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Wirtschaft

UN: Risiken für Weltwirtschaft

Das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich in diesem Jahr deutlich verlangsamt und wird auch in den nächsten Jahren schwach bleiben. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Vereinten Nationen.

Es gebe sogar die Gefahr einer weltweiten Rezession, heißt es in dem Bericht "World Economic Situation and Prospects". Der komplette Bericht erscheint im Januar, am Dienstag (18.12.2012) präsentierten die Vereinten Nationen (UN) in New York eine Zusammenfassung.

"Eine Verschärfung der Eurokrise, die Fiskalklippe in den USA und eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft könnten zu einer globalen Rezession führen", so Rob Vos, Leiter der Abteilung für Entwicklungspolitik und Analyse der UN und Hauptautor der Studie. Jedes dieser Risiken könne für ein Minus von ein bis drei Prozent verantwortlich sein.

Die sogenannte Fiskalklippe in den USA bezeichnet eine Kombination von Steuererhöhungen und Ausgabekürzungen, die ab Anfang nächsten Jahres drohen, wenn sich Republikaner und Demokraten nicht auf einen Kompromiss einigen können.

Von einer "harten Landung" in China sprechen Ökonomen, wenn es der Regierung nicht gelingt, die schwächere Konjunktur dort abzufedern. Davon geht der UN-Bericht allerdings aus und rechnet in China mit einem Wachstum von etwa acht Prozent in den nächsten beiden Jahren.

Ausblick deutlich gesenkt

Für dieses Jahr rechnen die UN mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent. Für 2013 wird ein Wachstum von 2,4 Prozent erwartet, für das Jahr darauf 3,2 Prozent.

Damit haben die Wirtschaftsforscher der UN ihre Einschätzungen vom Sommer deutlich gesenkt, ähnlich wie vor ihnen schon ihre Kollegen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.

Die Weltbank erwartet 2,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 3,0 Prozent im nächsten. Etwas optimischer war im Oktober der IWF mit 3,3 Prozent bzw. 3,6 Prozent.

Schlechte Aussichten gibt es laut UN-Bericht auch für den Arbeitsmarkt. Die Lage habe sich zwar leicht gebessert, doch reiche das Wachstum nicht aus, um die Krise auf dem Arbeitsmarkt zu beenden.

"Wenn sich Wachstumstrends und Politik nicht ändern", so der Bericht, könnten Europa und die USA noch mindestens fünf Jahre brauchen, um die Stellenverluste nach der Finanzkrise 2008/2009 auszugleichen.

Weg von der Sparpolitik

Der Bericht forderte die Regierungen in Europa auf, auf Wachstumspolitik statt auf Sparmaßnahmen zu setzen. Besonders Deutschland habe noch Reserven, um die Binnennachfrage anzukurbeln. Das sei nötig, weil der weltweite Handel deutlich an Schwung verloren habe. Die deutsche Wirtschaft ist sehr abhängig vom Export, auch hier schwächt sich das Wachstum ab.

Anfang des Monats hatte bereits die Bundesbank ihre Vorhersagen für Deutschland nach unten korrigiert. Für das nächste Jahr erwartet sie nur ein Mini-Wachstum von 0,4 Prozent, nachdem sie im Sommer noch mit 1,6 Prozent gerechnet hat. Für den gesamten Euroraum erwartet die Europäische Zentralbank im nächsten Jahr sogar eine Rezession, also ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung.

Auch in Japan bleibt die Wirtschaft schwach. Der UN-Bericht erwartet hier im nächsten Jahr nur ein Wachstum von 0,6 Prozent.

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Auswirkungen auf Entwicklungsländer

Die Probleme in Europa, den USA und Japan haben nach Ansicht der Vereinten Nationen erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklungsländer. Ihre Exporte würden erschwert, gleichzeitig gehen wichtige Investitionen in diese Ländern zurück. Hohe Arbeitslosigkeit sei gerade in Entwicklungsländern ein großes Problem.

Die Autoren der Studie rufen daher zu einer international abgestimmten Finanzpolitik auf. Damit könnten Arbeitsplätze geschaffen und ein umweltschonenderes Wachstum erzielt werden. Das für das nächste Jahr erwartete weltweite Wachstum von 2,4 Prozent bleibe "weit unter den Möglichkeiten", heißt es im Bericht.

Lateinamerika muss sich in diesem Jahr mit einem Wachstum von weniger als drei Prozent zufriedengeben. Das ist vor allem Brasilien geschuldet, dessen Wirtschaft laut Bericht nur wenig mehr als ein Prozent wächst. Für 2013 sehen die Ökonomen aber das Land und die Region zurück auf Wachstumskurs mit einem Plus von vier Prozent.

Überdurchschnittlich, aber deutlich schwächer als in den vergangenen Jahren, ist die Entwicklung in Süd- und Ostasien. Die Autoren erwarten für diese Region im nächsten Jahr ein Wachstum von durchschnittlich sechs Prozent, nach 5,5 Prozent in diesem Jahr. Diese Entwicklung werde auch durch eine "moderate Erholung" Indiens begünstigt.

Gute Nachrichten auch aus Afrika: Nach einem Einbruch im vergangenen Jahr ist die Wirtschaft dort zurück zu einem robusten Wachstum, so der Bericht. Nach fünf Prozent in diesem Jahr erwartet der UN-Bericht für 2013 ein Plus von 4,8 Prozent.

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