausforderung. Und nichts zu tun und nur darauf zu warten, dass alles schlimmer wird, ist keine Alternative. Wir müssen um jede einzelne Art kämpfen. Das gilt natürlich für die Wirbeltiere ganz besonders, aber auch für alle anderen: für die Insekten, für Würmer, für die Käfer. Dort haben wir einen unglaublichen Artenreichtum und es wird für das Ökosystem nicht ohne Folgen bleiben, wenn viele von diesen Arten in ganz kurzer Zeit aussterben.

Kopf eines Sumatra-Tigers (Foto: DPA)

Vom Aussterben bedroht: der Sumatra-Tiger.

Erst ab 2012 sollen 100 Milliarden US-Dollar in den Kampf gegen den Klimawandel fließen. Warum erst so spät?

Wir haben längst angefangen. Wir haben uns vor eineinhalb Jahren in Durban darauf verständigt, den Entwicklungsländern und Schwellenländern zu helfen im Kampf gegen den Klimawandel. Dafür stellen wir viel Geld zur Verfügung. Da gab es zwei Phasen. Die erste war die sogenannte schnelle Startphase. Dafür haben wir einige Milliarden weltweit zur Verfügung gestellt und jetzt kommt es aber darauf an, diesen Fonds anwachsen zu lassen. Das ist keine leichte Aufgabe, wenn in Europa überall die Staatsschulden drücken, wenn es wenig finanzielle Spielräume gibt. Umso wichtiger ist es, dass der "Green Climate Fund" dann in einem Land angesiedelt wird, das hinter dem Klimaschutzgedanken steht, wo er politische Rückendeckung hat, damit er seine Arbeit dann auch effizient verrichten kann.

Sie fordern auch eine UN-Umweltorganisation..

Wir haben bisher ein UN-Umweltprogramm in Kenia. Klaus Töpfer war über viele Jahre dort der Direktor. Dieses Umweltprogramm ist aber sehr klein und es ist nicht einflussreich genug. Deshalb wollen wir, dass es eine richtige Organisation wird wie die UNESCO oder wie die Welternährungsorganisation. Denn wir glauben, Umweltschutz ist so wichtig wie Kultur, Umweltschutz ist so wichtig wie Landwirtschaft und das muss sich dann auch in der Bedeutung dieser Organisation widerspiegeln. Wenn die Bedeutung steigt, dann steigen auch die Möglichkeiten, etwas im Umweltschutz zu erreichen. Es ist fünf vor zwölf in vielen Bereichen: beim Meeresschutz, bei der Luftreinhaltung, beim Klimaschutz, beim Schutz des Bodens, bei der Artenvielfalt. Und deshalb muss die UN auch mehr tun, um in diesem Bereich sichtbar zu agieren.

Ist Deutschland denn in dieser Hinsicht ein Vorbild?

Deutschland war immer ein Vorbild im Bereich des internationalen Umweltschutzes und wir haben gezeigt, dass man Wirtschaftswachstum und Umweltschutz miteinander vereinbaren kann und dass Umweltschutz sogar dazu beitragen kann, dass die Wirtschaft wächst. Das müssen andere Staaten erst noch lernen. Daher ist es wichtig, dass wir über unsere Erfahrungen sprechen und andere Staaten daran teilhaben lassen.

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