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Aktuell Nahost

UN-Sicherheitsrat berät Gaza-Krise

Israel hat im Gazastreifen seine Bodenoffensive fortgesetzt. Die Zahl der Opfer steigt. Der Weltsicherheitsrat berät deshalb noch an diesem Freitag über die Krise.

Die Krisen-Sitzung sei von der Türkei und Jordanien beantragt worden, teilten Diplomaten mit. Der Rat hatte sich bereits am 10. Juli zur Gaza-Krise getroffen, sich aber nicht auf eine Resolution einigen können. Zwei Tage später forderte er aber in einem einstimmigen Beschluss eine Waffenruhe.

Israel drohte derweil der radikalislamischen Hamas mit einer deutlichen Ausweitung der Bodenoffensive. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er habe die Streitkräfte entsprechend angewiesen. Die Truppen gingen mit Panzern, Artillerie, Marineschiffen, Kampfhubschraubern und Infanterie-Einheiten gegen die Islamisten vor.

Sicherheit für Israel schaffen

Neben der Zerstörung der Raketen der Hamas und anderer terroristischer Gruppen im Gazastreifen habe die Armee den Auftrag, die Terrortunnel zu zerstören, die aus dem Gazastreifen nach Israel gegraben wurden. Damit bezog sich Netanjahu auf einen in der Nacht zum Donnerstag vereitelten Anschlag von 13 schwerbewaffneten Angreifern, die aus einem versteckten Tunnel kommend auf den nahe dem Gazastreifen gelegenen Kibbuz Sufa vorrückten.

Netanjahu hatte schon den Invasionsbefehl damit begründet, dass die Tunnel nicht allein durch Bombardierung aus der Luft zerstört werden könnten. Durch einige der mehreren hundert unterirdischen Gänge sollen Waffen und Munition aus Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt werden. Durch andere Tunnel haben militante Palästinenser immer wieder versucht, nach Israel einzudringen, um Anschläge zu verüben. Die palästinensischen Kämpfer suchen in dem Tunnelsystem Schutz vor israelischen Luftangriffen. Ein Armeesprecher erklärte: "Das Ziel ist es, eine Realität zu schaffen, in der israelische Bürger in Sicherheit und ohne willkürlichen Terror zu leben."

Erste Bodenoffensive seit fünf Jahren

Nach Angaben der palästinensischen Behörden sind bei den israelischen Aktionen im Gazastreifen seit Donnerstagabend mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen, darunter ein Baby, zwei Kinder und eine 70 Jahre alte Frau. Auf israelischer Seite wurde nach offiziellen Angaben ein 20-jähriger Soldat getötet.

Israelische Kampfpanzer rückten erstmals seit gut fünf Jahren am Donnerstagabend wieder in den Gazastreifen ein. Rund 70.000 Soldaten wurden für die Offensive mobilisiert. Es ist der vierte Bodeneinsatz seit Juni und November 2006 sowie Januar 2009. Die Einsätze dauerten meist rund eine Woche.

Israel muss mehr zum Schutz der Zivilisten tun

Bundeskanzlerin Angela Merkel hob das Recht Israels auf Selbstverteidigung hervor. Die jüngsten Ereignisse hätten gezeigt, dass die Hamas inzwischen über "eine völlig neue Qualität der Bewaffnung" verfüge, sagte Merkel in Berlin. "Jedes Land muss sich, wenn es so angegriffen wird, auch wehren."

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte, Israel müsse noch "weit mehr tun, um zivile Opfer zu vermeiden. Auch US-Außenminister John Kerry forderte in einem Telefonat mit Netanjahu, die Bodenoffensive müsse sich "zielgerichtet" gegen die Tunnel richten.

Ägyptische Regierung kritisiert Hamas

Die in dem Konflikt vermittelnde ägyptische Regierung verurteilte ebenfalls die weitere "Eskalation", kritisierte aber vor allem die Hamas: "Hätte die Hamas die ägyptischen Vorschläge akzeptiert, wäre seitdem das Leben dutzender Palästinenser verschont geblieben", sagte Außenminister Samech Schukri. Kairo hatte am Dienstag Pläne für einen Waffenstillstand vorgelegt, die von Israel akzeptiert und von der Hamas abgelehnt wurden.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte Israel dazu auf, die Bodenoffensive zu stoppen. Der Einsatz werde nur zu noch "mehr Blutvergießen" führen und die Bemühungen um ein Ende der Gewalt verkomplizieren, sagte er in Kairo.

gmf/pg (afp, dpa, rtr)