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Kultur

Umstrittenes Arp-Museum eröffnet

Streit um Geld und um die Echtheit von Ausstellungsstücken haben die Eröffnung des Arp-Museums belastet. Trotzdem hat der Millionen teure Neubau nun seine Türen geöffnet. Die Kritiker sind jedoch nicht verstummt.

Eine dunkle Skulptur auf einem weißen Sokel, einige Menschen im Hintergrund. Quelle: dpa

Echt oder posthum gegossen? Eine Skulptur des Künstlers Hans Arp im neuen Museum

Es ist geschafft: Am Freitag (28.09.2007) eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel das Arp-Museum in Remagen-Rolandseck. Nach drei Jahren Bauzeit werden in dem 33 Millionen Euro teuren Neubau, der von Star-Architekt Richard Meier entworfen wurde, auf rund 2900 Quadratmetern Ausstellungsfläche Werke des Künstlerehepaares Arp und von sieben Gegenwartskünstlern gezeigt. Der in Straßburg geborene Bildhauer Hans Arp (1886 – 1966) gehört zu den Mitbegründern der spielerisch-provokativen Kunstrichtung Dadaismus.

Streit um Anwaltskosten

Ein weißes, neues Gebäude, mit dem Rhein im Vordergrund und vielen Bäumen. Quelle: Hajo Lenz

Neubau mit Rheinblick: Vom US-Architekten Richard Meier entworfenes Arp-Museum

Unmittelbar vor der Eröffnung waren schwere Vorwürfe gegen den am Museum beteiligten Arp-Verein erhoben worden. Laut einem SWR-Bericht, soll die "Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V.", wie der Verein offiziell heißt, in den 90er-Jahren Anwälte beauftragt haben, um eine kritische Berichterstattung in den Medien zu verhindern. Das Land Rheinland-Pfalz soll dem Verein in diesem Zusammenhang rund 150.000 Euro Kosten ersetzt haben.

Der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär, Joachim Hofmann-Göttig (SPD), bestätigte, dass das Land dem Verein diese Summe für Rechtsberatung erstattet habe. Dabei sei es nach seinem Kenntnisstand auch um Unterlassungserklärungen und Gegendarstellungen nach Berichten über die Sammlung des Arp-Vereins gegangen. Die Vorwürfe werden dadurch erschwert, dass auch an Kanzleien in denen Vereinsmitglieder tätig sind, Geld geflossen sein soll. Der Staatsekretär kündigte eine vollständige Aufklärung des Sachverhaltes an, dafür werde am Dienstag eine Pressekonferenz einberufen. "Wir werden keinen kritischen Diskussionen ausweichen", sagte auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), der ebenfalls bei der Eröffnung anwesend war.

Experten bezweifeln den Wert der Arp-Sammlung

Aber auch schon lange vor der Eröffnung gab es zahlreiche Querelen und Vorwürfe. Immer wieder bezweifelten Experten die Echtheit beziehungsweise den Wert der Arp-Werke, die die Stiftung für zehn Millionen Euro an das Land Rheinland-Pfalz verkaufte. Angeblich sei ein Teil der Skulpturen erst nach dem Tod des Künstlers Hans Arp gegossen worden. Die Stiftung beruft sich allerdings darauf, dass die Zahl der Güsse vom Künstler selbst festgelegt worden sei und man sich bei Nachgüssen strikt an die Vorgaben Arps gehalten habe. 1997 war es bereits zu einem Skandal gekommen, als das Land 21 Arp-Werke wegen Zweifeln and der Echtheit zurückgab.

Eine leuchtende Spirale zieht sich durch einen Tunnel. Quelle: Wolfgang Günzel

Installation Kaa der Künstlerin Barbara Trautmann

Kritiker werfen dem Verein vor, einen Handel mit Reproduktionen betreiben zu wollen. Die Vorwürfe wurden umso lauter, als bekannt wurde, dass der Verein als Satzungszweck den Verkauf von Arp-Duplikaten verfolgt. Der Verein wies dies zurück und erklärte, Verkäufe in einem Umfang der gewerblichen Charakter habe, untersage die Satzung.

Ein Künstler, der deutsche und französische Kultur verbindet

In der ersten Ausstellung des Museums sind rund 90 Werke von Arp zu sehen: Tuschezeichnungen, Reliefs, Collagen und Plastiken. Sie nehmen die oberste Etage in dem Neubau ein und stehen unter dem Titel "Die Natur der Dinge". Merkel bezeichnete den deutsch-französischen Künstler Hans Arp als Bindeglied zwischen der deutschen und der französischen Kultur. Der in Straßburg geborene Künstler habe in beiden Ländern gelebt und beide Nationen kulturell bereichert. Menschen wie dem 1966 verstorbenen Maler und Bildhauer sei es zu verdanken, dass Deutschland und Frankreich ein gemeinsames kulturelles Fundament hätten, auf dem die Politik heute aufbauen könne.

Eine gelb angestrahlte Skulptur vor einem schon leicht in der Dämmerung verschwindenen Haus. Quelle: picture-alliance/Rolf Kosecki

Die Skulptur "Bewegtes Tanzgeschmeide" von Hans Arp vor dem Bahnhof Rolandseck

Neben den Werken von Arp sind auch Werke des Malers und Bildhauers Anselm Kiefer, Skulpturen von Anton Henning sowie Installationen von Johannes Brus, Barabara Trautmann, Michael Craig-Martin, Yvonne Fehling und Jennie Peiz. Nach Angaben des Gründungsdirektors Klaus Gallwitz haben sie alle einen Bezug zu Arp. Zu dem Museums-Komplex gehört auch der sanierte Künstlerbahnhof Rolandseck. (elo)

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