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Beethovenfest

Umkehr der Machtverhältnisse: Beethoven und seine Gönner

Bei aller Sympathien für die Revolution: Beethoven war abhängig von adeligen Gönnern. Er scheute sich aber nicht, seinen Förderern die Meinung zu sagen - dabei hatte er oft das letzte Wort.

Das Gemälde von Julius Schmid zeigt ein Hauskonzert beim Fürsten Lichnowsky

Bei einem Soiree im Haus des Fürsten Lichnowsky

"Fürst! was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt. Was ich bin, bin ich durch mich. Fürsten gibt es Tausende. Beethoven nur einen."

So forsch kann nur einer auftreten, dem es nicht an Selbstbewusstsein mangelt. Ludwig van Beethoven soll mit diesen Worten seinen hochwohlgeborenen Auftraggeber, den Fürsten Karl von Lichnowsky, in die Schranken gewiesen haben. Dieser hatte Beethoven im Jahr 1800 ein Jahresgehalt von 600 Gulden zugesichert. Beethoven war damals gerade in Wien angekommen. Diese Existenzsicherung sollte nur gelten, bis der Komponist ein sicheres Einkommen hatte.

Das sollte sich allerdings nie einstellen: Während seiner ganzen Wiener Zeit von 1792 bis zu seinem Tod im Jahr 1827 blieb Beethoven ein freischaffender Musiker. Er hatte - anders als die meisten seiner Vorgänger - nie eine Anstellung an Hof oder Kirche.

Lichnowsky, Waldstein, Rasumovsky oder Erzherzog Rudolf - so hießen die Widmungsträger von Beethovens bekanntesten Werken. Auch wenn zu dieser Zeit bereits in zunehmendem Maße Musik für ein bürgerliches Publikum geschaffen wurde, waren die Auftraggeber seiner Werke meistens Angehörige des Adels. Solche Kontakte, das wusste auch Beethoven, galt es zu pflegen.

Ferdinand Waldstein. Copyright: picture-alliance/Mary Evans Picture Library

Für immer als der Namensgeber der 'Waldstein'-Sonate bekannt: Ferdinand Waldstein

Selbstbewusstes Klinkenputzen

Jan Caeyers schildert in seiner Biographie "Beethoven. Der einsame Revolutionär" aus dem jahr 2012, dass auch Beethoven nicht alles selbstverständlich zuflog. Auch er musste sich "katzbuckelnd" an die Einflussreichen seiner Zeit wenden und deren Wohlwollen durchaus mit "schleimhaltigen Komplimenten" erbitten.

Der Komponist, der sich in seiner Jugend für die Ideale der Französischen Revolution begeisterte - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - griff mitunter sogar zu einer List: Er tat so, als sei das "van" in seinem Namen ein Adelsprädikat. Dabei war es lediglich ein Indiz für seine flämische Abstammung und kein Äquivalent zum deutschen "von".

Beethovens Kunst reichte jedoch dazu aus, dass er sich in adeligen Kreisen bewegen durfte, auch wenn ihm manchmal die entsprechenden höfischen Manieren fehlten. Johann Wolfgang von Goethe etwa schrieb über ihn: "Sein Talent hat mich in Erstaunen gesetzt; allein er ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit." Beethovens Grundeinstellung blieb konstant: "Werde ich einst ein grosser Mann, so haben auch Sie Theil daran", schrieb er seinem ehemaligen Lehrer Christian Gottlob Neefe.

Mehrere Förderer

Während seiner ersten Jahre in Wien hatten gleich mehrere Adelige am Erfolg des jungen Komponisten Anteil. Einige von ihnen hielten ihm jahrzehntelang die Treue, darunter der Fürst Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz (1772-1816), der russische Gesandte Graf André Razumovsky (1752-1836) oder der Graf Moritz Fries (1777-1826).

Fürst Andrej Kirillowitsch Rasumowski

Wer kennt die Rasumowski-Quartette nicht? Hier ein Bild des russischen Gesandten

Zu seinen wichtigsten früheren Förderern zählte jedoch der musikliebende Fürst Karl Lichnowsky. Gut ein Duzend Jahre unterstützte er Beethoven. In Lichnowskys Residenz trafen sich Musiker und Komponisten, und dort wurden viele von Beethovens Frühwerken uraufgeführt. Der Komponist wurde sogar eingeladen, als "Familienmitglied" bei den Lichnowskys zu wohnen, und auf Lichnowskys Empfehlung hin engagierten sich zahlreiche weitere Adelige für ihn.

Aus Dankbarkeit widmete Beethoven Lichnowsky mehrere Werke, einschließlich seiner Zweiten Sinfonie und der Sonate "Pathétique". Seine Dankbarkeit war jedoch nicht grenzenlos. Es muss im Jahr 1806 gewesen sein, als Beethoven für Gäste des Fürsten - französische Offiziere - musizieren sollte. Doch er weigerte sich, es kam zum Eklat, und die Zahlungen wurden eingestellt. Der erboste Komponist kehrte nach Wien zurück und zerstörte aus Wut eine Büste des Fürsten.

Geschäftstüchtigkeit und Freundschaft

Der geschäftstüchtige Beethoven - der auch die meisten seiner Werke selbst veröffentlichte und ständig mit Verlagen verhandelte - war mittlerweile nicht mehr auf Lichnowsky angewiesen. Sein wichtigster Förderer für den Rest seines Lebens war daraufhin der Erzherzog Rudolf von Österreich-Ungarn (1788-1831), jüngster Sohn des Kaisers Franz. Der Erzherzog Rudolf war selbst ein profilierter Musiker. Er war ein guter Pianist und komponierte auch. Er war Beethovens einziger Kompositionsschüler.

Ihm widmete Beethoven eine Vielzahl seiner Werke. Dazu gehören das Vierte und das Fünfte Klavierkonzert, die Sonaten mit den Titeln "Hammerklavier" und "Les Adieux", die Große Fuge und die Missa solemnis. Letzteres Werk sollte 1820 anlässlich Rudolfs Krönung als Erzbischof von Olmütz erklingen. Die Messe, die Beethoven einmal als sein größtes Werk bezeichnete, wurde jedoch erst drei Jahre später fertig - ein weiterer Hinweis darauf, dass für Beethoven die Kunst an erster Stelle rangierte.

Ludwig van Beethoven

Im Portrait von Josef Stieker komponiert Ludwig van Beethoven seine "Missa solemnis, die dem Kompositionssanlass lange überlebt hat

Enge Beziehung zum Erzherzog Rudolf

Der amerikanische Musikwissenschaftler Lewis Lockwood schrieb 2003: "Angesichts seiner hartnäckigen unabhängigen Haltung scheint sein Verhältnis zum Erzherzog um so bemerkenswerter." Der Erzherzog behandele ihn "wie ein Freund, nicht wie ein Diener", wie der Komponist in einem Brief 1819 schrieb. Dennoch murrte er wegen seiner Verpflichtungen als Lehrer, ließ den Unterricht, der zwei- bis dreimal der Woche stattfinden sollte, öfters ausfallen, schob Krankheiten vor, sagte seinem Gönner auch einmal, er sei nicht sein "Diener".

In einem Brief an seinen Schüler sparte Beethoven trotzdem nicht an Lob für das Talent und die Einfälle seines Schülers, weist aber auch auf Fehler hin und ermahnt ihn, sich immerfort zu bessern. Auch hier behielt Beethoven das letzte Wort - was für einen Musiker seiner Zeit durchaus ungewöhnlich war.

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