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Fokus Osteuropa

Umstrittene Gründung einer Koranschule in Ost-Mazedonien

Die islamische Religionsgemeinschaft Mazedoniens verstärkt ihre Aktivitäten im Osten des Landes. Vor kurzem wurde in der Stadt Stip eine Koranschule aufgebaut. Die Gründung löst im Land unterschiedliche Reaktionen aus.

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Islamische Gemeinschaft will mehr Imame ausbilden

In Stip und anderen Städten im Osten Mazedoniens gab es bislang keine Probleme, die einen ethnischen oder religiösen Hintergrund haben. In dieser Region leben Moslems und Christen neben- und miteinander. Nun verstärkt die islamische Religionsgemeinschaft Mazedoniens ihre Aktivitäten in der Region.

Traditioneller Sitz der islamischen Gemeinde

Mit Hilfe von Spenden in einer Gesamthöhe von 500.000 Euro, die zum Teil auch aus ausländischen Quellen stammen, wurde in Stip binnen weniger Monate die einzige Moschee in der Stadt renoviert. Außerdem wurde das neue Gebäude der Regionalverwaltung der islamischen Gemeinschaft für Ost-Mazedonien zur Nutzung frei gegeben. Der Sekretär dieser islamischen Gemeinschaft, Rajhan Mandak erklärt, dass die Stadt Stip als Sitz der Gemeinschaft gewählt wurde, weil sie seit jeher ein Zentrum der islamischen Gemeinschaft gewesen sei. Mandak sagte der Deutschen Welle: "Charakteristisch ist, dass in diesem Ort und in diesem Gebäude die islamische Religionsgemeinschaft in dieser Region schon im Jahr 1913 gegründet worden. Bis heute ist es Sitz der islamischen Gemeinde geblieben".

Zweifel am Bedarf

In dem neuen modernen Gebäude, das 1.000 Quadratmeter groß ist, befindet sich auch eine neue theologische Schule, die Imame ausbildet. "Die Schüler, die aus der Region Ost-Mazedonien kommen, werden in der Koranschule in Stip unterrichtet", so Mandak.

Die islamische Religionsgemeinschaft begründet den Aufbau einer Koranschule damit, dass nach ihren Erkenntnissen in Ost-Mazedonien über 180.000 Muslime leben. Offiziellen statistischen Angaben der mazedonischen Regierung zufolge sehen die Zahlen anders aus. Nach der letzten Volkszählung, die 2002 durchgeführt wurde, leben in rund 50 Gemeinden in Ost-Mazedonien – dazu zählen auch die größeren Städte Kumanovo, Veles, Stip, Strumica, Berovo – nur 30.000 Albaner und insgesamt noch einmal genauso viele Türken und Roma. Ein Teil von ihnen gehört anderen Religionsgemeinschaften an. Von fast einer halben Million Einwohner der Region gehören damit nur zehn Prozent der Bevölkerung der islamischen Religion an. Der Chef des statistischen Amtes in Stip, Mico Runcev, nennt Zahlen: "Nach der letzten Volkszählung zählt die Gemeinde Stip 47.796 Einwohner. 41.670 Mazedonier, 1.272 Türken, 12 Albaner und 2.195 Roma."

Koranschule gesetzeswidrig?

Warum also verstärke die islamische Gemeinschaft ihre Präsenz ausgerechnet in Stip? Das fragen insbesondere Vertreter der orthodoxen Kirche. Ihnen ist vor allem die Koranschule suspekt. Vlatko Stojmenov, der Diakon der orthodoxen Diözese der Region Bregalnica wirft die Frage auf, ob die Koranschule mit den mazedonischen Gesetzen vereinbar sei. Eine klare Position dazu vertritt er nicht. Dafür betont er: "Das, was ich mit Sicherheit bestätigen kann, ist, dass die Mazedonisch-Orthodoxe Kirche ihre religiöse Ausbildung gesetzestreu durchführt".

Die Verantwortlichen der islamischen Gemeinschaft in Stip betonen, dass sie im Rahmen der mazedonischen Gesetze handeln. Rajhan Mandak sagt: "Der Bau, die Eröffnung und die Funktion dieser Institution stehen im Einklang mit der Verfassung der Republik Mazedonien. Gleichzeitig sind sie auch im Einklang mit dem Gesetz für Religionsgemeinschaften in der Republik Mazedonien und der Verfassung der islamischen Religionsgemeinschaft. Das bedeutet, dass alle rechtlichen Regeln geachtet werden".

Die islamische Gemeinschaft in Stip erklärt darüber hinaus, dass in der Koranschule kein islamischer Radikalismus verbreitet werde. Die neue Koranschule bilde ausschließlich Imame aus, damit kein Mangel an Geistlichen in den Moscheen in Ost-Mazedonien entstehe. Denn in den vergangenen Jahren seien zahlreiche neue Moscheen gebaut worden, so dass mehr Imame benötigt würden. Rajhan Mandak fasst das Problem so zusammen: "In Ost-Mazedonien fehlt Personal. Diese Regionale Islamische Gemeinschaft verfügt über 63 aktive Moscheen. Einen Mangel an Geistlichen verzeichnen wir in fast 90 Prozent der Moscheen".

Todor Jovanovski
DW-RADIO/Mazedonisch, 20.6.2006, Fokus Ost-Südost