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Aktuell Nahost

UN holen 500 Kranke aus syrischen Städten heraus

Ein kleiner Hoffnungsschimmer, immerhin: Die Vereinten Nationen wollen kranke oder verletzte Menschen aus den belagerten Städten Sabadani, Madaja, Fua und Kafraja retten. Anderswo in Syrien geht das Sterben weiter.

Hilfskonvoi für Madaja (Foto: Reuters)

Hilfskonvoi für Madaja

Ein AFP-Reporter berichtete, ein erster Bus mit zuvor ärztlich untersuchten 25 Zivilisten habe am Nachmittag die von Aufständischen kontrollierte und von Regierungssoldaten belagerte Stadt Sabadani westlich der Hauptstadt Damaskus verlassen. Aus Armeekreisen verlautete, dass weitere 225 Menschen aus Sabadanis ebenfalls von Rebellen eingenommener Nachbarstadt Madaja gebracht werden sollten.

Zugleich verließ nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Bus mit Verletzten und ihren Familienangehörigen die von Rebellen belagerten, mehrheitlich schiitischen Ortschaften Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib. Laut UN-Sprecher Stephane Dujarric müssen die Menschen dringend mit lebensrettenden Maßnahmen versorgt werden.

Der für die humanitäre Hilfe in Syrien zuständige UN-Vertreter Jan Egeland hatte Anfang des Monats die Hoffnung geäußert, bald insgesamt 500 verletzte und kranke Menschen aus den vier Städten retten zu können. Wie lange die Aktionen andauern werden, ist noch unklar.

Sorge um Menschen in Aleppo

Die Vereinten Nationen zeigten sich zudem besorgt über das Schicksal von mehr als 40.000 aus der Umgebung von Aleppo geflüchteten Syrern. "Wir sind extrem beunruhigt wegen der intensiver werdenden Kämpfe in Nordsyrien und deren Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung", erklärte das UN-Flüchtlingskommissariat in Genf. In den vergangenen Tagen hätten Zehntausende in Lagern untergebrachte Flüchtlinge aus der Gegend fliehen müssen. Die Lage der Menschen verschlechtere sich rasant, nachdem bereits im Januar und Februar 75.000 Binnenflüchtlinge in Richtung der syrisch-türkischen Grenzstadt Asas geflohen seien.

Die syrische Armee startete vor geraumer Zeit eine Offensive zur Eroberung Aleppos. Die einstmals größte Stadt Syriens wird teilweise von der Armee und von den Rebellen kontrolliert. Die Kämpfe um Aleppo bedrohen die eigentlich seit Ende Februar geltende Waffenruhe. Die Armee und ihre russischen Verbündeten bekämpfen dort nach ihrer Darstellung islamistische Extremisten, die von dem Waffenstillstand explizit ausgenommen sind.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, auf der syrischen Seite der syrisch-türkischen Grenze säßen mittlerweile mehr als 100.000 Menschen in der Falle. Allein in der vergangenen Woche seien 35.000 hinzugekommen, deren Lager von Kämpfern der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) überrannt worden seien oder zu nahe an der Frontlinie lägen.

Wieder viele Tote trotz offizieller Feuerpause

Trotz der - offiziellen - Waffenruhe wird auch in anderen Regionen des zerrissenen Landes weiter gekämpft. Die Zahl der allein am Dienstag bei Luftangriffen getöteten Zivilisten sei auf 66 gestiegen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Seit Beginn der Waffenruhe Ende Februar sei das die bislang größte Zahl an Opfern infolge von Bombardierungen aus der Luft gewesen. Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad machen die syrische Luftwaffe für die Bombardierungen verantwortlich. Allein bei einem Luftangriff auf die Stadt Marat al-Numan im Nordwesten Syriens kamen laut den Menschenrechtlern 39 Menschen ums Leben. In dem benachbarten Ort Kafr Nabl seien sieben Zivilisten getötet worden.

Das größte syrische Exil-Oppositionsbündnis warnte vor einem völligen Zusammenbruch der Friedensgespräche in Genf. Das Regime in Damaskus habe mit den "Massakern" am Dienstag die Waffenruhe begraben, erklärte der Chef der Syrischen Nationalen Koalition, Anas al-Abdah. Die Vertreter der Opposition würden nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn sich die Lage nicht bessere. Die Regimegegner hatten am Montag ihre offizielle Teilnahme an den Genfer Verhandlungen aus Protest gegen den Bruch der Waffenruhe ausgesetzt.

sti/qu (afp, dpa)