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Amerika

UN schicken weitere Truppen nach Haiti

Die Vereinten Nationen (UN) schicken weitere 3500 Kräfte nach Haiti, um den Wiederaufbau des Landes zu forcieren. EU-Ratspräsident Van Rompuy fordert unterdessen eine humanitäre Eingreiftruppe der Europäischen Union.

Haitianer auf der Straße (Foto: AP)

In Haiti warten viele Menschen auf medizinische Versorgung

Mit vereinten Kräften versucht die internationale Gemeinschaft, eine Woche nach dem Erdbeben das Elend und die Not in Haiti in den Griff zu bekommen. So hat der Sicherheitsrat der UN am Dienstag (19.01.2010) entschieden, die Truppen in Haiti um 3500 Kräfte zu verstärken. Statt 7000 sollen dann 9000 Blauhelme im Dienst stehen, die 2000 Polizisten werden um 1500 weitere verstärkt. "Sie sollen für Frieden und Sicherheit sorgen und beim Aufbau helfen", erklärte Chinas UN-Botschafter Zhang Yesui.

Das Mandat für die Truppe läuft über sechs Monate, kann aber verlängert werden. Zhang äußerte sich nicht zu der Frage, aus welchen Ländern die Blauhelme kommen sollen. Die Vereinten Nationen haben insgesamt bereits jetzt mehr als 10.000 Mitarbeiter in Haiti. Etwa 50 von ihnen sind tot geborgen worden, auch eine Woche nach dem Beben werden noch immer Hunderte vermisst. In den Trümmern des eingestürzten UN-Hauptquartiers in Port-au-Prince starben auch der Leiter der Haiti-Mission, der tunesische Diplomat Hédi Annabi. Experten rechnen inzwischen mit insgesamt rund 200.000 Todesopfern.

Menschen warten auf medizinische Versorgung

Kinder in einem Zelt-Camp (Foto: AP)

Die Lebensverhältnisse in Haiti sind katastrophal

Neben Lebensmitteln fehlt es in Haiti weiter an Medikamenten für die zahllosen Verletzten. Tausende warten in der verwüsteten Hauptstadt Port-au-Prince und anderen zerstörten Regionen weiter verzweifelt auf erste medizinische Versorgung. Hilfs-und Ärzteteams arbeiten nach Angaben der Nachrichtenagenturen bis zur völligen Erschöpfung rund um die Uhr. Anscheinend werden Patienten trotz mangelnder hygienischer Vorraussetzungen oft auf offener Straße behandelt. Viele haben lebensbedrohliche Wundinfektionen. Die internationalen Helfer und Soldaten kommen in der Trümmerstadt Port-au-Prince nur langsam und schwer voran.

Ärzte fordern Narkosemittel, Messer und Sägen an, um zertrümmerte Gliedmaßen amputieren zu können. Bill Clinton, der frühere US-Präsident, sagte nach einem Besuch in einem Krankenhaus: "Es ist erstaunlich, was die Haitianer leisten." Leonel Fernandez, der Präsident der benachbarten Dominikanischen Republik, schätzt die Kosten für die Unterstützung der Überlebenden und den Wiederaufbau auf zehn Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren. Am 25. Januar soll in Montreal ein erstes Vortreffen für eine große internationale Geberkonferenz stattfinden, wie der französische Außenminister Bernard Kouchner mitteilte.

Merkel wirbt um Unterstützung

Angela Merkel bei einer Pressekonferenz (Foto: AP)

Angela Merkel fordert Solidarität mit den Menschen in Haiti (Archivbild)

Das Leiden der Menschen auf dem Inselstaat berührt auch die Bundeskanzlerin: Angela Merkel (CDU) betonte in einem Gastkommentar in der "Bild-Zeitung", das Beben werfe das bitterarme Haiti in seiner Entwicklung um viele Jahre zurück. "Die Menschen in Haiti brauchen unsere und Ihre weitere Unterstützung. Sie brauchen unsere Solidarität", schrieb sie in ihrem Kommentar. 7,5 Millionen Euro stellte die deutsche Bundesregierung bisher an Soforthilfe für Haiti zur Verfügung, außerdem zusätzlich 2,5 Millionen Euro für das Welternährungsprogramm.

In Europa macht man sich Gedanken, wie man in Krisenregionen besser helfen kann. Für die rasche Bekämpfung der haitianischen Erdbebenkatastrophe wäre nach den Worten des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy eine humanitäre Eingreiftruppe der Europäischen Union wünschenswert. In der EU müsse über "bessere Mittel zur Krisenreaktion" nachgedacht werden, sagte er am Dienstag nach einem Gespräch mit dem britischen Premierminister Gordon Brown. Derzeit müssten sich aus seiner Sicht alle Anstrengungen darauf richten, der haitianischen Bevölkerung zu helfen. Brown wiederum unterstütze den Vorschlag Frankreichs, aus einer multinationalen europäischen Polizeitruppe rund eintausend Polizisten nach Haiti abzustellen, um den Wiederaufbau des zerstörten Inselstaates zu forcieren.

Pariser Club fordert Schuldenerlass

Das zerstörte Land wird auch langfristig seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Nach dem Erdbeben mehren sich daher die Rufe nach einem Schuldenerlass für den verarmten Karibikstaat. Der Pariser Club, in dem die Industrieländer ihre Interessen als Gläubiger vertreten, plädierte am Dienstag für eine völlige Streichung der Schulden Haitis. Nach Angaben des deutschen Entschuldungsbündnisses "erlassjahr.de" betragen die gegenwärtigen Auslandsschulden von Haiti 647 Millionen US-Dollar. Der Pariser Club appellierte besonders an Taiwan und Venezuela, sich der Schuldenstreichung für Haiti anzuschließen.

Autor: Marcus Bölz (mit afp, dpa)
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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