UN Klimachefin Espinosa: 1,5 Grad sind machbar | Wissen & Umwelt | DW | 16.11.2017
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Wissen & Umwelt

UN Klimachefin Espinosa: 1,5 Grad sind machbar

Um die globale Erwärmung zu begrenzen, müssen wir für alle Alternativen offen sein, so UN Klimachefin Patricia Espinosa. Mit einem entschlossenen Wandel hin zu erneuerbaren Energien seien wir auf dem richtigen Weg.

DW: Das Ziel des Pariser Klimaabkommens ist es, die globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu drücken. Könnten wir sogar einen Grenzwert von 1,5 Grad schaffen?

Patricia Espinosa: Ja. Wir können heute Veränderungen in vielen Teilen unserer Gesellschaft sehen, die wir vor ein paar Jahren noch nicht für möglich gehalten hatten. Gleichzeitig kommen neue Lösungen von überall auf der Welt. Es ist also möglich, aber es verlangt entschlossenen politischen Willen. Jede einzelne Person in jedem einzelnen Land muss ihren Teil beitragen.

DW Interview Patricia Espinosa, mit Charlotta Lomas (DW/C. Lomas)

Patricia Espinosa im Interview mit DW-Reporterin Charlotta Lomas

Sind denn tatsächlich 1,5 Grad das Ziel, nicht 2 Grad?

Nun ja, für ein Land wie Fidschi, dass dieses Jahr den Vorsitz der Klimakonferenz inne hat, ist es 1,5 Grad. Und wir müssen da Ambitionen zeigen.

Viele Klimaforscher sind sich einig, dass wir in den kommenden Jahrzehnten unsere Emissionen auf Null herunterfahren müssen. Glauben Sie, dass das wirklich möglich ist?

Es wird viel über neue und innovative Lösungen in diesem Bereich gesprochen: Wie bekommt man die CO2 Emissionen aus der Atmosphäre heraus, zum Beispiel. Klima-Neutralität muss das Ziel sein.

Berechnungen haben ergeben, dass wir unser CO2 Budget innerhalb eines Jahrzehnts ausgereizt haben werden. Die Zeit, uns von fossilen Brennstoffen zu trennen, wird knapp. Denken Sie, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem wir keine andere Wahl haben, als uns nach Alternativen umzusehen, beispielsweise das CO2-Abscheidungs- und Speicherungsverfahren, oder Atomenergie? 

Ich glaube, wir müssen für alles offen sein. Einige Länder vertrauen stark auf Atomenergie, andere schließen diese Option aus verschiedenen Gründen aus. Wir müssen aber immer daran denken, dass jede Lösung, die wir in Betracht ziehen, sicher sein muss und keine Bedrohung für die Menschen darstellen darf.

US Präsident Donald Trump hat seit seinem Amtsantritt viele Umweltschutz Regulierungen rückgängig gemacht und unterstützt stattdessen Projekte, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Wie sehen Sie den angekündigten Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen? Wie kann diese Lücke gefüllt werden?

Man darf nicht vergessen, dass die USA noch bis 2020 Teil des Pariser Abkommen sein wird. Das bedeutet, dass die Verpflichtungen und Rechte in diesem Abkommen für die [aktuelle] US-Regierung voll bestehen bleiben.

Gleichzeitig haben wir von Anfang an gesagt, dass diese Entscheidung enttäuschend ist. Wir haben auch gesagt, dass wir bereit sind, mit ihnen zu reden, um ihre Sorgen zu verstehen und zu begreifen, was mit diesem Austritt erreicht werden soll. Ich würde niemals die Hoffnung aufgeben, dass wir die USA überzeugen können, ihre Meinung nochmal zu ändern.

Auf der anderen Seite sehen wir eine unheimlich starkes Engagement und eine Entschlossenheit von anderen Menschen in den USA – nicht auf der Bundesebene, aber auf der Ebene der Staaten, Städte, Privatfirmen und der Zivilgesellschaft. Einige der Führungskräfte dort sagen, dass egal, was die US-Regierung tut, das Land sich trotzdem an die Ziele halten wird, die es sich ursprünglich gesetzt hat.

Die Lösung für den Klimawandel ist eigentlich wirklich einfach: Wir müssen damit aufhören, CO2 in die Atmosphäre auszustoßen. Warum ist es dann ihrer Meinung nach so schwierig für die Menschen, das Thema Klimaschutz zu verstehen und warum wird nur so langsam gehandelt?

Die Menschen sind in einer Welt aufgewachsen, wo das kein Thema war, und plötzlich hören sie überall vom Klimawandel – das ist hart. Es ist ein sehr, sehr abstraktes Konzept. Wir müssen deswegen daran arbeiten, es sehr klar und mit einfachen Worten dazulegen.

Ich glaube, dass die häufigen Extremwetterereignisse, die wir jetzt in verschiedenen Teilen der Welt erleben, das Bewusstsein für den Klimawandel erhöhen. Aber jetzt haben wir die wichtige Aufgabe, zu erklären, warum das mit dem Klimawandel und mit der globalen Erwärmung zusammenhängt.

Was muss passieren, damit wir in einer Welt ohne CO2 Emissionen leben können?

Wir müssen den Wandel zu neuen und erneuerbaren Energien entschlossen vorantreiben. Wir müssen daran denken, dass wir immer noch in einer Welt leben, die viel von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Dieser Wandel zu erneuerbaren Energien ist also nicht immer und in allen Fällen von einem Tag auf den anderen möglich.

Aber wenn wir es schaffen, eine Wende in Gang zu bringen, die Energieversorgung mit dem Wohlergehen der Menschen und mit Entwicklungszielen kombiniert, dann sind wir wirklich auf dem richtigen Weg.

Patricia Espinosa ist Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC).

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