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Aktuell Nahost

UN-Sicherheitsrat berät über Lage in Syrien

Die Lage für Hunderttausende Bewohner von belagerten Städten in Syrien wird immer schlimmer. Der UN-Sicherheitsrat kommt zu einer Sondersitzung zusammen. Generalsekretär Ban Ki Moon zeichnet ein Bild des Grauens.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (Foto) war sichtlich erschüttert, als er von den Berichten der UN-Mitarbeiter aus Syrien erzählte. "Alte Menschen und Kinder, Männer und Frauen, kaum mehr als Haut und Knochen, unterernährt, zu schwach zum Gehen und verzweifelt auf der Suche nach dem kleinsten Bissen Nahrung."

Demnach leben in dem Land 400.000 Menschen in belagerten Gebieten. Rund die Hälfte davon im Einflussbereich der Terrormiliz "Islamischer Staat", 180.000 in Regionen, die von syrischen Regierungstruppen und deren Verbündeten kontrolliert werden. Und etwa 12.000 leben auf Territorium, das sich bewaffnete Oppositionsgruppen angeeignet haben.

Syrien Madaja Ankunft Hilfskonvoi

Bewohner der eingekesselten Stadt Madaja erwarten den Hilfskonvoi

"Absolut unzumutbar"

Ban zog eine entmutigende Bilanz der Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren: "2014 konnten die Vereinten Nationen und ihre Partner rund fünf Prozent der Bevölkerung in besetzten Gebieten mit Nahrung versorgen. Heute erreichen wir weniger als ein Prozent der Menschen. Das ist absolut unzumutbar."

Der UN-Generalsekretär sagte, es sei ein Kriegsverbrechen, Menschen absichtlich verhungern zu lassen. Das Völkerrecht verbiete solche Gräueltaten, sagte er und sprach von einem weiteren Tiefpunkt in dem seit sechs Jahren wütenden Bürgerkrieg.

Helfern das Helfen ermöglichen

Großbritannien und Frankreich drängen im Weltsicherheitsrat auf besseren Zugang für Hilfsorganisationen zu belagerten Orten in Syrien. Gemeinsam mit den USA haben die beiden europäischen Staaten eine Sondersitzung des höchsten UN-Gremiums für diesen Freitag beantragt.

Hauptthema soll sein, wie Hilfslieferungen die rund 400.000 Betroffenen besser erreichen können. Großbritannien rief "alle mit Einfluss auf die syrische Regierung, insbesondere Russland" dazu auf, sofort ungehinderten Zugang sicherzustellen. Russland ist enger Verbündeter von Machthaber Baschar al-Assad.

Syrien Neuer Hilfskonvoi für Madaja

Hilfskonvoi auf dem Weg in die belagerte Stadt Madaja

Zuletzt hatte das Schicksal der Bewohner von Madaja weltweit für Bestürzung gesorgt. In der von schiitischen Hisbollah-Milizionären eingekesselten Stadt in der Nähe von Damaskus sollen sich 40.000 Menschen aufhalten, mehr als doppelt so viele wie zu Friedenszeiten. Mehrere Hundert von ihnen standen kurz vor dem Hungertod, ehe am Montag der erste Hilfskonvoi seit Monaten wieder Lebensmittel und Hygieneartikel brachte. Jetzt sollen die ausgemergelten Menschen so schnell wie möglich ins Ausland gebracht und dort versorgt werden. Nach Angaben der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" starben seit Dezember mindestens 28 Menschen in Madaja den Hungertod.

Ähnlich verheerende Zustände wie in Madaja herrschen den Berichten zufolge in mehreren anderen Städten in der Grenzregion zum Libanon und im Nordwesten Syriens. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mitteilte, sind mehrere Hilfskonvois mit insgesamt mehr als 60 Lkw auf dem Weg nach Madaja und andere belagerte Städte.

mak/stu (afp, rtr, dpa)