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Politik

UN: 200 Millionen Öko-Flüchtlinge bis 2050

Die UN-Klima-Konferenz berät über ein Problem der Zukunft: Umwelt-Flüchtlinge. Als Folge der Klimaerwärmung könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts 200 Millionen Menschen aus ihren Heimatregionen vertrieben werden.

Frau am Deich an der Flensburger Foerde nahe Flensburg. (Quelle: AP, 26. April 2007)

Das Wasser ist nah: Frau am Deich der Flensburger Förde

Immer mehr Menschen werden weltweit durch die Folgen des Klimawandels zur Flucht aus ihren Heimatregionen gezwungen. Dieses weithin noch wenig beachtete, aber brisante Thema der Umweltflüchtlinge mitsamt den sozialen Auswirkungen steht auf der Tagesordnung der dreitägigen UN-Konferenz, die am Donnerstag (09.10.2008) in Bonn begonnen hat. Mehr als 400 Teilnehmer aus 80 Ländern - Wissenschaftler und Experten von Regierungen und Behörden - wollen eine Bestandsaufnahme vornehmen und über Handlungsmöglichkeiten beraten.

Felsen, Gestein und Sandriffelungen im Abendlicht in Karkur Talh, Jebel Uwaynat (Quelle: dpa, 16.11.2006)

Die Wüste breitet sich aus

"Alle Anzeichen sprechen dafür, dass wir vor einem globalen Problem gigantischen Ausmaßes stehen", erklärte der Chef des UN-Umweltinstituts in Bonn, Janos Bogardi, am Mittwoch bei der Naturschutzkonferenz in Barcelona. Anders als Menschen, die aus politischen Gründen aus ihrer Heimat fliehen, würden Öko-Vertriebene vielfach in anderen Regionen ihres Heimatlandes nach einer neuen Existenz suchen, sagte Bogardi. Besonders betroffen seien Frauen, Kinder und ältere Menschen aus ärmeren Regionen der Erde. Als wichtigste Gründe für die Umwelt-Vertreibung gelten Dürren wegen ausbleibenden Regens, Wüstenbildung und Überflutungen.

Anstieg des Meeresspiegel noch höher als befürchtet

Die Brisanz des Themas unterstrich auch der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber. Er sagte am Donnerstag, in diesem Jahrhundert würde der Meeresspiegel voraussichtlich sogar um einen Meter ansteigen. Die Situation sei dramatischer als vor drei Jahren. Der Weltklimarat (IPCC) hatte im Jahr 2005 geschätzt, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 zwischen 18 und 59 Zentimetern ansteigt. Weitere 10 bis 20 Zentimeter wären möglich, wenn das schnelle Abschmelzen des Polareises fortschreitet.

Ein Eisberg schmilzt in Kulusuk Bay, östliches Grönland (Quelle: AP, 17.07.07)

Auch das Eis in Grönland schmilzt

Der nun prognostizierte erhöhte Meeresspiegelanstieg ist laut Schellnhuber auf das beschleunigte Abschmelzen der Himalaya-Gletscher und des grönländischen Eisschildes zurückzuführen. Der Forscher, der auch stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) ist, führte das beschleunigte Abschmelzen des grönländischen Eisschildes auf die massive Emission von Rußpartikeln aus den Schornsteinen chinesischer Kohlekraftwerke zurück.

Wende in zehn Jahren zwingend notwendig

"Das ist ein echt globaler Effekt", sagte er. Durch die Ablagerung der Partikel sei das Eis nicht mehr so weiß und könne die Sonne nicht mehr so gut reflektieren. Dadurch erwärme sich der Schild und schmelze. "Die Luftverschmutzung spielt eine massive Rolle bei der Beschleunigung des Klimawandels."

Schellnhuber warnte auch, dass das von der Politik gesetzte Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, nur umgesetzt werden könne, wenn eine Wende bei der Emission der Treibhausgase in spätestens zehn bis 15 Jahren erreicht werde. Dazu gehöre, dass der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 weltweit halbiert werde und der Ausstieg aus der Kohlendioxidproduktion bis zum Ende des Jahrhunderts gelinge. Er verwies auf Studien, die schon jetzt eine Erwärmung von 2,4 Grad kaum noch für vermeidbar halten.

Gabriel warnt vor Vernachlässigung des Klimaschutzes

Hans Joachim Schellnhuber (links) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (rechts) (Quelle: dpa, 09.10.08)

Hans Joachim Schellnhuber (links) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (rechts)

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel warnte indes davor, das Engagement für den Klimaschutz infolge der Finanzmarktkrise zu vernachlässigen. Der SPD-Politiker sagte, nach dem Platzen der Spekulationsblase bestehe die Chance, dass sich die Investitionen wieder auf die reale Wirtschaft konzentrierten. Die Zukunft gehöre den grünen Technologien. Eine ambitionierte Klimaschutzpolitik könne in Deutschland bis 2020 rund 500.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

In Deutschland dürfe es keinen Zweifel an der Umsetzung des Klima- und Energiepaketes mit seinen Schwerpunkten Ausbau der erneuerbaren Energien, Steigerung der Energieeffizienz und Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung geben. Verstärkter Anstrengungen bedürfe es im Gebäudebereich, beim Verkehr und in der Landwirtschaft. (vem)

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