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Kultur

Umweltschutz und Exportförderung

Über 1500 Teilnehmer treffen sich in Bonn zur "Renewables 2004", der größten Konferenz zum Thema erneuerbare Energien. Initiator war der Bundeskanzler persönlich. Dennoch: Industrie und Umweltschützer bleiben skeptisch.

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Deutschland ist Windkraft-Weltmeister

Der Weg zur Renewables 2004 begann auf dem Johannesburger UN-Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung - mit einer vollmundigen Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Ich werde zu einer internationalen Konferenz über erneuerbare Energien und Energieträger nach Deutschland einladen", sagte er. Ein seltsamer Optimismus, war die Europäische Union doch gerade mit ihrem Vorschlag für den Aktionsplan des Weltgipfels gescheitert.

Als Reaktion lud die deutsche Regierung zur Renewables 2004 ein und gründete zusammen mit anderen, gleichgesinnten Ländern die so genannte Johannesburg Renewable Energy Coalition (JREC). Inzwischen haben sich hier 87 Länder zusammengefunden: unter ihnen viele Entwicklungsländer und Schwellenländer aus Südamerika, Afrika und Südostasien.

Gerade sie könnten Strom aus erneuerbaren Quellen gut gebrauchen, sagt Norbert Gorißen, Referatsleiter im Umweltministerium. 1,6 Milliarden Menschen weltweit haben nach seinen Erkenntnissen keinen Zugang zu moderner Energie. "Da wird für die Energieversorgung besonders Feuerholz benutzt." Das jedoch berge erhebliche Gesundheitsgefahren - vor allem, wenn in schlechten Öfen gekocht werde.

"Frauen tragen mehr als Lastwagen"

Wasserkraftwerk

Wasserkraft - oft umstritten aber emissionsfrei

1,6 Millionen Menschen sterben jedes Jahr in Entwicklungsländern an den Folgen der Luftverschmutzung durch das Kochen mit Feuerholz - etwa so viele wie durch Malaria ums Leben kommen. Was es heißt, nicht einfach mit einem Schalter das elektrische Licht anmachen zu können, hat auch Manfred Konukiewitz, Referatsleiter im Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit (BMZ) selber gesehen. "Sie kennen alle das Bild von den Frauen, die die Kochenergie, das Holz, auf dem Rücken tragen. Unsere Experten haben ausgerechnet, dass die afrikanischen Frauen pro Tag oder pro Woche mehr Lasten schleppen als alle in Afrika vorhandenen Lastwagen zusammen."

Aber auch dort, wo bereits Kraftwerke stehen, können Wind, Sonne und Wasser eine Alternative sein. Denn in vielen Entwicklungsländern wird der Strom fast ausschließlich mit thermischen Ölkraftwerken erzeugt. Und der Ölpreis ist in den vergangenen Monten deutlich gestiegen. Nach Berechnungen von Manfred Konukiewitz bedeutet das eine 60 Milliarden Dollar höhere Ölrechnung als gewohnt - jedes Jahr. Die gesamte Entwicklungshilfe pro Jahr betrage dagegen nur 50 Milliarden. "Das heißt, diese Entwicklungshilfe reicht nicht einmal aus, um die zusätzlichen Kosten der Ölrechnung dieser Länder zu decken."

Exportchancen für die deutsche Wirtschaft

Um die Entwicklungsländer beim Umstieg auf ein umweltfreundliches Stromsystem zu unterstützen, hatte Kanzler Schröder in Johannesburg versprochen, in den nächsten fünf Jahren jeweils 500 Millionen Euro für erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu zahlen. Davon haben natürlich auch deutsche Unternehmen profitiert, beispielsweise der Windanlagenbauer Nordex. Die Firma exportiert inzwischen einen Großteil der Produktion - mit steigender Tendenz. Pressesprecher Felix Losada hält die "Renewables 2004" für ein richtiges Signal für die Branche, aber: "Man muss warten, bis nach den Worten der Politiker auch die Taten folgen. Dann können wir als Hersteller natürlich auch entsprechende gute Produkte anbieten."

Kampf gegen Bodenerosion in Kenia

Frauen in Afrika - sie tragen mehr als Lastwagen

Das bedeutet in erster Linie, einen Markt für Strom aus regenerativen Quellen zu schaffen. Dabei ist langfristige Planungssicherheit von großer Bedeutung. Denn im Gegensatz zu fossilen Energiequellen fallen bei den Erneuerbaren zwar keine Kosten für Kraftstoffe an, dafür sind aber die Anfangsinvestition sehr hoch.

"Auf jeden Fall eine Folgekonferenz"

Auch die Umweltschützer verbinden mit der Renewables 2004 Hoffnungen. Sven Teske von Greenpeace wünscht sich eine Signalwirkung, die auch weitere Staaten veranlasst, sich auf den Weg von Öl, Kohle und Gas zu Sonne, Wind und Wasser begeben. Eine gesunde Skepsis bleibt trotzdem: "Das einzige, was bestimmt dabei rauskommt, ist eine Nachfolgekonferenz. Aber wir hoffen, dass es ein bisschen mehr wird als das."

Der Umweltschützer wünscht sich vor allem, dass sich die Europäische Union verpflichtet, bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen zu kommen. So könne sie den anderen Staaten ein Vorbild sein. Bereits jetzt gibt es ein Ausbauziel von 12 Prozent

für das Jahr 2010. Doch die EU-Kommission lehnt es bisher ab, sich darüber hinaus auf einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zu verpflichten.

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