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Politik

UN-Mitarbeiter weichen Attentätern im Irak

Aus Furcht vor neuen Terroranschlägen ziehen die Vereinten Nationen weitere internationale Mitarbeiter aus dem Irak ab. Donnerstagabend (26.09.) starben im Irak acht Menschen bei einem Bombenanschlag.

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Iraker errichten einen Schutzwall gegen mögliche Bombenanschläge

UN-Generalsekretär Kofi Annan folgte am Donnerstag mit der Entscheidung, die Mitarbeiter zu evakuieren, Empfehlungen seiner Sicherheitsberater. Die meist leitenden UN-Helfer sollen ins benachbarte Jordanien ausreisen. Die Warnungen der Berater erwiesen sich als sehr berechtigt. Am selben Abend starben bei einer Explosion auf dem Marktplatz der irakischen Stadt Bakuba acht irakische Zivilisten. Wie der US-Sender CNN unter Berufung auf Angaben des US-Militärs berichtete, wurden mindestens 18 weitere Menschen verletzt.

"Sunnitisches Dreieck"

Offenbar sei auf dem Marktplatz eine Granate explodiert, hieß es. Bakuba liegt rund 50 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt Bagdad im so genannten "sunnitischen Dreieck". Dort gab es in der Vergangenheit immer wieder Anschläge und Angriffe auch auf die Besatzungsmacht USA. Bereits am Donnerstagmorgen waren in Bagdad bei einem Anschlag auf ein Hotel, in dem auch ein Büro des US-Senders NBC untergebracht ist, ein somalischer Hotelangestellter getötet und zwei Personen verletzt worden.

Wie der Sprecher des UN-Generalsekretärs, Fred Eckhard, am Donnerstag in New York mitteilte, halten sich derzeit von den einst mehr als 650 internationalen UN-Helfern nur noch 42 nicht-irakische Mitarbeiter in Bagdad und 44 im Norden des Landes auf. "Diese Zahl wird in den kommenden Tagen weiter abnehmen", gab Eckhard offiziell bekannt. Die dringendste humanitäre Hilfe solle zunächst mit den mehr als 4000 irakischen UN-Mitarbeitern gewährleistet werden.

Schwerer Schlag

Nach Einschätzung von UN-Diplomaten in New York ist die Anordnung Annans ein schwerer Schlag für die Bemühungen der USA um größere internationale Legitimität für ihr Besatzungsregime. Nach seinem zweitägigen Besuch bei den UN kehrte US-Präsident George W. Bush ohne konkrete internationale Zusagen für Hilfen im Irak nach Washington zurück. Er habe zwar "beträchtliches Verständnis" für seinen Standpunkt bekommen, dass eine Übertragung der Regierungsgewalt an die Iraker "nicht zu rasch" geschehen dürfe, zitierten US-Medien am Donnerstag amerikanische Regierungsbeamte. Es könne aber erhebliche Zeit - möglicherweise sogar mehrere Monate - dauern, bis eine neue UN-Resolution ausgehandelt worden sei.

Unterdessen will die US-Armee mit einem kostenlosen Heimaturlaub gegen die sinkende Moral amerikanischer Soldaten im Irak vorgehen. Das US-Zentralkommando berichtete am Donnerstagabend, wer für ein Jahr in den Irak berufen sei, könne sich ab sofort für einen 15-tägigen Jahresurlaub in Europa oder den USA anmelden. Damit solle den Soldaten die Möglichkeit gegeben werden, sich auszuruhen und neue Kräfte zu sammeln, hieß es.

Verfassung

Nach dem Willen von US-Außenminister Colin Powell soll der Irak innerhalb der kommenden sechs Monate eine neue Verfassung bekommen. Das sagte er in einem am Donnerstag aufgezeichneten Gespräch für die CBS-Fernsehshow "Late Night with David Letterman". Nach Annahme der Verfassung sollte eine "Periode von Wahlen" folgen. Die USA hatten bislang die vor allem von Frankreich vorgebrachte Forderung nach einem Zeitplan für die politische Neuordnung Iraks zurückgewiesen. Powell hatte am Donnerstag nach einem Gespräch mit seinen Kollegen aus Frankreich, China, Großbritannien und Russland in New York von "Annäherungen" unter den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats gesprochen. (mas)

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