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Nahost

UN-Sicherheitsrat beschließt Beobachtermission für Aleppo

Das diplomatische Tauziehen hat ein Ende. Doch der Beschluss des wichtigsten UN-Gremiums ist nur ein Etappensieg inmitten des Versagens. Die zähe Rettung der Menschen in der syrischen Stadt dürfte noch lange dauern.

Syrien Avakuierung aus Aleppo (Getty Images/AFP/G. Ourfalian)

Busse zwischen Trümmern: Straßenszene in Ramoussa am Rande Aleppos

Der UN-Sicherheitsrat hat per Resolution die Entsendung von Beobachtern in die syrische Stadt Aleppo gefordert. Alle 15 Mitgliedsstaaten stimmten in New York für eine entsprechende Vorlage. Die Beobachter sollen die Evakuierungsaktionen aus dem zuvor von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt überwachen und über die Lage der noch verbliebenen Bewohner berichten. Auch der freie Zugang für humanitäre Hilfe wird verlangt.

Im Nachgang zu der Sicherheitsratssitzung teilte der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura mit, dass die Genfer Friedensgespräche für Syrien am 8. Februar 2017 wiederaufgenommen werden sollen.

Gegenseitige Beschuldigungen

Die Resolution hätte eigentlich schon am Sonntag verabschiedet werden sollen. Doch nach einer Veto-Drohung Russlands und mehr als dreistündigen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen war die Entscheidung auf Montag verschoben worden.

Überdies entschied das wichtigste UN-Gremium auf Initiative Frankreichs, Krankenhäuser und medizinisches Personal unter besonderen Schutz zu stellen. Der französische Botschafter bei den Vereinten Nationen, François Delattre, erklärte, die Resolution solle ein neues "Srebrenica" in Aleppo verhindern. In Srebrenica wurden 1995 während des Bosnienkrieges mehr als 8000 Menschen massakriert. UN-Diplomaten hatten in den vergangenen Tagen immer wieder von Gräueltaten an evakuierten Zivilisten berichtet. Dafür sollen vor allem Regierungstruppen verantwortlich sein. 

Syrien Avakuierung aus Aleppo (Getty Images/AFP/G. Ourfakian)

Hunger und Kälte: Retter helfen einer Frau in Aleppo

Am vergangenen Donnerstag hatte die Evakuierung jener Teile Aleppos begonnen, die lange in der Hand der Rebellen waren, ehe die Regierungstruppen dort obsiegten. Die Rettung der Menschen wurde allerdings am Freitag für mehrere Tage gestoppt. Die syrische Führung unter Präsident Baschar al-Assad und Vertreter der Aufständischen beschuldigten sich gegenseitig, für die Unterbrechnung verantwortlich zu sein.

Nur die Kleider und das Leben gerettet

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass sich noch mehrere zehntausend Menschen in dem vormaligen Rebellengebiet befinden. Seit Beginn der Evakuierung haben nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) rund 15.000 Menschen die Areale verlassen. Allein seit Wiederaufnahme der Transporte am Sonntagabend seien rund 5000 Menschen in das südwestliche Umland Aleppos gebracht worden, teilte IKRK-Sprecherin Ingy Sedky mit.

Syrien Evakuierung in Aleppo (Getty Images/AFP/H. Kadour)

Flucht vor Gewalt: Busse bringen die Menschen aus der Gefahrenzone

Hilfsorganisationen berichteten, die Zivilisten litten extrem unter den frostigen Wintertemperaturen. "Viele haben nur noch ihre Kleider am Leib", sagte Nada Hasem von der syrisch-amerikanischen Karam Foundation der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Menschen haben Hunger. Und sie frieren so sehr, dass sie es nicht mehr ertragen können." Der Journalist Suheir al-Schimale berichtete in einem Beitrag für die Nachrichtenseite Middle East Eye, er habe die vergangenen 24 Stunden auf der Straße gestanden. "Es gab nichts zu essen für die Menschen, die auf der Straße warteten. Und es war sehr, sehr kalt." 

jj/se (dpa, afp, rtr)

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