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Deutschland

Umstrittenes Disco-Verbot für Flüchtlinge

In Ingolstadt hat ein Nachtclub Flüchtlingen den Zutritt verwehrt. Nach einer Welle des Protests und Rassismusvorwürfen könnte der Schritt allerdings schon bald wieder rückgängig gemacht werden.

"Mit Disco-Paten richtig feiern lernen" - mit diesem Vorschlag möchte ein Nachtclub-Betreiber einen Konflikt befrieden, den er vor wenigen Tagen selbst ausgelöst hat. Martin T., Besitzer des "Amadeus" in Ingolstadt, hatte Anfang Mai öffentlich verkündet, Flüchtlingen ab sofort den Zugang zu seinem Lokal zu verweigern - offenbar als Reaktion auf Beschwerden einiger Gäste.

Als Hausherr kann der Clubbetreiber über den Einlass von potentiellen Besuchern entscheiden, trotzdem sorgte der Schritt des Ingolstädters für Empörung. Von Rassismus ist die Rede - einige Bands haben ihre geplanten Konzerte im "Amadeus" bereits abgesagt.

"Vorübergehende Maßnahme"

Er habe diese drastische Maßnahme nicht gerne getroffen, so der Clubbesitzer, aber letztlich habe er keine andere Möglichkeit gesehen. Jahrelang habe es im "Amadeus" keine größeren Probleme gegeben. Das änderte sich allerdings, so Martin T., mit der Ankunft neuer Flüchtlinge in der Erstaufnahmeunterkunft in Ingolstadt im Dezember 2014. Männliche Flüchtlinge hätten in den Wochen danach mehrfach weibliche Gäste belästigt, Mäntel gestohlen und versucht, Getränke zu schnorren. "Die Schwarzen haben ein Frauenproblem, und bei den Arabern gibt es ein Aggressionsproblem", zitiert die Süddeutsche Zeitung den Clubbetreiber.

Porträt Hamado Dipama (Foto: DW)

Aktivist Hamado Dipama: "Das muss Konsequenzen für den Betreiber haben"

Flüchtlingsaktivist Hamado Dipama erkennt in solchen Äußerungen offenen Rassismus. Dass die Stadt nun nach Alternativen zu einem kompletten Verbot sucht und zwischenzeitlich ein Mentorenprogramm ins Spiel gebracht hat, findet er falsch. T. müsse sich stattdessen für seine rassistischen Äußerungen juristisch verantworten - eine entsprechende Beschwerde beim Ordnungsamt der Stadt sei eingereicht. "Diese offene Form von Rassismus ist wirklich etwas Neues", so Dipama, "es ist unglaublich, solche Worte im 21. Jahrhundert zu hören."

Martin T. dagegen verweist auf seine Gäste. Nach einer Reihe von Zwischenfällen mit Bewohnern aus Flüchtlingsheimen hätte er handeln müssen. In einem Facebook-Eintrag schreibt er, dass ihm diese "vorübergehende Maßnahme sehr unangenehm ist und meiner sozialen und gesellschaftlichen Einstellung vollkommen widerspricht".

"Flüchtlinge sind keine Kinder"

Dipama ist Gründer des "Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern" . Er findet das Verbot nicht nur asozial, sondern hält es auch für gesetzeswidrig. Natürlich könne ein Nachtclub-Besitzer frei über seinen Betrieb entscheiden, aber in diesem Fall verstoße er gegen das gesetzlich festgeschriebene Diskriminierungsverbot. Das Antidiskriminierungsgesetz stehe über dem Hausrecht.

Von den zwischenzeitlichen Vorschläge der Stadt zur Konfliktbeilegung hält Dipama wenig. Angeblich arbeiten das Sozialamt der Stadt und der Afrikaverein bereits an einem "Disco-Knigge", der die Flüchtlinge aufklären soll. Auch Flüchtlinge, die schon länger in Ingolstadt wohnen, könnten vor dem Eingang Aufklärungsarbeit leisten. Doch Dipama blockt ab: "Flüchtlinge sind keine Kinder, denen man beibringen muss, was beim Eintritt in einen Nachtclub zu beachten ist. Ich würde mich beleidigt fühlen, wenn jemand mir zu erklären versucht, wie ich mich richtig zu verhalten habe. Dies ist völlig inakzeptabel."

Freiwillige Begleiter gesucht

Rechtsanwältin Hendrikje Blandow-Schlegel von der Flüchtlingshilfe Harvestehude in Hamburg warnt zudem vor möglichen Folgen. Das Verbot, auch wenn es aufgehoben würde, dürfte die Aufmerksamkeit von Rechtsextremisten bekommen.

Porträt der Anwältin Hendrikje Blandow-Schlegel (Foto: DW)

Anwältin Hendrikje Blandow-Schlegel: "Eine Mediation wäre besser gewesen"

"Die Frage ist, wie das Publikum darauf reagiert", so Blandow-Schlegel im DW-Interview. "Es könnte Leute anziehen, die die Idee eines generellen Verbots unterstützen. Und das sind eigentlich nicht die Kunden, mit denen man in Verbindung gebracht werden möchte."

Auf der Facebook-Seite des "Amadeus" liefern sich Befürworter und Gegner des Verbots heftige Debatten. "Wer Menschen wegen ihrer Hautfarbe ausschließt, sollte gar nicht das Recht haben, in diesem Land eine Diskothek zu führen", schreibt ein User. Ein anderer: "Die Disco hat das gute Recht, 'Gästen', die potentiell andere Gäste belästigen, kategorisch den Zutritt zu verwehren."

Mit seiner am Wochenende veröffentlichten Idee einer "Disco-Patenschaft", bei der Freiwillige die "Flüchtlinge mitnehmen und ihnen zeigen, wie man bei uns feiert, ohne dass es zu Irritationen und Anfeindungen führt", will T. offenbar die Wogen glätten. Für den kommenden Donnerstag hat er Interessenten zu sich eingeladen, um Freiwillige für die Begleitung zu finden und das Konzept zu besprechen.

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