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Amerika

UN rufen zu Spenden für Haiti auf

Die UN haben den größten Spendenaufruf ihrer Geschichte veröffentlicht. 1,07 Milliarden Euro seien für den Wiederaufbau des zerstörten Landes und für die direkte Hilfe an die Überlebenden der Katastrophe notwendig.

Viele Tausend Menschen leben nach dem Erdbeben in Zelten. (Foto:dpa)

Notdürftige Unterkunft: Zeltlager bei Port-au-Prince

Derzeit sind nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 1,2 Millionen Menschen in Haiti nach dem Erdbeben ohne Obdach und auf die internationale Hilfe angewiesen. Die Vereinten Nationen rufen deshalb zu Spenden auf. Nötig seien 1,07 Milliarden Euro. Noch nie haben die Vereinten Nationen die internationale Gemeinschaft um einen so hohen Betrag gebeten. Die Spenden sollen für die Anschaffung von Zelten, Lebensmittel und für die Bereitstellung von Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden.

Direkt nach dem verheerenden Erdbeben am 12. Januar hatten die UN die benötigten Mittel auf 428 Milliarden Euro geschätzt - nicht mal die Hälfte der Summe, die die Vereinten Nationen nun von ihren Mitgliedern erhoffen. Bisher war der größte Spendenaufruf der Vereinten Nationen nach der Tsunami-Katastrophe Weihnachten 2004 veröffentlicht worden. Damals war die Internationale Gemeinschaft um Spenden in Höhe von 1,05 Milliarden Euro gebeten worden.

"Neugründung" Haitis

Portrait eines Mädchens, dem die Schrecken des Erdbebens ins Gesicht geschrieben sind. (Foto:AP)

Etwa 1,2 Millionen Menschen in Haiti sind nach dem Erdbeben obdachlos

Während die Vereinten Nationen um Spenden bitten, hat sich Haitis Premierminister Jean-Max Bellerive eine "Neugründung" Haitis ausgesprochen. Bei einem Treffen mit Geberländern in der Hauptstadt Port-au-Prince versprach der Premierminister, das Land solle in Zukunft "besser regiert" werden als in der Vergangenheit. Er habe den Traum eines "gerechten und solidarischen" Landes.

Gleichzeitig erteilte Bellerive jeder Form ausländischer Bevormundung eine Abfuhr. Damit richtete er sich direkt gegen Medienberichte, nach denen die USA den Wiederaufbau des Landes unter amerikanischer Schirmherrschaft planten. Angeblich habe US-Außenministerin Hillary Clinton diese Idee schon bei ihrem letzten Besuch vor zwei Wochen dem haitianischen Präsidenten René Preval vorgestellt.

Schulden teilweise erlassen

Portait des haitianischen Ministerpräsidenten Jean-Max Bellerive. (Foto:AP)

Ministerpräsident Jean-Max Bellerive: "Gerechtes und solidarisches Haiti."

Unabhängig vom UN-Spendenaufruf hatten die sieben führenden Industriestaaten (G7) dem Karibikstaat einen weitgehenden Schuldenerlass gewährt. Bei der letzten Tagung der G7-Finanzminister im kanadischen Iqaluit wurde beschlossen, sämtliche bilateralen Schulden zu streichen. Davon nicht betroffen sind die Schulden, die der Inselstaat mit staatenübergreifenden Organisationen wie der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds hat. Insgesamt belaufen sich die Auslandsschulden Haitis auf 650 Millionen Euro, davon schuldet das Land rund 27 Prozent der Weltbank und 41 Prozent der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Auch die Bundesregierung hatte ihre Hilfe für Haiti um zwei auf 17 Millionen Euro aufgestockt. Mit dem zusätzlichen Geld sollen Notunterkünfte für obdachlose Familien gebaut werden. Durchgeführt werden soll der Aufbau von der "Gesellschaft für technische Zusammenarbeit" (GTZ). Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hofft, dass die Menschen "vor dem Einsetzen der Regenzeit ein Dach über dem Kopf haben."

Autor: Matthias von Hellfeld (dpa, epd)

Redaktion: Dirk Eckert

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