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Flüchtlinge

UN melden neuen Höchststand bei Flüchtlingszahlen

Die weltweiten Flüchtlingszahlen haben laut Angaben der Vereinten Nationen mit 65,5 Millionen den höchsten jemals registrierten Stand erreicht. Jeder 113. Mensch auf der Welt ist inzwischen ein Flüchtling.

Flüchtlingsboot vor der libyschen Küste (picture-alliance/AA/M. Drinkwater )

Flüchtlingsboot vor der libyschen Küste

Machtkämpfe und Bürgerkriege zerreißen die Länder, die Bevölkerung gerät zwischen die Fronten: 65,5 Millionen Menschen flohen im vergangenen Jahr vor Krieg, Gewalt und Verfolgung, 300.000 mehr als im Jahr davor. Jeder fünfte stammte aus Syrien. Jede einzelne Minute des Jahres mussten irgendwo auf der Welt 20 Menschen fliehen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf. Jeder 113. Mensch auf der Welt ist ein Flüchtling.

Seit 1997 hat sich die Flüchtlingszahl damit praktisch verdoppelt. Darunter waren 22,5 Millionen Menschen, die in andere Länder flüchteten und 40,4 Millionen Vertriebene, die in ihren Heimatländern Unterschlupf fanden.

Die Gesamtzahl lag knapp über der des Vorjahres. Das suggeriere eine Stagnation der Lage, aber das sei falsch, sagte Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. "Das verschleiert nur, wie instabil die Lage in vielen Regionen ist." Millionen Menschen seien in ihre Heimatorte zurückgekehrt, ohne dass die Lage wirklich sicherer war. Andere hätten ein neues Zuhause in Drittländern gefunden. Neu wurden 10,3 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

"Unter keinen Umständen zu akzeptieren"

Grandi betonte, die globale Flüchtlings- und Vertriebenenkrise habe eine Dimension angenommen, die unter keinen Umständen zu akzeptieren sei. Grandi forderte Solidarität mit den Opfern der Vertreibung. Die Weltgemeinschaft müsse sich stärker für die Vermeidung möglicher Kriege und die Lösung bestehender Konflikte einsetzen.

Das Lager Satari in Jordanien beherbergt zehntausende syrische Flüchtlinge(Getty Images/AFP/M. Ngan)

Das Lager Satari in Jordanien beherbergt zehntausende syrische Flüchtlinge

Besonders alarmiert ist das UNHCR über die Lage im Südsudan, die außer Kontrolle zu geraten droht. Das Land steht nach Anzahl der ins Ausland geflüchteten Landsleute mit 1,4 Millionen Menschen bereits an dritter Stelle, hinter Syrien mit 5,5 Millionen und Afghanistan mit 2,5 Millionen. Seit Jahresbeginn seien aus dem Südsudan weitere 500.000 Menschen geflohen. Das Land ist erst seit 2011 mit damals zwölf Millionen Einwohnern unabhängig geworden. Zwei Jahre später brachen Kämpfe zwischen verschiedenen Ethnien um die Vorherrschaft aus.

Zwei Drittel der Syrer auf der Flucht

Zählt man die über die Grenzen Geflüchtete und intern Vertriebene zusammen, steht Syrien an erster Stelle mit zwölf Millionen. 650 von 1000 Einwohnern sind auf der Flucht. Danach kommt Kolumbien mit 7,7 Millionen, gefolgt von Afghanistan mit 4,7 Millionen, Irak mit 4,2 Millionen und Südsudan mit 3,3 Millionen, dahinter liegen Kongo, Somalia, Nigeria, Ukraine und Jemen. 84 Prozent fanden in Entwicklungsländern Zuflucht. "Dies ist keine Krise der reichen Welt, sondern eine Krise der Entwicklungsländer", betonte Grandi.

Die Türkei beherbergte Ende 2016 laut UNHCR rund 2,9 Millionen Flüchtlinge und ist somit das größte Gastland für Vertriebene. Pakistan folgte den Angaben nach auf Platz zwei mit 1,4 Millionen Flüchtlingen innerhalb seiner Grenzen. Im Libanon hielten sich laut UNHCR Ende 2016 gut eine Million Flüchtlinge auf.

 Als Flüchtlinge im völkerrechtlichen Sinne bezeichnet das UNHCR 22,5 Millionen Menschen. Sie haben auf der Flucht vor Gewalt und Verfolgung ihr Heimatland verlassen. Weiter gehen die UNHCR-Fachleute von 40,3 Millionen Menschen aus, die innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht sind. Zudem zählt das Hilfswerk 2,8 Millionen Menschen, die sich um Asyl beworben haben.

stu/bri (dpa, epd, kna)

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