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Sprachbar

Umsonstvergeblich

Umsonst klingt gut. Aber nur solange es ums Geld geht. Vergeblich klingt gar nicht gut. Etwa so wie: kein Erfolg. Die viele Arbeit, die man sich gemacht hat. Ist etwas umsonst oder vergeblich? Je nachdem.

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Umsonstvergeblich – die Folge als MP3

Die deutsche Sprache ist reich an Wortungetümen, an schwergewichtigen Komposita und recht ungewöhnlich klingenden Schöpfungen wie „jählings“, „vergackeiern“ oder „hanebüchen“. Umsonstvergeblich allerdings ist nie in den deutschen Sprachschatz eingegangen. Es ist eine sprachliche Schöpfung, ein Kunstwort sozusagen. Umsonstvergeblich soll zeigen, dass man Wörter, die man nie zuvor gehört hat, verstehen kann, auch wenn sie unsinnig scheinen. Auch in diesem Fall. Denn jedem wird auffallen, dass in diesem Kunstgebilde die beiden Wörter umsonst und vergeblich stecken. Warum ist aber noch niemand auf die Idee gekommen, es quasi als eine Art Tautologie zu verwenden?

Ein erster Erklärungsversuch

Eine Katze steht vor einem erlegten Vogel

Dieser Beutezug war nicht vergeblich

In der Tat gehören umsonst und vergeblich inhaltlich eng zusammen. Allerdings lassen sie sich nicht beliebig austauschen. Da stellt sich die Frage: Wann ist das möglich, wann nicht? Oder anders ausgedrückt: Wann müssen wir umsonst sagen, wann vergeblich beziehungsweise vergebens? Wann geht beides? Hier eine Faustregel für vergeblich beziehungsweise vergebens: Hatte oder hat etwas keinen Erfolg, dann war oder ist es vergeblich.

Ein Beispiel: „Sie hatte sich in langen vergeblichen Gesprächen darum bemüht, ihn davon zu überzeugen, dieses Projekt nicht weiterzuverfolgen.“ In diesem Beispiel wird vergeblich wie ein Adjektiv gebraucht. Aber auch das adverbiale vergeblich beziehungsweise vergebens ließe sich ohne Weiteres in diesem Satz unterbringen. Er lautete dann: „Sie hatte sich in langen Gesprächen vergeblich (vergebens) darum bemüht …“ und so weiter. Es gibt sogar ein Nomen zu vergeblich: die Vergeblichkeit. Auch in dem Beispielsatz: „Die Vergeblichkeit seines Handelns wurde ihm erst später klar“, ist klar, dass der Betroffene die Chancenlosigkeit seines Vorhabens erst später feststellte.

Ein Test für umsonst

Kundenberatung in einer Bank: Ein Bankmitarbeiter (rechts) informiert ein Ehepaar. Auf dem Tisch steht ein Laptop.

Vergeblich und umsonst oder nur umsonst?

Und jetzt kommt so eine Art Gegenprobe, nämlich mit umsonst. Nur in einem der Beispielsätze lässt sich umsonst statt vergeblich unterbringen. Dieser Satz lautet dann so: „Sie hatte sich in langen Gesprächen umsonst darum bemüht …“ Umsonst ist ein Adverb. „Umsonstige Gespräche“ oder die „Umsonstigkeit“ gibt es nicht. Gleichwohl würden Sätze mit diesen eigentlich falschen Wörtern verstanden werden. Ob es letztendlich „umsonst bemüht“ oder „vergeblich bemüht“ heißt, ist eine Frage des Stils.

In der Umgangssprache jedenfalls ist umsonst häufig zu Lasten des hochsprachlichen vergeblich zu hören – wenn es denn inhaltlich möglich ist. Die Grenzen sind fließend. Kann man sagen: „Die Beratung war umsonst“? Man kann. Nur: War sie – die Beratung – kostenlos oder war sie vergeblich? Das müsste sich dann aus dem Zusammenhang ergeben. Um die Sache auf die Spitze zu treiben: Eine vergebliche Beratung kann durchaus kostenlos, also auch umsonst sein. Vergeblich und umsonst.

Ein wenig Sprachgeschichte

Schnitzel mit Pommes und Salat

„Für umme“ – eher nicht ...

Das Adverb umsonst ist eine Zusammensetzung aus zwei Wörtern: „um“ und „sonst“. Sprachgeschichtlich hat es sich aus „umbe sus“ entwickelt, was so viel bedeutete wie „um dieses, um so“. Machte jemand noch eine entsprechende Gebärde, konnte es die Bedeutung von „für nichts“ bekommen.

In der Umgangssprache hat sich diese Bedeutung erhalten: Bekommt man etwas „für umme“ heißt das, da muss man gar nichts mehr bezahlen, das ist ganz und gar umsonst. Geschenkt. Das war übrigens sprachgeschichtlich auch die Bedeutung von vergebens.

Nichts ist umsonst – nur der Tod

Eine Grabstätte mit Blumen und Kerze

„Umsonst ist der Tod und der kostet das Leben“ ...

Nun ist das mit dem umsonst so eine Sache. Es schlicht mit „kostenlos“ gleichzusetzen, ist nicht unbedingt richtig. Zumindest in der Warenwelt ist nichts kostenlos. Das berühmte „Gratisgetränk“ wird als Kostenfaktor selbstverständlich in den Preis für das Schnitzel mit Pommes eingerechnet. Nur: Der Gast muss es nicht extra bezahlen. Letzten Endes ist nichts umsonst.

Die scherzhaft ironische Wendung „Umsonst ist der Tod und der kostet das Leben“ bringt das drastisch zum Ausdruck, gerade weil umsonst und „kostet“ in übertragener Bedeutung gebraucht werden. Wer umsonst gearbeitet hat, kann zweierlei meinen. Erstens: Die Arbeit hat nicht zu dem erwarteten Ergebnis geführt. In diesem Fall würde man auch sagen können, sie war vergeblich. Zweitens: Er oder sie hat gearbeitet, ohne Geld oder einen anderen Gegenwert dafür zu verlangen.

Umsonstvergeblich bald im Duden?

Gar nicht so einfach ein Kunstwort wie umsonstvergeblich zu erklären. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass es noch nicht den Weg in den deutschen Wortschatz gefunden hat. Aber wer weiß. Bei jeder Wortschöpfung hat irgendjemand irgendwann mal den Anfang gemacht. Also, demnächst das Wort verwenden und die Reaktion abwarten. Umsonst wäre es allemal. Vergeblich – vielleicht. Wer weiß das schon …




Arbeitsauftrag
Vergeblich versuchen etwas umsonst zu bekommen: Die Unterscheidung von vergeblich und umsonst ist nicht so einfach. Oder doch? Versucht in eurer Lerngruppe weitere passende Beispiele zu finden, wie man beide Begriffe verwenden kann.

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