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Kultur

UN-Klimarat berät Strategien gegen die Erderwärmung

Mit einem Appell zum Handeln haben Experten in Bangkok Beratungen über Strategien gegen den Klimawandel begonnen. Zum Abschluss der Konferenz soll der dritte Teil des UN-Klimaberichts veröffentlicht werden.

Konferenzauftakt: Der IPCC-Vorsitzende Rajendrat Pachauri (li) im Expertengespräch (Ap)

Konferenzauftakt: Der IPCC-Vorsitzende Rajendrat Pachauri (li.) im Expertengespräch

Gut drei Wochen nach der Vorlage des zweiten Teils des UN-Klimaberichts haben die Experten des Weltklimarats IPCC am Montag (30.4.07) in Bangkok mit Beratungen über eine Gegenstrategie zur drohenden Erderwärmung begonnen. Ziel sei es, am Freitag sagen zu können, dass "wir Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sind", erklärte IPCC-Kopräsident Ogunlade Davidson zu Eröffnung der Konferenz. Rund 400 Wissenschaftler und Experten aus 120 Ländern nehmen an dem Treffen der UN-Organisation teil.

Die Folgen der globalen Erwärmung ließen sich nur mit einer schnellen und weltweiten Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes eindämmen, heißt es in einem Entwurf des dritten Berichtsteils, der Agenturen vorliegt. Es gebe "eine Menge zwingender Gründe zum Handeln", erklärte der IPCC-Vorsitzende, Rajendra Pachauri, in Bangkok. "Der Zeitpunkt ist jetzt", sagte Chartree Chueytrasit, Thailands stellvertretender Umweltminister. "Der Klimawandel ist ein heißes Thema geworden und verlangt, dass wir alle an einem Strang ziehen."

Stabilisierung des Treibhausgas-Ausstoßes bis 2030 möglich

Im besten Falle könnten die klimaschädlichen Gase in der Atmosphäre bis 2030 stabilisiert werden, heißt es in dem vorliegenden Entwurf. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen nach Angaben von Teilnehmern die Kosten für die Reduzierung der Treibhausgase. Entwicklungs- und Schwellenländer würden vermutlich um Unterstützung im Kampf gegen die Folgen der globalen Erwärmung bitten, hieß es in Bangkok.

Energiesparen und eine Abkehr von CO2-lastigen Methoden der Energiegewinnung stehen dem Berichtsentwurf zufolge an vorderster Stelle, um den Klimawandel zu bekämpfen. Neben einer Umstellung von Kohle auf Gas, Atomkraft und erneuerbare Energien kommt den Experten zufolge der Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden eine tragende Rolle zu. Als weitere Maßnahmen werden zudem eine größere Energieeffizienz von Fahrzeugen, die Verringerung der Abholzung und Aufforstungen genannt. Auch Schritte wie das Auffangen des Treibhausgases Methan, das Rinder beim Verdauungsprozess ausscheiden, werden aufgeführt.

Umfassende Folgen auch bei sofortigem Handeln

Demonstranten fordern in Bangkok ein rasches Handeln der Politik (AP)

Demonstranten fordern in Bangkok ein rasches Handeln der Politik

IPCC-Chef Pachauri sagte der BBC, dass die Welt sich selbst bei sofortigem Handeln auf umfassende Folgen der bereits verursachten Umweltverschmutzung einstellen müsse. "Die Trägheit des Systems bedingt, dass der Klimawandel noch Jahrzehnte voranschreitet, etwa der Anstieg der Meeresspiegel."

Nach Erwartungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung debattieren die Delegierten in den kommenden Tagen auch über die Rolle der Atomkraft. Im Abschlusspapier werde es wohl heißen, Atomkraft könne eine Option sein, sagte der Chefökonom des Instituts, Ottmar Edenhofer, in der "Frankfurter Rundschau" voraus. Edenhofer, selbst Mitglied im IPCC, warnte davor, zum Klimaschutz auf Atomkraft zu setzen.

Ausbau der Kernkraft "volkswirtschaftlich unsinnig"

Der Ausbau der Kernkraft sei "volkswirtschaftlich unsinnig, weil es ökonomisch zumindest gleichwertige Alternativen gibt", sagte Edenhofer. Besser sei es, in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und CO2-arme Kohle- und Gaskraftwerke zu investieren. "Bis 2020 müssen die neuen Strukturen stehen", so Edenhofer. Wenn die Weichen nicht schnell gestellt würden, sei es nicht mehr zu schaffen, die Erwärmung der Erde auf zwei Grad zu begrenzen. Der im Februar in Paris vorgestellte erste Teil des Weltklimaberichts stellte die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung so deutlich heraus wie keine Studie zuvor. Der Anfang April in Brüssel vorgelegte zweite Teil zeichnete ein dramatisches Bild von den Folgen des Klimawandels. Vor allem die ärmsten Länder sind demnach von Hunger, Wassermangel, Stürmen und Überschwemmungen betroffen. Bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten sind der Einschätzung zufolge vom Aussterben bedroht, wenn die Temperatur um zwei Grad steigt. (tos)

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