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Welt

UN beraten über Hungerkatastrophe

Die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika beschäftigt die Teilnehmer eines internationalen Treffens in Rom. Die Vereinten Nationen wollen Soforthilfen mobilisieren. Zehntausende Menschen sind bereits gestorben.

Flüchtlinge in Kenia (Foto: dapd)

Die Menschen versuchen vor dem Hunger zu flüchten

Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) berät am Montag (25.07.2011) in Rom über die Lage in Ostafrika. Zu Beginn des Treffens sagte FAO-Chef Jacques Diouf, die "katastrophale" Dürre verlange "massive und dringende internationale Hilfe". Es gehe darum, Leben zu retten. An dem Treffen nehmen auch Vertreter nichtstaatlicher Hilfsorganisationen sowie Vertreter einiger ostafrikanischer Staaten teil, um die Hilfen besser zu koordinieren. Die UN-Organisation fordert mehr Hilfen für die Opfer der Hungersnot. "Wenn wir im 21. Jahrhundert eine Hungersnot ausrufen müssen, dann sollten wir das als etwas Unmoralisches betrachten", sagte die Leiterin der FAO-Nothilfeprogramme in Afrika, Cristina Amaral.

Flüchtlinge aus Somalia in Nogadischu (Foto: dapd)

Die Hungersnot trifft Somalia besonders hart

Besonders kritisch sei die Lage im Süden Somalias. Mehr als 78.000 Somalier flohen bereits vor der Hungersnot in die Nachbarländer. "Wir gehen von 3,7 Millionen Menschen aus, die sofortige Hilfe benötigen", so Amaral. Mindestens 120 Millionen Dollar (rund 83,5 Millionen Euro) seien notwendig, um landwirtschaftliche Soforthilfe zu leisten. Doch Geberländer müssten jetzt nicht nur mehr Geld für sofortige Nahrungsmittelhilfe, sondern auch Mittel für langfristige Hilfe zur Verfügung stellen.

Die Weltbank will mehr als 500 Millionen Dollar (348 Millionen Euro) an Hilfen bereitstellen. "Die Soforthilfe hat oberste Priorität, und es kommt darauf an, schnell zu handeln, um das menschliche Leid zu verringern", erklärte Weltbankpräsident Robert Zoellick. Der Großteil des Geldes soll in auf längere Zeit angelegte Projekte investiert werden, während zwölf Millionen Dollar in die Soforthilfe für die vom Hungertod bedrohten Menschen fließen sollen.

Niebel: Hilfe dringend notwendig

Entwicklungsminister Niebel (Foto: dapd)

Entwicklungsminister Niebel: Nachhaltige Hilfe notwendig

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) kündigte an, dass auch die Bundesregierung ihre Hilfsgelder für die Hungernden in Ostafrika aufstocke. Statt der bisherigen "Not- und Übergangshilfe" in Höhe von 15,5 Millionen Euro werde Deutschland insgesamt 30 Millionen Euro bereitstellen. Die Gelder flössen zusätzlich zum Hilfspaket der EU in Höhe von 160 Millionen Euro, an dem sich die Bundesregierung mit 20 Prozent beteilige.

Der Minister sagte im ZDF-"Morgenmagazin", Ziel der Konferenz sei es, auch über die akute Krisensituation hinaus dabei zu helfen, dass sich die Regionen entwickelten. Konkret komme es jetzt darauf an, die hungernden Menschen mit Wasser und Nahrungsmittel zu versorgen, so Niebel weiter. Daneben sei die medizinische Versorgung entscheidend, die beispielsweise im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia geleistet werde. Dies betreffe insbesondere die Kinder, die oftmals so ausgehungert seien, dass die Versorgung mit Lebensmitteln nicht mehr ausreiche, sagte der Minister.

Zwölf Millionen Menschen vom Tod bedroht

Flüchtlinge warten auf Nahrungsmittel (Foto: dpa)

Immer noch sind die Nahrungsmittelhilfen zu gering

Nach der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren ist in Ostafrika eine verheerende Hungersnot ausgebrochen. Besonders prekär ist zwar die Situation in Somalia, doch auch Äthiopien, Kenia, Dschibuti, Uganda und der Sudan sind betroffen. Nach UN-Angaben sind in den Dürregebieten Ostafrikas zwölf Millionen Menschen vom Hungertod bedroht und dringend auf Hilfe angewiesen. Zehntausende Menschen starben bereits in den vergangenen Wochen in den Krisenregionen. Frankreichs Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire warnte, der Hunger werde "der Skandal des Jahrhunderts", wenn nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen würden. Es gehe vor allem darum, solch schweren Hungersnöten langfristig vorzubeugen, hieß es.

Die Hungersnot sei laut UN auch Ergebnis der jahrelangen Vernachlässigung des Problems der wiederkehrenden Dürren in der Region, erklärte Amaral vom UN-Welternährungsprogramms. Zwar könnten Projekte für einen besseren Umgang der Viehbesitzer mit dem Weideland, zur Verbesserung der Gesundheit der Tiere und zur Einführung widerstandsfähigerer Getreidesorten Abhilfe schaffen; häufig fehlten dafür aber die finanziellen Mittel. "Die Finanzierung funktioniert nur, wenn man die Aufmerksamkeit der Medien hat. Das ist das Problem", so Amaral weiter. Besonders problematisch sei dabei zudem die Weigerung der in der Region herrschenden radikalislamischen Shebab-Miliz, ausländischen Hilfsorganisationen Zugang zu gewähren.

Autorin: Naima El Moussaoui (mit afp, dpa, dapd)

Redaktion: Marion Linnenbrink

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