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Kultur

Umstritten: Mannheims neue Kunsthalle

In Mannheim soll eine neue Kunsthalle gebaut werden, ein Bau der Stararchitekten von Gerkan, Marg und Partner. Doch eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen den ungeliebten "Kasten". Er kostet mehr als 68 Millionen Euro.

Es geht nicht um Kunst, es geht nicht um Geschmack, es geht um das liebe Geld. In Mannheim ist ein Streit darüber entbrannt, ob es wirklich sinnvoll war, die alte Kunsthalle im Herzen der Stadt abzureißen. Alles, um einen Neubau zu errichten, ohne das nötige Kapital dafür zu haben. Dabei trägt den Großteil der Kosten für den Neubau der Kunsthalle in Mannheim gar nicht die Stadt und somit auch nicht die Steuerzahler, sondern ein privater Spender: genauer: Hans-Werner Hector, Mitbegründer des Software-Unternehmens SAP. Er stellt für den Neubau 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Und er sorgte damit bereits vor gut einem Jahr für einen Aufschrei in Mannheim. Ob die Kunsthalle künftig etwa "Hector-Museum" heißen solle, fragten sich einige Mannheimer Bürger. Der Mäzen dementierte und erklärte in einem Zeitungsinterview, die Spende sei mit keinen Auflagen verbunden.

Hässliche Baulücke im Herzen der Stadt

Kunsthalle Mannheim

Viele Mannheimer waren gegen den Abriss des "Mitzlaff-Baus" von 1983

So weit, so gut. Die Bürger könnten sich also entspannen. Die Stadt Mannheim trägt "nur" zehn Millionen Euro, einen weiteren Teil das Land Baden-Württemberg und weitere private Spender. Doch leider besteht noch immer eine Finanzierungslücke von 3, 8 Millionen Euro.

Und in der Mitte der Stadt klafft seit August 2014 eine riesige Baulücke. Der sogenannte "Mitzlaff-Bau", so der Name der 1983 gebauten Mannheimer Kunsthalle, wurde abgerissen. Im März 2015 soll der Grundstein für das neue Gebäude nach einem Entwurf des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner gelegt werden.

Dabei hätte nach Auffassung der Bürgerinitiative Kunsthalle Mannheim eine Sanierung des Mitzlaff-Baus ausgereicht. "Der Bau hätte noch genutzt werden können", argumentiert Gerda Lamprecht, Mitbegründerin der Bürgerinitiative. Der Neubau sei Geldverschwendung. "Ich finde es ganz unmöglich, was da gemacht wird." Seit dem Abriss vermeide sie es, an der Baulücke am Mannheimer Friedrichsplatz vorbeizugehen. "Es zerreißt mich", meint sie.

Kunsthallendirektorin Ulrike Lorenz kann den Widerstand der Bevölkerung durchaus nachvollziehen: "Wir operieren hier am Herzen Mannheims, das ist allen Baubeteiligten sehr bewusst. Es ist der schönste Platz der Stadt, demzufolge gibt es auch ein komplettes Verständnis auf unserer Seite, dass die Bürgerschaft besorgt ist." Gebaut wird trotzdem.

Ein Dialog zwischen 100 Jahren Architektur

Kunsthalle Mannheim Meinhard von Gerkan mit Modell

Stararchitekt Meinhard von Gerkan im Dezember 2012 vor dem Siegermodell des Architekturwettbewerbs für den Neubau der Kunsthalle Mannheim

Die Initiatoren des Neubaus halten das für die beste Lösung. Eine Generalsanierung koste mindestens 50 Millionen Euro, ungeachtet bleibend hoher Energiekosten. Das neue Gebäude werde sehr viel energieeffizienter sein als der 80er Jahre-Bau des Architekten Hans Mitzlaff.

21 Meter hoch soll das neue quaderförmige Gebäude sein und an den generalsanierten Jugendstilbau der Kunsthalle, der nicht abgerissen wurde, anschließen. "Wir wollen einen Dialog herstellen zwischen 100 Jahren Architektur", sagt der leitende Architekt Nikolaus Goetze vom Büro Gerkan, Marg und Partner.

Das Gebäude soll eine transparente Metallfassade aus bronzebeschichteten Edelstahlrohren bekommen. Vor den Fenstern soll ein Metallgeflecht freie Sicht erlauben. Allerdings wird es "weitere Optimierungen gestalterischer und technologischer Natur geben", wie Direktorin Ulrike Lorenz sagt. Deshalb werde im Stiftungsrat auch weiterhin diskutiert, ob während der Bauphase ein Fassadenmodell aufgestellt werden soll, das Passanten vor der Baugrube eine Ahnung des Zukünftigen geben soll.

Zielvorgabe 2017

Kunsthalle Mannheim Paul Cézanne Die Kartenspieler ca. 1892-95

Die Kunsthalle Mannheim zeigt derzeit Werke von Manet, Van Gogh und Cézanne (im Bild: Cézannes "Die Kartenspieler")

2017 soll der Neubau seine Eröffnung feiern. Eigentlich keine lange Zeit. Doch vielleicht liegt die Skepsis der Mannheimer Bürgerinitiative ja in anderen ambitionierten Projekten begründet, die sich nach dem Entwurf der Architekten und Planung der Städte ganz anders anhörten, als es schließlich kam. Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie begann 2007 - und ist noch immer nicht abgeschlossen, die Kosten liegen mittlerweile bei 789 Millionen Euro. Ursprünglich war von 77 Millionen die Rede. Und auch der Berliner Flughafen BER - ein Projekt des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner - sollte längst eröffnet sein. Die Architekten trifft keine Schuld, und doch wird der ruhmreiche Name von Gerkan mittlerweile auch mit dem Pannenflughafen verbunden. Der soll nun voraussichtlich 2018 eröffnen; so richtig glaubt allerdings noch niemand daran.

Und die Kunst?

Für Museumsdirektorin Lorenz ist dennoch klar: Erst der Neubau werde der Sammlung der Kunsthalle Mannheim gerecht. Sie wachse ständig, und gemeinsam mit Leihgaben aus der ganzen Welt könne die Kunsthalle in einem Neubau zu internationalem Ruhm gelangen. Bereits jetzt zeigt das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst eine Ausstellung zu Manet, Cézanne und Van Gogh – mit Leihgaben aus Washington. Ab Februar wird eine große Schau über den deutschen Expressionisten Ernst-Ludwig Kirchner zu sehen sein, gemeinsam mit dem Kirchner Museum in Davos und dem Kirchner Archiv in Wichtrach. Gezeigt werden sie im Jugendstilbau des Museums – mit Blick auf die Baustelle.