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Amerika

UN trauern um Haiti-Missionschef

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon macht sich in Haiti ein Bild von der Lage im Erdbebengebiet. Zugleich würdigte er UN-Missionschef Hédi Annabi, der bei dem Beben ums Leben kam. Auch knapp 30 Deutsche werden noch vermisst.

Frau vor der Kathedrale (Foto: AP)

Vor der Kathedrale in Port-au-Prince

Fünf Tage nach dem Erdbeben in Haiti werden immer noch Überlebende geborgen. In der Hauptstadt Port-au-Prince wurden am Sonntag (17.01.2010) drei Haitianer aus den Trümmern eines eingestürzten Supermarktes gerettet. Die drei - ein siebenjähriges Mädchen, ein 34-Jähriger und eine Frau im Alter von 50 - waren nach Angaben der Rettungskräfte aus den USA und der Türkei nur leicht verletzt. Am Samstagabend wurde die deutsche Besitzerin des Hotels Montana aus dem zerstörten Gebäude in Port-au-Prince gerettet.

Trauer um UN-Mitarbeiter

Hédi Annabi (Foto: AP)

Hédi Annabi, Leiter der UN-Mission, starb bei dem Erdbeben

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon besuchte am Sonntag das Erdbebengebiet, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Auch die UN-Mission in Haiti wurde von dem Erdbeben schwer getroffen. Missionschef Hédi Annabi konnte nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Auch sein Stellvertreter Luiz Carlos da Costa und der amtierende UN-Polizeichef von Haiti, Doug Coates kamen bei dem Beben ums Leben.

Ban Ki Moon würdigte Annabi als "eine Ikone der UN-Friedensdienste", der sein Leben den Vereinten Nationen gewidmet habe. Annabi war seit 2007 UN-Sonderbeauftragter für Haiti. Zuvor hatte der Diplomat aus Tunesien, der 65 Jahre alt wurde, unter anderem in der UN-Abteilung für friedenserhaltende Maßnahmen gearbeitet. "Er setzte sich leidenschaftlich für Missionen und Menschen ein", sagte Ban.

Chaotische Lage

Gruppe (Foto: AP)

Im allgemeinen Chaos kam es auch zu Plünderungen

Die Lage in den zerstörten Gebieten ist noch lange nicht unter Kontrolle. Am Sonntag schoss die Polizei in Port-au-Prince auf Menschen, die einen Supermarkt in der haitianischen Hauptstadt stürmten. Dabei sei ein etwa 30 Jahre alter Mann getötet worden, berichtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP.

Korrespondenten berichteten außerdem, in Port-au-Prince habe es Lynchmorde gegeben. Es habe sich um Fälle von Selbstjustiz gehandelt. "Die Haitianer nehmen die Dinge nun teilweise selbst in die Hand", sagte demnach ein Anwohner. "Es gibt keine Gefängnisse, die Kriminellen laufen frei herum. Und von der Polizei fehlt jede Spur."

Bis zu 50.000 Opfer vermutet

Gruppe (Foto: AP)

Die Hilfe ist noch längst nicht überall angekommen

Unterdessen werden immer mehr Einzelheiten über das Ausmaß der Zerstörungen bekannt. Jüngsten Schätzungen der Regierung Haitis zufolge kamen bei dem Erdbeben am vergangenen Dienstag bis zu 50.000 Menschen ums Leben. 250.000 seien verletzt worden, 1,5 Millionen Menschen seien nun obdachlos.

Das Erbeben hat auch die Hafenstadt Jacmel schwer getroffen. Mitarbeiter der Diakonie Katastrophenhilfe berichteten aus Jacmel, dass die Stadt im Süden Haitis zur Hälfte zerstört ist. Andere Helfer hätten zudem berichtet, dass Leogane westlich von Port-au-Prince sogar zu 80 Prozent zerstört sei, sagte Sprecher Thommy Ramm.

Erstes deutsches Opfer

Unter den Erdbeben-Opfern in Haiti sind offenbar auch Deutsche. Ein erstes Todesopfer sei inzwischen geborgen worden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntag der Nachrichtenagentur DAPD. Der Tote sei ein junger Mann aus Hamburg. Knapp 30 weitere Deutsche würden noch vermisst. Außerdem seien 15 deutsche Staatsbürger inzwischen außer Landes gebracht worden.

Autor: Dirk Eckert (apn, afp, dpa, rtr)

Redaktion: Walter Lausch

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