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Aktuell Afrika

UN gründen Sondereinheit für Kampf gegen Ebola

Nur zweimal hat sich der UN-Sicherheitsrat mit einer Krankheit beschäftigt: in beiden Fällen Aids. Nun schaffte es Ebola auf die Agenda des höchsten UN-Gremiums, das wichtige Beschlüsse fasste.

Helfer verbrennen in Guinea kontaminierte Ebola-Schutzbekleidung (Foto: AFP)

Helfer verbrennen in Guinea kontaminierte Ebola-Schutzbekleidung

Die Vereinten Nationen wollen noch in diesem Monat eine Sondermission zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie nach Westafrika schicken. Der Sicherheitsrat erklärte die Epidemie bei einer Sondersitzung in New York per einstimmig beschlossener Resolution zur Gefahr für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit. Konfliktherde in der Krisenregion könnten neu aufflammen und bereits erzielte Fortschritte zunichte gemacht werden, warnte das UN-Gremium.

"Die beispiellose Situation verlangt nach nie dagewesen Schritten, um Leben zu retten und Frieden und Sicherheit zu bewahren", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Deswegen habe er entschieden, "eine UN-Sondermission für Gesundheitsnotfälle einzurichten". Die Mission trägt den Namen UNMEER. In ihrem Rahmen ist geplant, Helfer in die drei am schwersten von Ebola betroffenen Staaten - Liberia, Sierra Leone und Guinea – zu entsenden. Der Einsatz werde fünf Prioritäten haben, sagte Ban: Den Ausbruch stoppen, die Erkrankten behandeln, die Grundversorgung sichern, die Stabilität gewährleisten und weitere Ausbrüche verhindern.

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Ruf nach ausländischer Hilfe

Der Sicherheitsrat forderte die Staatengemeinschaft auf, wegen Ebola verhängte Reisebeschränkungen aufzuheben. Diese isolierten die betroffenen Länder nur noch stärker und stünden dem Kampf gegen die Krankheit im Weg. Zudem werde weitaus mehr Hilfe der internationalen Gemeinschaft gebraucht, mahnte Ban. "Unsere bestmögliche Schätzung ist, dass wir die Anstrengungen verzwanzigfachen müssen." In den kommenden sechs Monaten würden eine Milliarde US-Dollar (etwa 775 Millionen Euro) gebraucht. Benötigt würden zudem etwa Feldlazarette mit medizinischem Personal und Vorräten, Labore, Kliniken sowie Hilfen für Lufttransporte.

Die Sondersitzung des Rates war auf Bestreben der USA, die derzeit den monatlich rotierenden Vorsitz des Gremiums innehaben, zustande gekommen. Die Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, warnte während der Sitzung, das exponentielle Wachstum der Fallzahl bringe die betroffenen Staaten an den Rand des Zusammenbruchs. Die Entwicklung sei inzwischen beispiellos. In der Geschichte des Sicherheitsrats war dies erst die dritte Resolution wegen eines Gesundheitsnotstands nach Beschlüssen zur Aids-Epidemie in den Jahren 2000 und 2011.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist die folgenschwerste seit der Entdeckung des Virus. Seit Jahresbeginn starben laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2630 Menschen an der hochansteckenden Krankheit. Mehr als 5300 Menschen wurden infiziert.

Blutiger Überfall auf Helfer

Nach einem Überfall wütender Dorfbewohner auf Mitarbeiter einer Ebola-Aufklärungskampagne in Guinea wurden mindestens sieben verschleppte Helfer tot aufgefunden. Ihre Leichen seien aus dem Abwassertank einer Grundschule in der Ortschaft Womé geborgen worden, sagte ein Regierungssprecher. Nach Angaben der Polizei hatten Bewohner des Dorfes nahe der Stadt N'zérékoré am Dienstag bei Protesten gegen die Aufklärungskampagne mehrere örtliche Gesundheitsvertreter und Journalisten verschleppt.

Die Dorfbewohner hätten die Aktivisten mit Steinen und Stöcken angegriffen, mindestens 21 Menschen seien verletzt worden. Die Demonstranten verdächtigten die Mitglieder des Aufklärungsteams demnach, die Dorfbewohner töten zu wollen. Ihrer Meinung nach sei "Ebola eine Erfindung der Weißen, um die Schwarzen zu töten", sagte ein Polizeibeamter.

Im westafrikanischen Sierra Leone beginnt an diesem Freitag eine dreitägige Ausgangssperre, um gezielt gegen die Ebola-Epidemie vorzugehen. Fachpersonal werde bis Sonntag von Tür zu Tür gehen, um nach verborgenen Ebola-Patienten zu suchen, kündigte die Regierung in Freetown an. Die Maßnahme betrifft rund sechs Millionen Menschen. In den von der Epidemie betroffenen Regionen des Kontinents leben nach UN-Schätzungen 22,3 Millionen Menschen.

kle/wa (dpa, rtre, afp)