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Kultur

Umstrittene Dokumentation über Antisemitismus nun doch im TV

Weil Arte den Film wegen "handwerklicher Bedenken" nicht ausstrahlte, hagelte es Kritik. Deutschlands größte Boulevardzeitung veröffentlichte ihn daraufhin. Nun kommt die Doku doch ins TV - mit anschließender Diskussion.

Am Mittwoch soll die bislang zurückgehaltene Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" nun doch im deutschen Fernsehen gezeigt werden: Am 21. Juni wird der Film um 22.15 Uhr im öffentlich-rechtlichen Kanal Das Erste ausgestrahlt.

Die Doku über Judenfeindlichkeit in Europa hatte der deutsch-französische Sender Arte in Auftrag gegeben. Nachdem eine Redakteurin den Film abgenommen und die Autoren Joachim Schroeder und Sophie Hafner ihr Honorar erhalten hatten, weigerte sich Arte jedoch, den Film zu senden: Die Dokumentation entspreche nicht dem geplanten Projekt, weil nicht wie verabredet der wachsende Antisemitismus in Europa im Fokus stehe, sondern zumeist im Nahen Osten gedreht wurde. Darüber sei die Redaktion "bis unmittelbar vor Lieferung des Films bewusst im Unklaren" gelassen worden, so Arte. Außerdem gebe es "handwerkliche Bedenken".

Nicht abgesicherte Behauptungen und Vorwürfe ohne Konfrontation

Deshalb hat der Sender WDR, dessen Arte-Redaktion den Film verantwortet, Rechercheure den Inhalt des Films überprüfen lassen. Das Ergebnis: Nach Einschätzung der Prüfer enthält er Tatsachen-Behauptungen, die nicht ausreichend mit Belegen abgesichert sind. Auch seien Vorwürfe gegen Betroffene erhoben worden, die anschließend keine Möglichkeit zur Stellungnahme bekommen haben sollen. Dies gehöre aber zu den Standards journalistischer Arbeit. Der Filmautor Joachim Schroeder bemängelte gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit", dass man habe ihn nicht direkt kontaktiert habe. Die antisemitischen Vorwürfe seien korrekt - er habe die Betroffenen nicht konfrontiert, weil er nicht erwartet habe, "dass diese Organisationen mir etwas Originelles dazu sagen können", so Schroeder.

Damit sich die Zuschauer ein eigenes Bild machen könnten, wird der Film nun aber doch gezeigt. Um die Bedenken transparent zu machen und unterschiedliche Positionen zu Wort kommen zu lassen, wird es im Anschluss an die Ausstrahlung der Dokumentation eine Diskussionsrunde im Fernsehen geben, moderiert von Sandra Maischberger.

Viel Kritik am Vorgehen der öffentlich-rechtlichen Sender

Die Vorgehensweise von Arte und dem WDR hatte für viel Wirbel gesorgt. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, äußerte sich in einem Schreiben an die Sender verwundert, dass die Dokumentation nicht wie geplant gesendet wurde. Historiker wie Michael Wolffsohn und Götz Aly lobten den Film. Aly warf dem Arte-Programmdirektor Zensur vor. Deutschlands größte Boulevardzeitung "Bild" hatte die Doku ohne Absprache am Dienstag für 24 Stunden auf ihrer Webseite gezeigt und nach eigenen Angaben dafür rund 200.000 Klicks erhalten.

ld/nf (epd, dpa)

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