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Afghanistan

UN streichen berüchtigten afghanischen Kriegsherrn von Sanktionsliste

Gulbuddin Hekmatjar hat den Beinamen "Schlächter von Kabul". Er wird für den Tod tausender Zivilisten im afghanischen Bürgerkrieg verantwortlich gemacht. Nun scheint alles vergeben.

Afghanistan Gulbuddin Hekmatyar (picture-alliance/AP Photo/K. Jebreili)

Gulbuddin Hekmatjar (Archivbild)

Die gegen den ehemaligen afghanischen Warlord Gulbuddin Hekmatjar verhängten UN-Sanktionen sind aufgehoben. Der Weltsicherheitsrat in New York veröffentlichte eine entsprechende Erklärung. Darin heißt es, der Anführer der radikalislamischen Rebellengruppe Hisb-e Islami unterliege ab sofort keinerlei Beschränkungen mehr. 

Hekmatjar, inzwischen fast 70 Jahre alt ist, galt in den 1980er Jahren als der von Saudi-Arabien und den USA bestfinanzierte Mudschaheddin-Anführer im Kampf gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan. Im folgenden Bürgerkrieg zwischen seiner Fraktion und anderen Rebellengruppen um die Herrschaft in Kabul wurde er für den Tod tausender Zivilisten verantwortlich gemacht. In den 1990er Jahren hatte Hekmatjar zwei Mal das Amt des afghanischen Regierungschefs inne.

"Dschihad gegen die USA"

Nachdem die Taliban 1996 die Hauptstadt Kabul erobert hatten, floh der Sunnit für einige Jahre in den Iran, später wurde er in Pakistan vermutet. 2001 stellte Hekmatjar sich auf die Seite des Al-Kaida-Terroristenführers Osama bin Laden. 2002 rief er in einer Radioansprache zum Dschihad (Heiligen Krieg) gegen die USA auf. Die US-Regierung erklärte ihn daraufhin 2003 zum "globalen Terroristen". 

Die Entscheidung der Vereinten Nationen folgt dem im vergangenen September unterzeichneten Friedensvertrag zwischen der afghanischen Regierung von Ashraf Ghani, Hekmatjar sowie seiner Hisb-e Islami. Das Abkommen beinhaltet auch eine Amnestie für Hekmatjars Verbrechen. Der ehemalige Kriegsherr war seinerzeit per Videokonferenz von einem unbekannten Ort zugeschaltet.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und Teile der afghanischen Bevölkerung verurteilen die Vereinbarung sowie die Reaktion der UN als Affront gegen die Opfer der Gewalt. Afghanische Medien meldeten in den vergangenen Tagen, Hekmatjar sei nun wieder in Afghanistan und werde demnächst nach Kabul kommen. Dann werden emotionale Demonstrationen erwartet.

se/qu (rtr, dpa, ap)

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