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Afrika

UN-Mission in Mali: "Wir brauchen deutsche Unterstützung"

Bis zu 650 Soldaten will Deutschland nach Mali schicken. Die UN-Mission ist bereits seit 2013 dort. Deutsche Hilfe könnte sie dringend brauchen, sagt MINUSMA-Chef Mongi Hamdi im DW-Interview.

DW: Herr Hamdi, im Norden Malis herrscht noch immer große Unsicherheit - obwohl die Friedensmission der Vereinten Nationen, MINUSMA, dort präsent ist. Wie erklären Sie sich das?

Mongi Hamdi: Wir wissen mit Sicherheit, dass es sehr viele terroristische Gruppen und auch Drogenhändler gibt, die versuchen, den Friedensprozess zu behindern. Diese Gruppen gefährden alles, was bisher für den Frieden im Land unternommen wurde.

Am letzten Dienstag ist ein Mitglied der MINUSMA von einer Mine getötet worden. Zeigt das nicht, dass die MINUSMA im Norden selbst in Gefahr ist?

Die Lage ist hier beständig unsicher. Aber sie hat sich stark verbessert, seit das

Friedensabkommen

(zwischen malischer Regierung und verschiedenen bewaffneten Gruppen, Anm. d. Red.) unterzeichnet wurde. Trotzdem gibt es von Zeit zu Zeit Angriffe. Das habe ich bereits kurz nach der Unterzeichnung des Abkommens gesagt: Jetzt, wo es an die Umsetzung geht, werden wir uns negativen Kräften gegenübersehen, die versuchen werden, den Friedensprozess zu behindern und uns anzugreifen. Darunter fällt auch der Angriff vor wenigen Tagen, bei dem wir einen unserer Männer verloren haben.

Regierung und Bevölkerung in Mali kritisieren die MINUSMA. Ist es nicht an der Zeit, das Mandat zu verstärken und es in ein robustes Mandat umzuwandeln, so dass die Soldaten Waffen nicht nur zur Selbstverteidigung, sondern auch zur Verteidigung der Mission und von Zivilisten einsetzen dürfen?

Algerien Mali Friedensabkommen Unterzeichnung in Algier Mongi Hamdi (Foto: FAROUK BATICHE/AFP/Getty Images)

Mongi Hamdi unterzeichnet das Friedensabkommen

Das MINUSMA-Mandat ist bereits ziemlich robust. Aber ich kann Ihnen erklären, woher die Kritik am MINUSMA-Einsatz kommt: Die malische Bevölkerung dachte, die MINUSMA kommt nach Mali, um den Terrorismus zu bekämpfen, den Norden zu befreien und die bewaffneten Gruppen dort zu vertreiben. Das ist aber nicht unsere Aufgabe. Unser Mandat ist ganz klar: die Regierung und die Gruppen im Norden im Friedensprozess zu begleiten.

Darüber hinaus sind wir hier, um darauf zu achten, dass die Zivilgesellschaft respektiert wird. Wir sind hier, um das Justizsystem zu stärken, humanitäre Hilfe zu leisten, kleinere Entwicklungsprojekte auf den Weg zu bringen und die nationale Aussöhnung zu unterstützen. Wir haben also ein sehr umfangreiches Mandat, aber das umfasst bis heute keine Kampfhandlungen. Wir haben der Bevölkerung klar gemacht, was wir hier tun, und sind optimistisch, dass wir unsere Mission erfolgreich zu Ende bringen werden.

Sollten die Vereinten Nationen eine Interventionsbrigade für die MINUSMA schaffen?

Wir bekommen unseren Auftrag vom UN-Sicherheitsrat. Den Mitgliedern dieses Sicherheitsrates obliegt es auch, das zu bestimmen und ein solches Mandat zu beschließen. Wenn wir das Mandat für eine Interventionsbrigade bekämen, würden wir entsprechend handeln. Bis jetzt sieht unser Mandat keinerlei Eingreiftruppe vor.

Deutschland ist bereit,

bis zu 650 Soldaten nach Mali

zu schicken um die MINUSMA zu verstärken und um die französischen Truppen in Mali zu unterstützen. Begrüßen Sie diese Ankündigung?

Die deutschen Streitkräfte sind selbstverständlich willkommen. Wir freuen uns sehr, dass die Möglichkeit besteht, dass deutsche Streitkräfte die MINUSMA verstärken. Vor allem, da die deutsche Armee für ihre Expertise, ihre Technologie und ihre Zuverlässigkeit weltweit bekannt ist.

Erwarten Sie auch mehr deutsche Unterstützung in der Ausbildung malischer Streitkräfte?

Die Europäische Union hat einige Experten hier in Mali, die malische Streitkräfte ausbilden. Deutschland ist an dieser Mission beteiligt. Wenn Deutschland auch zu uns in die MINUSMA käme, um bei der Ausbildung der malischen Streitkräfte zu helfen, wären wir sehr geehrt.

Sollten die deutschen Soldaten ein robustes Mandat erhalten, damit sie sich nicht in derselben Situation wiederfinden wie die MINUSMA, die vor Ort ja keine Kampfhandlungen vornehmen darf?

Ehrlich gesagt möchte ich mich in die deutsche Politik nicht einmischen. Aber deutsche Streitkräfte sind immer willkommen. Wir brauchen die deutsche Technologie, wir brauchen deutsche Ingenieure, wir brauchen deren Unterstützung, wir brauchen deren Expertise.

Der Tunesier Mongi Hamdi ist Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Mali und leitet die dortige Mission MINUSMA (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali).

Das Interview führte Eric Topona

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