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Deutschland

Umweltmesse in Gaucks Garten

Bundespräsident Gauck hat seinen Amtssitz für eine "Woche der Umwelt" geöffnet. Zum Auftakt kamen tausende Bürger, um ihre Ideen zu präsentieren. Das Staatsoberhaupt genoss die Aufmerksamkeit sichtlich.

Mit einem saloppen "Guten Morgen allerseits" geht Bundespräsident Joachim Gauck die Treppe in den Park seines hochherrschaftlichen Amtssitzes in Berlin hinunter. Um ihn herum ein halbes Dutzend Security-Männer, die ihm den Weg durch die mehreren tausend Gäste frei halten. Menschen aus allen Teilen Deutschlands sind nach Berlin gereist, um - weltweit einmalig - als Gäste des Staatsoberhauptes an einer "Woche der Umwelt" teilzunehmen, die am Dienstag (05.06.2012) eröffnet wurde. In 80 Gesprächsrunden wollen sie über Fragen des Klima- und Umweltschutzes diskutieren.

Das Gras zwischen den Baumgruppen und Gärten des Parks hinterm Schloss Bellevue leuchtet so grün wie sonst nur auf dem Fußballplatz. Die Sträucher und Bäume strotzen vor Kraft, denn es hat in den vergangenen Tagen ordentlich geregnet in Berlin. Jetzt sind die Temperaturen angenehm und am blauen Himmel huschen nur noch weiße Sommerwolken vorbei. Passend zum Wetter scheinen auch die vielen Bürger Freundlichkeit auszustrahlen, weshalb der Bundespräsident zu Beginn seiner Rede sagt: "Ich habe doch noch gar nichts gesagt und sie sind schon so freundlich zu mir!"

Kleine Umweltrede

Und die Bürger bleiben freundlich. Als Gauck in seiner Rede über die Herausforderungen an die deutsche Umweltpolitik fordert, dass die Kosten für Umweltrisiken nicht dem Steuerzahler, sondern den verursachenden Unternehmen in Rechnung gestellt werden sollten, gibt es viel Applaus. Wie auch nach seiner Warnung, dass zu viele Subventionen, die immer auch Kosten verursachen, die in Deutschland gewollte Energiewende nicht voranbringen werden.

Berlin/ Bundespraesident Joachim Gauck (M.) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU, l.) stehen am Dienstag (05.06.12) in Berlin im Schloss Bellevue bei einem Rundgang auf der Woche der Umwelt an einem Stand von Jugend forscht. Bundespraesident Joachim Gauck setzt bei der Energiewende auf die Marktwirtschaft. Das ehrgeizige Projekt, das sich Deutschland als fuehrende Industrienation vorgenommen habe, werde nicht gelingen allein mit planwirtschaftlichen Verordnungen. Schon gar nicht mit einem Uebermass an Subventionen, warnte Gauck am Dienstag im Berliner Schloss Bellevue bei der Eroeffnung der Woche der Umwelt 2012. Es kann uns aber gelingen - mit ueberzeugenden Innovationen und im fairen Wettbewerb. (zu dapd-Text) Foto: Steffi Loos/dapd

Immer mit dabei: Bundesumweltminister Peter Altmaier (links)

Anwesend ist auch der frisch ernannte Bundesumweltminister Peter Altmaier. Ihm verspricht Gauck, dass er ihn - "wie die anwesenden Gäste es sicherlich auch tun werden" - unterstützen wolle. Allerdings müsse auch für den richtigen politischen Rahmen gesorgt werden. Nicht Plan-, sondern Marktwirtschaft werde das Land bei der Energiewende voranbringen, so Gauck. Offener Markt, fairer Wettbewerb, Verantwortung, Vernunft und Ideen, weniger der Verzicht - damit umschrieb Gauck seine Vorstellung von kluger Umweltpolitik. Und ganz der Theologe, der er von Beruf her ist, schloss er seine Rede mit einem Appell an die Bürger: "Was trägst du dazu bei?"

Star-Rummel

Viele der anwesenden Gäste haben solche Aufforderung nicht nötig. Sie präsentieren in kleinen und großen weißen Sommerzelten ihre Ideen, wie die Natur geschützt werden kann, stellen innovative Technik aus oder nutzen die Stände einfach nur, um zu zeigen, dass sie sich engagieren. Für rund 200 Aussteller reicht der Platz im Schlosspark - Anmeldungen hat es doppelt so viele gegeben. Zehn von ihnen bekommen die Chance, sich dem Bundespräsidenten persönlich vorzustellen bei seinem offiziellen Rundgang durch den Schlosspark.

Es ist nicht so ganz einfach für Gauck und seine Entourage aus Mitarbeitern, Sicherheitspersonal und Journalisten, den Weg durch die Besuchermassen zu finden. Die vielen aufgeregten Bürger wollen den Bundespräsidenten einmal aus der Nähe sehen. Manche haben ihre Kinder mitgebracht und fordern Gauck teils lautstark auf, für Erinnerungsfotos zu posieren. Gauck genießt sichtlich das Bad im Volk, schüttelt Hände, grüßt, lacht, macht Smalltalk und legt seinen Arm um manche weiblichen Hüften. Bei einem Foto mit einer Mutter und ihrem Kind aus Gaucks Heimatstadt Rostock sagt der Präsident in den Kinderwagen "Siehst du, jetzt bist du ein Star".

Bundespräsident Joachim Gauck (M) spricht bei der Woche der Umwelt am Dienstag (05.06.2012) im Schloss Bellevue in Berlin mit Ausstellern. Rund 200 Unternehmen und Institutionen präsentieren bei der Ausstellung neue Technologien, Produkte und Projekte für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Foto: Michael Kappeler dpa/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Bundespräsident kann seine Bürger begeistern

Die Security hat viel zu tun. Ständig wollen engagierte Leute dem Bundespräsidenten Informationsmaterial in die Hand drücken - oder auch ein Glas ökologischen Honig, Äpfel oder anderes Bio-Gut. Essen darf der Präsident davon eigentlich nichts - aus Sicherheitsgründen. Am Stand des Alpenvereins nascht Gauck dann trotzdem eine Scheibe Salami.

Hinter ihm läuft der Bundesumweltminister, der manchmal verloren geht, weil jemand aus der Menge "Peter" gerufen hat und ihn in ein kurzes Gespräch verwickelt. Dann wartet Gauck, bis Altmaier wieder zu ihm aufgeschlossen hat. An den Ständen führt Gauck das Gespräch. Der neue Umweltminister darf nachfragen.

Engagierte Bürger

Das auf der Messe im Präsidentengarten gezeigte Spektrum ist vielfältig. Am Stand des Deutschen Olympischen Sportbundes geht es um Klimaschutz beim Leistungssport. Die Bundeswehruniversität Hamburg präsentiert Techniken zur Lärmminderung. Die Forschungsgemeinschaft für Bionik zeigt Alltagstechnik, die aus der Natur abgeguckt ist, wie eine extrem anpassungsfähige Rückenlehne. Besonders stolz lächeln die kerzengerade stehenden Jungs am Stand von "Jugend forscht". Sie führen vor, wie man aus Abfällen Energie gewinnen kann. Ihnen sieht man die Ehre an, die sie in diesem Moment empfinden, da sich der Bundespräsident für ihre Arbeit interessiert.

In einem Umwelt-Café unter Zeltplanen endet der Rundgang. Hier bekommt Joachim Gauck einen Bio-Cappuccino serviert - Bundesumweltminister Altmaier kriegt auch einen. Gauck fragt seinen Staatssekretär, ob er den Kaffee trinken dürfe. Der bejaht. Die Betreiber erläutern dem Bundespräsidenten ihr Ziel, nämlich große Events mit Essen und Trinken jenseits von Fastfood zu versorgen. Das findet Gauck gut. Er mag sich daran erinnern, dass er auf seinem Rundgang gerade an dutzenden Tellern mit Currywurst und Pommes vorbeigegangen ist, die in seinem Schlosspark als Verpflegung angeboten werden und wohl eher auch unter die Kategorie Fastfood fallen.

Nach dem Koffein-Kick nimmt Gauck die Aufstellung für das Abschlussfoto gleich selbst in die Hand - "Die Damen vom Umwelt-Café bitte hinter mir aufstellen!". Der Bundespräsident freut sich, der Umweltminister lächelt zufrieden. Dann geht’s zurück ins Schloss.