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Krisenstaat Südsudan

UN-Blauhelme versagen im Südsudan

Eine Frau wurde vergewaltigt, Blauhelmsoldaten sahen zu. Ebenso verhielt es sich, als Soldaten gewaltsam gegen Zivilisten und UN-Mitarbeiter vorgingen. Nun reagierten die UN. Der Chef der Mission wurde gefeuert.

Die Vereinten Nationen haben den Blauhelmsoldaten im Südsudan ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Der Befehlshaber der UN-Mission (Unmiss) in dem ostafrikanischen Krisenstaat, der aus Kenia stammende Generalleutnant Johnson Mogoa Kimani Ondieki, wurde von seinem Posten entfernt. Die UN-Mission habe beim Schutz von Zivilisten bei einen Angriff der südsudanesischen Armee im Juli versagt, bilanzieren die UN in einem jetzt veröffentlichten Bericht. Den Blauhelmen wird darin eine "chaotische und ineffektive Reaktion" auf die Gewalt bescheinigt. Verantwortlich hierfür sei die Unmiss-Führung.

Blauhelmsoldaten schauen zu

Im Juli war die Gewalt zwischen Streitkräften von Präsident Salva Kiir und den Anhängern von Ex-Vizepräsident und Rebellenführer Riek Machar neu ausgebrochen. Mindestens 300 Menschen wurden innerhalb weniger Tage getötet. Soldaten verübten dabei schwere Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung, in Sichtweite der Blauhelmsoldaten.

Die UN-Untersuchung bezieht sich in erster Linie auf einen Angriff südsudanesischer Soldaten am 11. Juli auf ein Hotel in der Hauptstadt Juba, in dem Mitarbeiter internationaler Organisationen untergebracht waren. Nach Angaben der Organisation Human Rights Watch wurde bei dem Überfall ein Journalist getötet, mehrere Ausländerinnen wurden vergewaltigt.

Die UN-Blauhelme griffen nicht ein, obwohl das Hotel nur 1,2 Kilometer von ihrem Stützpunkt entfernt liegt. Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, verließen mehrere UN-Soldaten ihren Posten und ignorierten Hilferufe.

Frau in Sichtweite der UN-Soldaten vergewaltigt

Der UN-Bericht erwähnt auch den Vorfall von Anfang September, als eine Frau am Eingang zum Gelände der Blauhelm-Mission "in Sichtweite" der Soldaten vergewaltigt wurde. "Trotz der Schreie der Frau haben sie nicht eingegriffen", heißt es in dem Dokument. Die UN-Soldaten hätten generell ein "risikoscheuendes Verhalten an den Tag gelegt, das nicht geeignet war, Zivilisten vor sexueller Gewalt zu schützen".

Zudem hätten sich Unmiss-Soldaten geweigert, in Juba zu Fuß auf Patrouille zu gehen. Stattdessen hätten sie die Lage "aus den winzigen Fenstern gepanzerter Truppenfahrzeuge observiert", heißt es weiter. "Dieser Ansatz ist schlecht geeignet, um Verantwortliche von sexueller Gewalt ausfindig zu machen und der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit zu geben."

Südsudan Flüchtlinge (picture-alliance/AP Photo/S. Wandera)

Vor der neuen Gewalt im Sommer flohen 70.000 Menschen ins benachbarte Uganda

Ban fordert weitere Konsequenzen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich "tief erschüttert" über die Ergebnisse des Berichts. Das Versagen der Blauhelmsoldaten bezeichnete er als alarmierend. Zugleich wies Ban darauf hin, dass die Soldaten sich in "extrem herausfordernden Situationen" befunden hätten und im "Kreuzfeuer eines besonders gewalttätigen Konflikts" gefangen gewesen seien. Als Konsequenz forderte der UN-Generalsekretär, das Training der Soldaten zu verbessern.

In einem weiteren Schritt stockte der Weltsicherheitsrat in New York die UN-Mission im Südsudan um 4000 Mann auf 17.000 Blauhelmsoldaten auf. Die UN-Soldaten sollen für ein Ende der Kämpfe der verfeindeten Parteien sorgen.

se/wa (afp, dpa)

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