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Asien

Umstrittener Monarch: Afghanistans Ex-König Sahir Schah ist tot

40 Jahre hat Mohammed Sahir Schah in Afghanistan als Monarch geherrscht. Am Montag (23. 7.) ist er im Alter von 92 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf den letzten afghanischen König.

Archivbild: Afghanistans Ex-König Sahir Schah (links) bei der Vereidungszeremonie von Präsident Hamid Karsai (rechts), im Hintergrund ein uniformierter Militär, Quelle: AP

Sahir Schah bei der Vereidigung von Präsident Karsai

Mohammed Sahir, bekannt als Sahir Schah, war ein umstrittener Monarch, dessen amibivalente Politik das Gesicht Afghanistans ein ganzes Jahrhundert stark geprägt hat. Als König besaß er kein Durchsetzungsvermögen. Er scheute politische Entscheidungen und vermochte kein politisches Risiko einzugehen. Sein Name war eng verbunden mit der turbulenten Entwicklung Afghanistans in den letzten sieben Jahrzehnten.

Mohammed Sahir war stets umgeben und beherrscht von Personen, die in seinem Namen umstrittene und autoritäre Politik gemacht haben, was letzten Endes das Land am Hindukusch in den politischen Abgrund führte.

Thronbesteigung 1933

Geboren am 15. Oktober 1914 in Kabul, stammte Mohammed Sahir aus der Paschtunen-Dynastie der Mohammedsai, deren Stammesgebiet im Süden, in der Umgebung von Kandahar liegt und die seit dem 18. Jahrhundert die Vorherrschaft über Afghanistan ausgeübt hat. In Frankreich ausgebildet, wurde der Prinz nach seiner Rückkehr mit 18 Jahren zum stellvertretenden Kriegs- und wenige Monate später zum Erziehungsminister ernannt. Nach der Ermordung seines Vaters Mohammed Nadir am 8. November 1933 bestieg er den Thron.

Als erste Amtshandlung unterschrieb Mohammed Sahir das Todesurteil für die 16 mutmaßlichen Mörder seines Vaters. In den 1950er und 1960er Jahren, als politische Turbulenzen im Lande aktives Handeln des Königs erforderlich machten, sorgte er dafür, dass seine Herrschaft als "Schatten Gottes auf Erden" auch in der neuen Verfassung als "Tolwak" - als allmächtig - legitimiert wurde. Damit konnte der König alles allein entscheiden, durfte aber nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Afghanistans damaliger König Mohammed Sahir Schah im Jahre 1963, Quelle: AP

Mohammed Sahir Schah im Jahre 1963 (Archivbild)

Schikanen für missliebige Politiker

1964 kam es mit der Verabschiedung der neuen Verfassung durch die Loja Dschirga, die traditionelle Stammessitzung, zur Einführung der konstitutionellen Monarchie. Das Parteiengesetz, das für die Etablierung einer demokratischen Ordnung von fundamentaler Bedeutung war, hat der König nie unterschrieben. Trotzdem gründeten sich Parteien, doch Parteipolitiker, die dem König nicht genehm waren, sahen sich Schikanen ausgesetzt. Auch kritische Berichterstattung wurde verboten und die Verantwortlichen aus fadenscheinigen Gründen inhaftiert.

1973 wurde Sahir Schah während eines Aufenthaltes in Italien durch einen Militärputsch seines Schwagers und langjährigen Ministerpräsidenten Mohammed Daud (1953-1963) gestürzt. Seither verfolgte er die politischen Ereignisse in Afghanistan aus dem Exil in Rom, unternahm jedoch keinen ernsthaften Versuch, auf die Entwicklung in seinem Land Einfluss zu nehmen.

Vorschlag für Stammesversammlung fand wenig Echo

Nach dem Abzug der sowjetischen Invasionstruppen 1989 kam Afghanistan nicht zur Ruhe. Das Land stürzte immer tiefer in chaotische Zustände. In dieser Lage schlug Sahir Schah vor, eine in der Tradition der Afghanen verankerte Loja Dschirga, eine Stammesversammlung also, einzuberufen. "Die Teilnehmer dieser Loja Dschirga werden sich zusammensetzen aus Vertretern der Dschehadi-Organisationen, den Vertretern der Kommandeure, Vertretern anderer pro-Dschehadi-Organisationen, berühmten afghanischen Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland, politischen afghanischen Persönlichkeiten und Stammesältesten aus dem In- und Ausland", bestimmte Sahir Schah. Die außerordentliche Dschirga sollte über das Schicksal des Landes entscheiden. Doch der Vorschlag stieß weder in Afghanistan auf Unterstützung, noch fand er international ein positives Echo.

Nach dem von den USA geführten Krieg in Afghanistan gegen das despotische Taliban-Regime und das mit ihm verbündete Terrornetzwerk El-Kaida bot sich der greise Ex-Monarch im Oktober 2001 als Vermittler an. Sein als Rom-Gruppe bekannt gewordener Beraterkreis trug mit drei anderen afghanischen Gruppen erheblich zu den Bonner Vereinbarungen über Afghanistan bei.

Präsident Hamid Karsai, im Hintergrund ein Enkel des verstorbenen afghanischen Königs, Quelle: AP

Präsident Hamid Karsai gab am Montag den Tod des ehemaligen Königs bekannt

"Vater der Nation"

Am 18. April 2002 kehrte Mohammed Sahir als Bürger nach Afghanistan zurück. Wie auf dem Petersberg vereinbart, erklärte er seinen Verzicht auf das Amt des Staatsoberhaupts. Sein Stellenwert wurde in der neuen Verfassung des Landes im Jahre 2004 als "Baba-e Melat" - Vater der Nation - verankert. Seine angeblich große Popularität im Lande erwies sich jedoch als trügerisch, als sein Kandidat und Schwager Homayon Asef bei der Präsidentschaftswahl im Oktober 2004 weniger als ein Prozent der Stimmen bekam. Im Vielvölker-Staat Afghanistan sahen die ethnischen Minderheiten in Asef den Stellvertreter Mohammed Sahirs. Sie hatten nicht vergessen, dass sie in dessen 40-jähriger Amtszeit (1933-73) diskriminiert wurden. Hinzu kam, dass sich ebenso viele Paschtunen von Sahirs Rückkehr in der Person seines Schwagers Homayon Asefs nicht viel versprachen und keinen autoritären Regierungsstil mehr billigen wollten.

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