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Welt

UN testen Hütten als Zeltersatz

Flüchtlingslager sind meistens Zeltstädte. Die Vereinten Nationen suchen nach einer Alternative. Denn Zelte sind nicht sehr haltbar. In Äthiopien werden nun Hütten erprobt, die man genauso einfach aufstellen kann.

Weiße, zerfledderte Zelte prägen seit Jahrzehnten die Bilder aus den UN-Flüchtlingslagern in den unterschiedlichsten Regionen. Sie halten ungefähr sechs Monate - je nachdem wie stark der Wind pfeift, die Sonne brennt oder wie viele Unwetter über die Camps hereinbrechen. "Die Zelte wurden für den Notfall konzipiert", sagt Rocco Nuri, Sprecher des Innovationsteams bei der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR.

Dazu kommt noch die fehlende Privatsphäre: "Wenn es nachts dunkel wird und im Nachbarzelt noch Licht an ist, dann sieht man die Schatten der Bewohner." Dies sei für viele Menschen inakzeptabel, so Nuri im Gespräch mit der Deutschen Welle. Weiteres Manko: die schlechte Isolierung. "Im Sommer sind sie zu heiß, im Winter zu kalt. Eine dauerhafte Lösung können sie nicht sein." Dabei ist es keine Seltenheit, dass Flüchtlinge jahrelang in den Lagern bleiben.

Das Flüchtlingslager Dollo Ado in Äthiopien (Foto: dpa)

Flüchtlingslager Dollo Ado: Für den Notfall konzipierte Zelte

Getestet werden deshalb nun nach einer dreijährigen Entwicklungsphase robustere Hütten, die unter der Leitung der schwedischen Organisation "Refugee Housing Unit" hergestellt wurden. Die Ikea-Stiftung finanzierte das Projekt bis jetzt mit einer Spende von 3,4 Millionen Euro. Kein Wunder: Ähnelt doch das Bauprinzip der Hütten dem von Schränken und Regalen des schwedischen Möbelhauskonzerns.

Ende Juni verschickte UNHCR die etwa je 100 Kilo schweren Einheiten in den Süden Äthiopiens, in die Region Dollo Ado. In den Camps dort leben in erster Linie Flüchtlinge aus dem Nachbarland Somalia - etwa 190.000 Menschen.

Die Pakete, in denen die Bauteile für eine ganze Hütte stecken, können von zwei starken Leuten getragen werden. Enthalten sind die Hüttenwände in Einzelteilen aus einem leichten und flexiblen Kunststoff. Eine Tasche mit Metallstreben, Drähten und Verbindungsstücken kommt noch dazu. Für den Aufbau benötigt man kein Werkzeug.

Fremde Hilfe, fremde Konzepte

Die Hütten seien in jedem Fall robuster als Zelte, lobt Dirk Donath das Konzept. Dennoch spricht der Professor für Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar von einer künstlichen und importierten Lösung. Donath im DW-Interview: "Das Metallrahmenhaus hat nichts mit den Leuten vor Ort zu tun, nichts mit der Region. Es wird sehr schwierig zu handhaben sein."

Donath arbeitet - im Auftrag seiner deutschen Universität - seit fünf Jahren in der Hauptstadt Äthiopiens, an der Addis Abeba University. Er betreut Projekte, die sich dem Wohnungsbau in den fortlaufend wachsenden Städten widmen. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Lösungen für den ärmeren Teil der Bevölkerung. Auch er war an der Suche nach einer Alternative für die UN-Zelte beteiligt und lieferte eine andere Idee. Donaths Team setzte auf Materialen, die vor Ort verfügbar sind, und auf Technik und Wissen, mit denen zahlreiche Bewohner der jeweiligen Region vertraut sind: "Wir haben Nahrungsmittelsäcke mit Sand gefüllt und zu Häusern zusammengesetzt."

Probleme bei Alternativkonzept

Verwirklicht wird diese Variante allerdings zunächst nicht. Die Gründe sind vielfältig. Donath hat seine Vermutungen. Bei den Materialien hätten die Flüchtlinge eine ähnliche Einstellung wie der Rest der Äthiopier: Traditionelle Baumaterialien wie Lehm, Bambus und Zementsteine sind "out", Glas, Plastik und Metall sind "in". Zum anderen machte Donath bei seinen zwei Besuchen in den Lagern von Dollo Ado die Erfahrung, dass nicht alle Flüchtlinge bereit sind, bei dem Aufbau ihrer Unterkünfte zu helfen. Andere verlangten einen hohen Tageslohn. Das Schleppen und Stapeln von Sandsäcken, das sich Donath ausgedacht hatte, blieb so Wunschdenken.

Außenansicht der neuen UNHCR-Flüchtlingsunterkunft (Foto: IKEA Foundation)

Flüchtlingsunterkunft im Test: Glas, Plastik und Metall sind "in"

Nun also eine Hütte, die statt sechs Monate drei Jahre halten soll, in der es - dank Solarzellen - Strom für eine Lampe und andere Geräte gibt. Eine Annäherung an ein Zuhause, das mehr Privatsphäre und Schutz vor schlechter Witterung verspricht und noch dazu einfacher zu reparieren und auszubauen ist, als ein Zelt. "Sollten die Hütten auf große Ablehnung stoßen, werden wir Verbesserungen vornehmen oder eine andere Lösung suchen", verspricht Rocco Nuri vom UNHCR. Aber er ist zuversichtlich, dass die Behausungen gut ankommen werden. Auf Dauer wären die neuen Unterkünfte mit einem geschätzten Stückpreis von 1000 Euro sogar billiger als die Zelte.

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