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Wissen & Umwelt

UN-Klimafonds geht nach Südkorea

Im Rennen um den Sitz des globalen Grünen Klimafonds hat sich Südkorea durchgesetzt - gegen die Konkurrenz aus Deutschland. Das ostasiatische Land warb erfolgreich mit seiner eigenen Klimapolitik.

Erdkugel (Foto: dpa)

Erde aus dem All aufgenommen

Ein modernes Gebäude, errichtet nach den neuesten Klima- und Energiestandards, dazu die attraktive Lage direkt am Rhein in der deutschen UN-Stadt Bonn: Beides war Teil des Angebots, mit dem die Bundesrepublik ins Rennen um den Sitz des neuen Grünen Klimafonds (Green Climate Fund) gegangen ist.

Dennoch setzte sich Südkorea mit seinem Angebot für den Grünen UN-Klimafonds durch. Das Sekretariat des Fonds soll im neuen Geschäftsviertel Songdo in der südkoreanischen Küstenstadt Inchon angesiedelt werden, so die Empfehlung des Direktoriums. Dort stehen demnächst in einem 102 Etagen hohen Zwillingsturm bis zu 21.500 klimafreundliche Quadratmeter zur Verfügung. Zurzeit arbeitet das noch sehr kleine Sekretariat provisorisch von Bonn aus.

Guido Westerwelle (Foto: dapd)

Guido Westerwelle

Bundesaußenminister Guido Westerwelle gratulierte Südkorea zu der Entscheidung, bedauerte jedoch, dass Bonn sich trotz hervorragender Kandidatur nicht durchsetzen konnte.

Grüner Wachstumsschub

Der ostasiatische Tigerstaat Südkorea gilt allgemein als Vorzeigeland für grünes Wachstum. In den vergangenen 50 Jahren hat sich Südkorea von einem Agrar- zu einem Industrieland entwickelt. Heute gehört es zu den Geberländern in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und hat bereits angekündigt, ab 2020 fast ein Drittel des Entwicklungsetats mit Klimaschutzzielen in den Empfängerländern zu verknüpfen. Die Entscheidung für Songdo als Sitz für den Klimafonds bezeichnete Südkoreas Präsident Lee Myung als einen "historischen Moment" für sein Land.

Wie bei einer Papstwahl im Vatikan fand auch im Direktorium des Klimafonds die Wahl zwischen den insgesamt sechs Kandidatenstädten hinter verschlossenen Türen statt. Erst nachdem sich das Gremium geeinigt hatte, trat ein Sprecher heraus und verkündete das Ergebnis. "Wir wissen am Ende nicht, warum welches Land für wen gestimmt hat. Ich denke schon, dass eben die Tatsache, dass Korea in der Region für die Klimapolitik der Zukunft ganz wichtig ist, eine Rolle gespielt hat", kommentiert Sven Harmeling, Teamleiter im Bereich Internationale Klimapolitik bei der deutschen Nichtregierungsorganisation Germanwatch das Ergebnis.

Umweltaktivisten unerwünscht?

Die südkoreanische Regierung will bis 2020 die Treibhausgasemissionen im Land um 30 Prozent reduzieren. Dabei setzt Südkorea unter anderem auf den Ausbau der erneuerbaren Energien - aber auch auf Atomkraft.

Sven Harmeling (Foto DW/Helle M Jeppesen)

Sven Harmeling

Die Atompolitik des Landes könnte eventuell zum Problem werden, sagt Sven Harmeling in einem Interview mit der Deutschen Welle. Für den Klimafonds sei es unabdingbar, dass auch die globale Zivilgesellschaft am Dialog teilnehmen könne. "In der Vergangenheit gab es eben solche Fälle, wo zum Beispiel Greenpeace-Aktivisten ausgesperrt wurden, offensichtlich, weil sie sich eben sehr stark gegen Kernenergie eingesetzt haben", berichtet Harmeling.

Sollten solche Diskussionen auch im Green Climate Fund auftreten, werde es spannend zu sehen, wie Korea reagiert: "Ob sie die Internationalität des Fonds in Ehren halten und eben nicht nationale Belange da mit hineinspielen lassen, oder ob sie dann möglicherweise einzelne Akteure ausschließen", gibt der Klimaexperte zu bedenken. Allerdings, so Harmeling, könnte die Ansiedlung des Klimafonds in Songdo auch bessere Bedingungen für die südkoreanische Zivilgesellschaft mit sich bringen.

Milliarden für den Klimaschutz

Der globale Klimafonds steht vor extrem aufwändigen Verwaltungsaufgaben. Bis 2020 sollen die Klimagelder, die reichere Länder für ärmere bereitstellen, um die Folgen des Klimawandels zu mildern, auf 100 Milliarden US-Dollar (knapp 77 Milliarden Euro) pro Jahr wachsen. Auch sollen notwendige Technologien und Kenntnisse, die den Klimawandel eindämmen können, global zum Einsatz kommen. Das geht nur mit satten Finanzspritzen, an denen sich nicht nur die UN-Länder beteiligen sollen, sondern auch die Privatwirtschaft.

Die Klimamilliarden zu verwalten, wird keine einfache Aufgabe sein, so Harmeling von Germanwatch. Qualifizierte Mitarbeiter werden für den Erfolg des Klimafonds entscheidend sein, betont er. "Da gibt es durchaus Bedenken, ob Korea so ein attraktiver Standort für hochqualifiziertes, internationales Personal ist. Und das wird, glaube ich, schon eine ganz wichtige Rolle spielen in den nächsten Jahren."

Die Wahl Südkoreas als Sitz des globalen Klimafonds muss noch auf dem Klimagipfel im Dezember in Katar offiziell bestätigt werden. Bis dahin halten sich auch UN-Organisation wie das UN-Klimasekretariat UNFCCC oder das UN-Umweltprogramm UNEP mit Kommentaren zurück. Die offizielle Wahl im Dezember gilt allerdings als reine Formsache.