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Politik

Umtriebige Saudis im Irak

Iran und Syrien wird vorgeworfen, Extremisten im Irak zu unterstützen. Tatsächlich kommen viele von diesen aus Saudi-Arabien. Die Allianz mit den USA schützt dessen Herrscher vor zu vielen Fragen. Aber wie lange noch?

Der saudische König Abdullah (Quelle: AP)

Der saudische König Abdullah:
Wie viel Einfluss hat er im Irak?

1460 Kilometer lang ist die Grenze zwischen Irak und Iran. Eine lange Strecke, die die beiden Länder so eng aneinanderlegt, dass es vermessen scheint, den Iran bei der Lösung des Irak-Konflikts außen vor zu lassen. Eine Strecke aber auch, deren enorme Länge offenbar mit der Trägheit korreliert, mit der man sich in Washington endlich dazu durchgerungen hat, doch mit dem irakischen Nachbarn jenseits der Grenze zu sprechen. Die USA und Iran haben sich nach Angaben des US-Außenministeriums auf eine zweite Gesprächsrunde geeinigt, um über eine Stabilisierung des Iraks zu sprechen.

Wann genau die stattfinden soll, ist noch unklar. Immerhin kommt die Ankündigung nur zwei Monate nach einem ersten Gespräch (seit 27 Jahren) und "nur" sieben Monate nach dem die von Präsident Bush beauftragte Gruppe um Ex-US-Außenminister James Baker ihren Irak-Bericht vorstellte - in dem sie US-Gespräche mit dem Iran und Syrien (gemeinsame Grenze mit Irak: 605 Kilometer) forderte. Die US-Regierung wirft beiden Ländern vor, die Aufständischen im Irak zu unterstützen - politisch, finanziell oder logistisch.

Viele Dschihadis sind Saudis

Es mutet merkwürdig an, dass ein weiteres Land in diesem Zusammenhang weit weniger im Fokus steht: Saudi-Arabien. Das Königreich teilt sich mit dem Irak seinen zweitlängsten Grenzabschnitt. Und der wird offenbar rege genutzt. Genau von den Gruppen, die den Amerikanern im Irak die meisten Probleme bereiten. Nach US-Militärangaben gegenüber der "Los Angeles Times" stammen rund 45 Prozent aller gefangen genommenen ausländischen Rebellen aus Saudi-Arabien. Nur 15 Prozent der Dschihadis kommen aus Syrien oder dem Libanon, und nur jeder zehnte aus Nordafrika. Eine irakische Delegation bestätigte die Zahlen, als sie vergangene Woche nach Saudi-Arabien reiste, um eine Liste mit Namen der inhaftierten Kämpfer an die saudischen Behörden zu übergeben.

Der ehemalige König Fahd und George Bush senior (Quelle: AP)

Familienalbum: Der ehemalige König Fahd und Ex-US-Präsident George Bush senior im Dezember 1992

Nicht nur die engen wirtschaftlichen Verbindungen ihrer Länder schützt das Haus Saud vor zu vielen unangenehmen Fragen der US-Regierung. Bereits vor einigen Jahren hatten US-Journalisten in mehreren Bestseller-Büchern die engen Beziehungen zwischen der Bush-Familie und der saudischen Herrscher-Dynastie detailliert beschrieben. Die gute Familienbande hatte seinerzeit auch die Tatsache verkraftet, dass die meisten der Attentäter vom 11. September Saudis waren.

Riad "nicht unzufrieden mit Status Quo"

Aber selbst wenn die USA den Druck auf das mehrheitlich sunnitische Saudi-Arabien drastisch erhöhen würden, seine Bürger im Irak an die Kandare zu nehmen - es wäre wohl kaum möglich. Dafür sorgt das komplizierte Zusammenspiel der vielen Clans und Stämme im Königreich, sagt Henner Fürtig vom Institut für Nahost-Studien in Hamburg. "In Saudi-Arabien gibt es mehrere Tausend Prinzen und alleine die erweiterte Herrscher-Familie hat um die 25.000 Mitglieder", erläutert er. Es sei nahezu unmöglich, dass die Clan-Oberen über extremistische Aktivitäten einzelner Familienmitglieder im Nachbarland Bescheid wissen, geschweige denn diese unterbinden können.

Andererseits "sind die Saudis nicht unzufrieden mit dem Status Quo", sagt Fürtig. Saudi-Arabien, Iran und der Irak haben die größten Ölreserven und sind langfristig schärfste Konkurrenten im OPEC-Kartell der Erdöl exportierenden Staaten. Ein isolierter Iran und ein schwacher Irak kämen den Saudis daher gelegen.

Heißt das, dass die Herrscher in Riad das Gebaren der sunnitischen Extremisten im Nachbarland wohlwollend betrachten? Nein, sagt Nahost-Experte Yossi Mekelberg vom Royal Institute of International Affairs in London. Die saudische Herrscher-Familie folgt dem Wahabismus, einer besonders orthodoxen Interpretion des sunnitischen Islam. Dennoch "können sie kein Interesse daran haben, die Sunni-Extremisten im Irak erstarken zu lassen." Falls der Irak sich völlig auflöst, und die Amerikaner ihren militärischen Schutz aufgeben, "wäre das Haus Saud das nächste Ziel der Rebellen - gerade wegen der Allianz, die die Herrscherfamilie mit den 'ungläubigen' Amerikanern eingegangen ist", sagt Mekelberg.

Distanz zu USA nötig

Ganz fernab der Realität ist dieses Szenario wohl nicht mehr. Der Irak wird mit jedem Tag instabiler, trotz neuer Offensiven der US-Armee. Und auch die besonders zuvorkommende Behandlung der Saudis durch Washington könnte bald zu Ende sein: Der Stern von Familien-Freund Bush und seiner Regierung sinkt zu Hause steil.

Der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal (l.) bei Gesprächen mit Hamas-Führer Khaled Mashaal (m.) und dem ehemaligen palästinensischen Premierminister Ismail Haniyah in Mekka im Februar (Quelle: AP)

Der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal (l.) bei Gesprächen mit Hamas-Führer Khaled Mashaal und dem ehemaligen palästinensischen Premierminister Ismail Haniyah in Mekka (Archiv)

Es ist deshalb nachvollziehbar, dass die Saudis Anstalten machen, die politische Allianz mit den amerikanischen Freunden in Frage zu stellen. So kam die Feststellung, dass der Irak unter einer "illegitimen ausländischen Besatzung" leide, Ende März von niemandem anders als dem saudischen König Abdullah. Das Land will den Iran nicht weiter stärken, in dem es ihn zum alleinigen Sprachrohr für die in der gesamten Region brodelnde anti-amerikanische Stimmung werden lässt.

Anderseits ist die Vermittlerrolle Saudi-Arabiens, etwa im Libanon-Konflikt oder zwischen den verfeindeten Palästinensergruppen, ein Versuch neues Vertrauen in der Region einzuwerben.

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