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Nahost

Umstrittene Ehrung von Rabin, Peres und Arafat

US-Präsident Obama hat gerade den Friedensnobelpreis erhalten, was für internationale Kritik sorgte. Doch schon die Verleihung dieses Preises an den damaligen PLO-Chef Yasser Arafat stieß 1994 auf viel Unverständnis.

Arafat, Rabin und Peres erhalten 1994 den Freidensnobelpreis (Foto:dpa)

Arafat, Rabin und Peres erhalten 1994 den Friedensnobelpreis

Die Empörung in jüdisch-nationalistischen Kreisen, besonders außerhalb von Israel, war groß: PLO-Chef Yasser Arafat sollte zusammen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin und dem damaligen Außenminister Schimon Peres den Friedensnobelpreis erhalten. Für viele aber war Arafat der Inbegriff des Terroristen, der zeit seines Lebens versucht hatte, den Staat Israel zu zerstören und den man verantwortlich machte für zahllose zivile Opfer. Wie sollte solch ein Mann gemeinsam mit Rabin und Peres geehrt werden?

Zweifelhafte Gründe

Der Hintergrund hierfür war das Oslo-Abkommen, das die drei in die Wege geleitet und mit dem sie Barrieren überwunden hatten, die bis dahin den Weg zu gegenseitiger Verständigung, Aussöhnung und vielleicht auch friedlicher Koexistenz zwischen Israelis und Palästinensern versperrt hatten. Das Oslo-Abkommen vom Herbst 1993 stellte die gegenseitige de-facto-Anerkennung zwischen Israel und der PLO dar, es ermöglichte die Rückkehr Arafats und anderer PLO-Führer in ihre Heimat, die Etablierung einer palästinensischen Autonomieverwaltung dort und es gab zum ersten Mal Hoffnung, dass es nun nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis Israel die seit 1967 besetzten Gebieten räumen, die Palästinenser dort ihren eigenen Staat errichten und beide dann friedlich nebeneinander würden leben können. So, wie der Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen von 1947 dies vorgesehen hatte – wenn auch nun mit einem halben Jahrhundert Verspätung.

Rabin, Clinton und Arafat (Foto:AP)

1993 willigten der israelische Premierminister Rabin (li.) und PLO -Chef Arafat (re.) in das Oslo-Abkommen ein...

Es muss diese Hoffnung gewesen sein, die das Nobel-Komitee dazu bewogen hatte, den drei Hauptakteuren von Oslo den Friedens-Nobelpreis zuzuerkennen. Obwohl auch sie natürlich wussten, dass Arafat und die PLO für viel Leid verantwortlich waren. Obwohl sie wussten, dass auch Israel – auch die Regierung von Rabin und Peres – unter den Palästinensern viel Leid verursacht hat. Aber es war der Mut der Beteiligten, nach Jahrzehnten des Blutvergießens einen anderen Weg einzuschlagen, der in Oslo die Entscheidung beeinflusste, es war deren Demonstration einer zumindest grundsätzlichen Bereitschaft zum Frieden.Wenn es nach den Vereinbarungen von Oslo gegangen wäre, dann hätte US-Präsident Barack Obama 15 Jahre später vielleicht nicht auch den Preis erhalten. Denn dann würde heute Frieden herrschen in Nahost, dann könnte der Nahostkonflikt von Demagogen jeder Couleur nicht immer wieder aufs Neue dazu herangezogen werden, um den "Kampf der Kulturen" zu beschwören.

Verhinderter Frieden

Kämpfer der Hamas (Foto: AP)

...doch Radikale auf beiden Seiten wurden immer militanter und rüsteten sich für den "Bruderkrieg"...

Es waren aber die Radikalen auf beiden Seiten, die genau diese Entwicklung verhinderten: Die nationalistische Opposition in Israel verdammte Oslo als Ausverkauf Israels, die israelischen Siedler in den besetzten Gebieten wurden immer militanter und rüsteten sich für den großen "Bruderkrieg", den sie nun erwarteten – die Verteidiger des "Landes Israel" gegen den Verräter Rabin, den man auf Plakaten sogar als Nazi verunglimpfte. Die Welle des Hasses war so heftig, dass sie 1995 in der Ermordung Rabins durch einen radikalen Siedler gipfelte. Auf palästinensischer Seite agitierte vor allem die islamistische "Hamas" gegen Oslo. Obwohl dieses Abkommen den Palästinensern doch letztlich zum eigenen Staat verhelfen sollte, waren die religiösen Eiferer nicht bereit, ihren alten Traum aufzugeben, eines Tages ganz Palästina zu „befreien“ – also: Israel zu zerstören. In ihrer "Alles oder nichts"- Haltung stand "Hamas" den religiösen und nationalistischen Fanatikern auf israelischer Seite in nichts nach. Und es war wohl "Hamas", die maßgeblich dazu beitrug, dass nach Rabins Ermordung in Israel die Weichen gestellt wurden zu einer Stärkung des nationalistischen Lagers:

Gescheitertes Abkommen

Trauerfeier für JitzchakRabin (Foto:dpa)

...der 1995 in der Ermordung von Jitzchak gipfelte...

Eine Reihe blutiger Anschläge, verübt von Anhängern der "Hamas", überschattete den Wahlkampf und machte es dem damaligen Oppositionsführer Benjamin Netanjahu leicht, gegen Schimon Peres zu gewinnen, dem er mit jedem neuen Anschlag aufs Neue nachzuweisen glaubte, dass Oslo ein Fehler war. Netanjahu wurde gewählt und er verstand es, das Oslo-Abkommen so sehr zu verwässern und seine Umsetzung zu verzögern, dass kaum noch etwas davon übrig blieb. Immer noch hofften zahlreiche Israelis, dass der Frieden zu retten sei. Sie wählten 1999 den ehemaligen Generalstabschef Ehud Barak von der Arbeiterpartei, dieser verstand es aber nicht, sich mit Arafat zu einigen. Die Palästinenser begannen die zweite Intifada und als Barak nicht weiter wusste, wurde Ariel Sharon gewählt, ein rechter Ex-General, der Arafat weiterhin als Feind betrachtete und behandelte und unter dem letztlich der letzte Rest von Hoffnung auf Frieden zerstört wurde. Unter Scharons Nachfolger Olmert besserte sich das nicht und jetzt ist wieder Netanjahu Regierungschef und denkt gar nicht daran, Vorleistungen für einen Frieden zu erbringen.

Die Hoffnungen von Oslo sind in den letzten Jahren doppelt zerstört worden: Die Hoffnung, dass das Oslo-Abkommen den Konflikt beenden würde, ebenso die Hoffnung, dass der Nobelpreis von Oslo die Konfliktparteien dabei unterstützen könne.

Autor: Peter Philipp

Redaktion: Michaela Paul