1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Umstrittene Ausstellung von Hitlers Günstling

Eine Retrospektive über Arno Breker hat am 22. Juli in Schwerin eröffnet. Die Ausstellung führte schon vorher zu heftigen Diskussionen. Soll der Bildhauer rehabilitiert werden?

default

Nazi-Ästhetik: Prometheus Statue von Arno Breker (1937)

Ist das zulässig? Was werden die Leute denken? Es sind immer die gleichen Fragen, die gestellt werden, wenn Deutschland sich mit Kunst aus der Nazizeit auseinandersetzt - in diesem Fall mit Arno Breker (1900-1991), der einst Aufträge von Hitler erhielt, und dessen muskelstrotzende, klassizistischen Nackten die Nazi-Ästhetik entschieden prägten.

Unter dem Titel "Zur Diskussion gestellt: Der Bildhauer Arno Breker" zeigt das Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin seit dem 22. Juli eine Retrospektive über Brekers Karriere. Es ist die erste Ausstellung von Brekers Arbeit seit dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt 70 Skulpturen aus der privaten Sammlung von Brekers Witwe sind zu sehen.

Profiteur des Nationalsozialismus

Selbst in der Kunstwelt ist Breker eine umstrittene Figur. Manche, darunter auch Salvador Dali, zählen ihn zu den wichtigsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts, andere tun ihn als Nazi-Sympathisanten ab, dessen Werk keinen künstlerischen Wert hat.

Ohne Zweifel gehörte Breker zu den bekanntesten Bildhauern der Nazi-Era. Zwischen 1933 und 1942 erhielt er Aufträge von den Nazis. Ihn verband eine persönliche Freundschaft sowohl mit Adolf Hitler, als auch mit seinem Chefarchitekten, Albert Speer. Breker wird am häufigsten mit den Skulpturen "Die Siegerin" und "Zehnkämpfer" assoziiert, die er für das Berliner Olympiastadion schuf.

Max Liebermann Totenmaske

Arno Breker erstellte die Totenmaske seines Freundes Liebermann

Breker, der nach eigenen Aussagen "immer nur der Schönheit des menschlichen Körpers huldigte", fand mit seinen Skulpturen den Beifall der nationalsozialistischen Machthaber. Hitler stattete ihn mit einem Landsitz im märkischen Jäckelsbruch aus und gab ihm ein Jahresgehalt von einer Million Reichsmark. Seine monumentalen Arbeiten schmückten viele nationalsozialistische Bauten, unter anderem das Zeppelinfeld in Nürnberg. Die Mehrzahl wurde im Krieg zerstört.

1981 ließ Breker erklären, dass er einem Regime gedient habe, dessen "Verbrechen, dessen Unmenschlichkeit, dessen Unwertigkeit gerade mir weder bewusst war, noch von mir unterstützt wurde."

Erneute Kontroversen vor Fußball-WM

Auch Brekers Skulpturen am Berliner Olympiastadion waren Thema einer erneuten Kontroverse im Vorfeld der Fußball-WM gewesen. Dabei forderten Kritiker erfolglos, dass einige der bekanntesten Breker-Skulpturen am Berliner Olympia-Stadion abgedeckt werden sollten, weil sie die Gäste der Spiele beleidigen würden.

Ursprünglich sollte die Breker-Ausstellung in Schwerin 2005 stattfinden, aber sie wurde verschoben, um nicht mit den Gedenkfeiern des 60-jährigen Jahrestages des Kriegsendes zusammenzufallen. Nun sagte die Direktorin des staatlichen Museums in Schwerin, Kornelia von Berswordt-Wallrabe, es sei "grob fahrlässig", eine solche Ausstellung zu genehmigen, weil die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern anstünden, bei denen ein Einzug der NPD in den Landtag befürchtet werde.

Arnold Breker und andere in Schwerin

Rudolf Conrades, der erste Kurator, der sich traut, Breker auszustellen

Trotzdem verteidigt der Kurator des Schleswig-Holstein-Hauses, Rudolf Conrades, die Ausstellung. Sinn der Ausstellung sei es, Breker zum Gegenstand einer kritischen Diskussion zu machen.

"Breker war Mitglied einer angesehenen Gruppe junger Bildhauer", sagte Conrades gegenüber der Zeitung "Die Welt". "Max Liebermann unterstützte ihn – Breker fertigte seine Totenmaske an. Dann, als die Nazi-Era anbrach, begann seine klassizistische Phase. Auch nach dem Krieg wurde seine Arbeit noch immer sehr verehrt in manchen Kreisen. Sogar Ludwig Erhard und Konrad Adenauer posierten für ihn."

Kritische Diskussion oder Rehabilitation?

Der Präsident der Berliner Akademie der Kunst, Klaus Staek, sprach sich gegen die Ausstellung aus. Er befürchtet, sie diene der "Rehabilitation Brekers". Staek hat auch eine geplante Ausstellung seiner eigenen Werke in Schwerin abgesagt, die für nächstes Jahr geplant war.

Conrades dagegen vertritt die Meinung, dass Tabus um alles, was mit der Nazi-Era zu tun habe, eine Nation nicht weiterbringe, die immer noch Probleme im Umgang mit ihrer Vergangenheit habe. "Breker ist Teil der deutschen Kunstgeschichte", sagt er. "Die großen Museen sind bisher davor zurückgeschreckt, sich mit diesem Kapitel unserer Geschichte zu befassen. Ich denke, es ist höchste Zeit, das in Angriff zu nehmen."

Auch Günter Grass befürwortet die Ausstellung. "Die Ausstellung kann einen Beitrag zur Aufarbeitung deutscher Geschichte leisten." Wenn sie das gesamte Schaffen zeige, könne sie seine Verführbarkeit und seinen Opportunismus anschaulich machen".

Die Redaktion empfiehlt