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Europa

Umstrittener Gedenktag zur Sklaverei

Frankreich gedenkt erstmals der Abschaffung der Sklaverei. Nicht alle Franzosen aber zeigen sich mit dem von Präsident Chirac ausgewählten Datum einverstanden.

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Sklavenmarkt im 19. Jahrhundert

"Wie kann man zulassen, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf der Welt Familien gibt, die Generation für Generation in der Knechtschaft ihrer Schulden leben?" Diese Frage stellte der französische Staatschef Jacques Chirac in einer Ansprache beim Ehrenempfang des Komitees zur Erinnerung an die Sklaverei im Januar 2006 in den Raum. Ein heikles Thema, dass viele Jahre von Frankreich vernachlässigt wurde. Um ein Zeichen zu setzen, begeht Frankreich an diesem Mittwoch (10.5.2006) seinen ersten nationalen Gedenktag zur Erinnerung an die Sklaverei.

USA schaffen Sklaverei ab

Auf den Plantagen oft zu Tode geprügelt

Jahrhundertelang waren schwarze Sklaven aus Westafrika in die karibischen Kolonien Frankreichs verschleppt worden, wo sie meist auf Zuckerrohrplantagen arbeiten mussten. Dabei starben viele von ihnen qualvoll. Geht es nach Staatspräsident Chirac, muss Frankreich "im Kampf um die Menschenrechte an vorderster Front stehen". Der Gedenktag soll ein Zeichen in diese Richtung setzen. Darum werden auch die französischen Schüler im Unterricht am Mittwoch Werke des einstigen Staatsgründers Senegals Léopold Sédar-Senghor - ein Vordenker der Entkolonialisierung - und des Antillendichters Aimé César lesen. In Museen und Universitäten werden Ausstellungen und Kolloquien das Thema behandeln. Der karibische Schriftsteller Edouard Glissant bereitet ein nationales Zentrum zum Thema Menschenhandel vor. Dabei hilft ihm ein Komitee zur Erinnerung an die Sklaverei, das von der schwarzen Politikerin Maryse Condé geleitet wird. Ein hochkarätiges Programm also, das die Wichtigkeit des Ereignisses unterstreichen soll.

Widerstand gegen den Gedenktag

Trotzdem steht ein großer Teil der schwarzen Franzosen dem Gedenktag distanziert gegenüber. In den Übersee-Départements, wo die Sklaverei Familiengeschichte ist, stößt der Termin auf Kritik. Denn auf Martinique wird bereits seit 22 Jahren ein Sklaverei-Gedenktag als arbeitsfreier Feiertag begangen: der 22. Mai. An diesem Tag des Revolutionsjahres 1848 hatte ein Sklavenaufstand zum Ende der Leibeigenschaft auf der Karibikinsel geführt. Bereits am 27. April 1848 hatte die französische Regierung auf Initiative des elsässischen Politikers Victor Schoelcher per Dekret die Freiheit für die 250.000 Sklaven in den Kolonien verkündet.

Chirac erinnert mit dem neuen Gedenktag aber lieber an den Senatsbeschluss vom 10. Mai 2001, die Sklaverei zum Verbrechen gegen die Menschheit zu erklären. Kritiker behaupten, damit wolle er Frankreich in die Rolle des Vorkämpfers für Freiheit und Menschenrechte erheben. Hätte er den Gedenktag auf den 22. Mai gelegt, wäre dieser Tag wahrscheinlich ohne großes Staatsprogramm um einiges symbolträchtiger geworden.

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