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Wirtschaft

Umstrittene Atommeiler für England

Der französische Stromkonzern EDF will in England zwei Atomreaktoren errichten. Das Projekt ist höchst umstritten: Es sei viel zu teuer, es gefährde Arbeitsplätze und sei unrechtmäßig subventioniert, so Kritiker.

Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat laut Verhandlungskreisen dem umstrittenen Bau von zwei Atomreaktoren im britischen Hinkley Point (Artikelbild, zu sehen sind zwei bereits bestehende Reaktoren) zugestimmt. Zehn Mitglieder des Gremiums hätten für das Großprojekt mit einem Volumen von 18 Milliarden Pfund (21,4 Milliarden Euro) gestimmt, sieben dagegen, hieß es aus informierten Kreise am Donnerstag in Paris.

In Hinkley Point in der Nähe der Großstadt Bristol an der westenglischen Küste sollen zwei neue Druckwasserreaktoren des Typs EPR entstehen. Ein Drittel der Investitionssumme (rund sechs Milliarden Euro) sollen chinesische Partner schultern. Die Reaktoren sollten 2025 in Betrieb gehen, sechs Millionen Haushalts versorgen und 25 000 Arbeitsplätze schaffen.

Das Atom-Projekt ist innerhalb des französischen Staatskonzerns höchst umstritten. Vor der Sitzung des Verwaltungsrats trat ein Mitglied des Gremiums aus Protest zurück. Er wolle nicht eine Strategie unterstützen, hinter der er nicht stehe, schrieb Gérard Magnin in seinem Rücktrittschreiben. Bereits Anfang März war der EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er das Vorhaben für ein zu großes finanzielles Risiko hält.

Europaweit umstritten

Auch die Gewerkschaften bei EDF befürchten, dass das Projekt den bereits hochverschuldeten Stromkonzern in große Schwierigkeiten bringt. Die endgültige Investitionsentscheidung über Hinkley Point wurde wegen der internen Differenzen immer wieder verschoben.

Die neuen Atomreaktoren wären die ersten seit mehr als zwei Jahrzehnten, die in Großbritannien gebaut werden. Das Vorhaben stößt auch in der EU auf Kritik: Österreich sieht einen von der britischen Regierung garantierten Stromabnahmepreis für das Atomkraftwerk als unrechtmäßige Subvention an und ist vor das Europäische Gericht (EuG) in Luxemburg gezogen. Auch Ökostromanbieter und Stadtwerke aus Deutschland und Österreich klagen.

Die Regierung hat sich durchgesetzt

Der Stromkonzern EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Das Unternehmen musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben. Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt.

dk/wen(dpa/afp)