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Asien

Umweltdesaster in China: Der Preis des Wachstums

China bezahlt sein rasantes Wachstum mit immer schlimmeren Folgen für Umwelt und Gesundheit. Nach einer neuen Studie ist die Zahl der Fehlbildungen um 40 Prozent gestiegen - in fünf Jahren.

Fischer am verschmutzten See Tai in der Provinz Wuxi (Juni 2007, Quelle: AP)

Fischsterben in der Provinz Wuxi

In China ist die Zahl der Babys, bei deren Geburt eine Fehlbildung festgestellt wird, in nur fünf Jahren um fast 40 Prozent gestiegen. Eine der Ursachen für die Schädigung der ungeborenen Kinder während der Schwangerschaft ist nach Behördenangaben die starke Umweltverschmutzung. Alle 30 Sekunden werde bei einem Neugeborenen in China eine Fehlbildung festgestellt, "und die Lage hat sich Jahr für Jahr verschlimmert", sagte der Vizevorsitzende der Familienplanungskommission, Jiang Fan am Dienstag (30.10.2007) auf einer Konferenz. Nach seinen Worten stieg seit 2001 die Zahl von Fehlbildungen, die direkt bei der Entbindung entdeckt werden, von 1049 auf 1455 pro 100.000 Babys. Die meisten Fehlbildungen werden aber erst Monate oder Jahre nach der Geburt festgestellt.

Vergiftetes Wasser

Insgesamt hätten vier bis sechs Prozent aller Kinder in China Fehlbildungen. Von den 20 Millionen Babys, die jedes Jahr in China zur Welt kommen, sind das nach Jiang Fangs Worten 800.000 bis 1,2 Millionen. Die Kosten für die Gesellschaft beliefen sich auf mehrere Milliarden Euro. Die stark unter Umweltverschmutzung leidende Kohleprovinz Shanxi habe die höchste Fehlbildungsrate. Die Zahl liege vor allem in der Nähe der acht großen Kohlegruben der Provinz weit über dem Landesdurchschnitt. Experten schilderten auf der Internetseite der Kommission, dass die Kohleförderung vor allem das Wasser verschmutze.

Umweltverschmutzung, ungesunde Ernährung und wachsender Stress von Frauen bei der Arbeit ist nach einem Bericht der Tageszeitung "China Daily" auch verantwortlich für den Anstieg von Brustkrebsfällen. In den Metropolen Peking und Shanghai seien Rekordzahlen festgestellt worden. In den zehn Jahren seit 1997 sei die Zahl in Peking um 23 Prozent angestiegen. 45 von 100 000 Frauen hätten dort Brustkrebs. In Shanghai seien es sogar 55. In der Hafenmetropole sei die Zahl in zehn Jahren sogar um 31 Prozent gestiegen. Experten machten neben einem ungesunden Lebensstil auch die Anwendung von Kosmetika mit Östrogen für den Anstieg von Brustkrebs verantwortlich.

Umwelt wird nicht mehr ignoriert

Fußgänger im Pekinger Smog (27.10.2007, Quelle: AP)

Jedes Jahr sterben in China 460.000 Menschen durch verseuchte Luft und verschmutztes Wasser

Die dramatischen Folgen der Umweltverschmutzung wurden zuletzt beim Kongress der Kommunistischen Partei Mitte Oktober thematisiert. "Unser Wirtschaftswachstum wird mit unmäßig hohen Kosten bei unseren Rohstoffen und unserer Umwelt erzielt", sagte damals Präsident Hu Jintao. China wolle künftig stärker auf Belastungen für die Umwelt achten. "Wir werden ein System errichten, dass zum Energiesparen und der Reduzierung von Abgasen verpflichtet."

Vor einigen Monaten hatte Chinas Umweltschutzbehörde offen eingestanden, dass die hohe Umweltverschmutzung in dem Land zunehmend Unruhen und Massenproteste auslöst. Immer öfter komme es zu Aufständen und Demonstrationen, weil die Menschen um ihre Gesundheit fürchteten. In der schnell wachsenden Industrie des Landes geht es Experten zufolge vor allem darum, Arbeitsplätze zu schaffen und Umsatz zu generieren. Dies gehe häufig zu Lasten der Umwelt und führe dazu, dass gegen Umweltschutzgesetze verstoßen werde. Einer Studie der Weltbank zufolge sterben in China jedes Jahr 460.000 Menschen vorzeitig an den Folgen verseuchter Luft und verschmutzten Trinkwassers. (mg)

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