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Politik

UN-Friedenssicherung: Geld oder Leben

Die Friedenssicherung der Vereinten Nationen ist aufgeteilt zwischen Nationen, die finanzieren, und Nationen, die Truppen entsenden. Denn die NATO-Staaten haben wenig Vertrauen in die Führung der UN.

Ein Blauhelm in Kinshasa(Quelle: dpa)

Abschreckung: Das Maschinengewehr des UN-Soldaten aus Paraguay

Wer Frieden will, muss ihn bezahlen und hat zwei Währungen zur Auswahl - Geld oder Leben. So zahlen beim Friedenssicherungsprogramm der Vereinten Nationen die Vereinigten Staaten, Japan und die großen EU-Länder drei Viertel des Budgets; Pakistan, Bangladesh und Indien stellen 35 Prozent der Uniformierten, die in Krisengebieten zum Einsatz kommen. 2400 UN-Friedenssicherer sind seit 1948 ums Leben gekommen, ein Zehntel aus diesen drei Ländern, ein weiteres Zehntel aus Ghana, Nigeria und Sambia. Rund 100 Friedenssicherer, die im vergangenen Jahr gestorben sind, werden am Dienstag (29.5.), dem Internationalen Tag des Friedenssicherungspersonals der Vereinten Nationen, posthum mit der Dag-Hammarskjöld-Medaille geehrt. Doch fragen sich viele: Ist es gerecht, wenn die Reichen zahlen, dass die Armen Wache schieben? Und ist es ein glaubwürdiges Engagement für den Frieden, Einsätze zu zahlen, ohne sich personell daran zu beteiligen?

Kein Vertrauen in die UN

Ban-Ki-Moon bei Pressekonferenz

Hoffnungsvoll: UN-Chef Ban-Ki-Moon

"Die Amerikaner haben die Grundregel, sich nicht dem Kommando der Vereinten Nationen unterzuordnen", sagt Volker Rittberger von der Deutschen Stiftung Friedensforschung. "Sie machen die Drecksarbeit lieber selbst, mit oder ohne UN-Mandat". Im Kalten Krieg hielten sich die Supermächte aus der Friedenssicherung raus. Die UN-Mission in Somalia 1993, bei der 30 US-Soldaten starben, erschütterte das Vertrauen der Vereinigten Staaten in die militärische Führung der Vereinten Nationen. Die Völkermorde in Ruanda 1994 und im bosnisch-herzegovinischen Srebrenica 1995 geschahen unter den Augen von UN-Truppen und bestätigten die amerikanischen Zweifel an der Durchsetzungskraft der Blauhelmtruppen. Derzeit haben die Vereinigten Staaten rund 150.000 Soldaten im Irak, aber nur 310 Uniformierte unter UN-Kommando.

Der zweitgrößte Geldgeber Japan darf gemäß Verfassung keine Soldaten ins Ausland schicken. Und auch die Europäer ziehen lieber miteinander oder im NATO-Verband ins Feld als mit Soldaten aus Drittweltländern. "Das hat schon einen Beigeschmack der Nichtgleichachtung", sagt Politologe Rittberger. "Aber die Europäer können im Einsatz eine Art Blindpassspiel treiben, so wie eine eingespielte Fußballmannschaft".

So ist die deutsche Bundeswehr mit Partnern wie Italien oder Norwegen in Afghanistan und im Kosovo unterwegs - mit UN-Mandat, aber unter Führung der NATO. Die Europäische Union plant bereits die Schaffung eigener, schnell einsetzbarer Kampftruppen. "Man traut den Vereinten Nationen weniger zu, die Verbände gut zu führen", sagt Rittberger, "denn sie haben kein Kommandowesen, das auch in Friedenszeiten vorhanden wäre".

Voneinander lernen

Das Kunstwerk von Karl Fredrik Reutersward vor der UN-Zentrale (Quelle: UN)

Willensbekundung: der verbogene Revolver

Ein weiteres Hemmnis sind für die westlichen Staaten die negativen Schlagzeilen über die UN-Mission im Kongo. Den dort stationierten Blauhelmen wird sexuelle Ausbeutung einheimischer Frauen und Mädchen sowie Gold- und Waffenschmuggel vorgeworfen. "Solche Disziplinlosigkeiten beschädigen das Ansehen der UN-geführten Missionen", sagt Rittberger. Mögliche Ursachen sieht er im Grad der Professionalität und der Bezahlung der Truppen: "Schlecht bezahlte Soldaten geraten einfach eher in Versuchung". Über einzelne Projekte wollen die Geldgeber-Nationen ihren UN-Partnern die NATO-Doktrin näher bringen. So haben die Europäer für die Libanon-Mission eine Planungszelle im New Yorker UN-Hauptquartier errichtet. Im Sudan unterstützt die EU gemeinsam mit der NATO die Friedensmission unter Führung der Afrikanischen Union.

Die ärmeren Nationen, die bei den UN-geführten Missionen das Gros der Truppen stellen, akzeptieren ihre Rolle. Thorsten Benner, der am Global Public Policy Institute in Berlin die UN-Friedenssicherungspolitik erforscht, sieht dafür drei Gründe. "Erstens werden die Länder dafür entlohnt, dass sie Truppen entsenden und machen ein gutes Geschäft. Zweitens glauben auch sie an die Friedensmission der Vereinten Nationen. Und drittens sind ihre Armeen oft besser vorbereitet auf einen Einsatz in Entwicklungsländern." Benner ist überzeugt, auch die NATO-Länder könnten von kleineren UN-Partnern lernen - zum Beispiel in Liberia. Dort dienen bereits afrikanischen Truppen, die sich in der Umgebung und Kultur gut zurecht finden, neben Deutschen, Briten und Amerikanern.

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