1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Umkämpftes Heiligtum: der Tempelberg

Der Tempelberg in Jerusalem gilt Juden, Muslimen und Christen als heiliger Ort. Gerade darum löst er in der politisch und religiös aufgeheizten Stadt immer wieder scharfe, teils gewalttätige Auseinandersetzungen aus.

Weithin sichtbar auf einem Hügel in der Altstadt von Jerusalem gelegen, beherbergt der Tempelberg heute muslimische ebenso wie jüdische Kultstätten. Die markantesten sind die beiden muslimischen: der Felsendom und die Al-Aksa-Moschee. Beide Bauten wurden Ende des siebten Jahrhunderts unter der Herrschaft des Kalifengeschlechts der Ummayaden errichtet. Es ist insbesondere der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel, der dem Berg seinen charakteristischen Anblick verleiht. Seinen Namen bezieht er von dem Felsen im Inneren des Baus. Von diesem Felsen aus soll der islamische Religionsstifter Mohammed seine Himmelfahrt angetreten haben. Darum gilt der Tempelberg nach Mekka und Medina als drittheiligste Stätte des Islams.

Auch das Judentum prägt den Anblick des Areals. Denn an einer der Seiten des Hügels befindet sich die weltbekannte Klagemauer, an der Juden ihr Gebet verrichten. Der - historisch widerlegten - Legende nach war die Klagemauer einst eine der Grundmauern des zerstörten Herodianischen Tempels.

Der Tempel wurde im Jahr 70 nach Christus von den Römern zerstört. Sein Vorgänger, der Salomonische Tempel, wurde ebenfalls zerstört, und zwar im Jahr 586 von den Truppen des babylonischen Eroberers Nebukadnezar II. Die Zerstörungen der beiden Tempel spielen in der jüdischen Überlieferung eine zentrale Rolle. Der Wiederaufbau an gleicher Stelle ist eng verknüpft mit der erwarteten Rückkehr des Messias.

Der Tempelberg gilt auch als der Ort, an dem Gott Erde in die Hand genommen habe, um aus ihr Adam, den nach biblischer Überlieferung ersten Menschen, zu formen. Auch andere biblische Figuren – etwa Kain, Abel und Noah – werden mit dem Ort in Verbindung gebracht. Ebenso wollte Abraham dort auf Geheiß Gottes seinen Sohn Isaak opfern. Durch den Bezug zum Alten Testament hat der Tempelberg auch für das Christentum eine große Bedeutung.

Ein radikaler Jude versucht eine Absperrung zum Tempelberg zu durchbrechen, 30.10.2014 (Foto: AFP / Getty Images)

Ein radikaler Jude versucht eine Absperrung zum Tempelberg zu durchbrechen

Gezielte Provokationen

Bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 stand der Tempelberg unter jordanischer Verwaltung. Seither wird er von der so genannten "Jerusalemer islamischen Wagf-Stiftung" verwaltet. Der Stiftung gehört auch der Großmufti von Jerusalem an.

Radikale Juden machen sich heute dafür stark, auf dem Tempelberg einen neuen, den dritten jüdischen Tempel zu errichten. Das würde aber voraussetzen, den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee abzureißen. Entsprechend provokant wirkt der Vorschlag auf die Muslime.

Unter den israelischen Juden ist das Vorhaben umstritten. Eine Umfrage der israelischen Zeitung Haaretz zufolge unterstützen 30 Prozent der befragten das Ansinnen. 45 Prozent sind dagegen, der Rest ist unentschlossen. Dass es tatsächlich zu einem Bau kommt, gilt allerdings als ausgeschlossen.

Ausschreitungen rund um den Tempelberg, 16.04.2014 014 (Foto: AFP / Getty Images)

Ausschreitungen rund um den Tempelberg

Gleichwohl kommt es immer wieder zu gezielten Provokationen. Im Jahr 2000 besuchte der damalige israelische Oppositionsführer Ariel Sharon in Begleitung zahlreicher Personenschützer und Polizisten den Tempelberg. Der Besuch gilt als maßgeblicher Auslöser für den Ausbruch des zweiten, der so genannten Al-Aqsa-Intifada. Der Aufstand der Palästinenser dauert bis zum Februar 2005.

Die Gewalt rund um den Tempelberg reißt auch in der Gegenwart nicht. Am 29. Oktober 2014 gab ein palästinensischer Attentäter vier Schüsse auf den rechten jüdischen Jehuda Glick ab und verletzte ihn schwer. Glick hatte sich immer wieder für den Aufbau des dritten Tempels stark gemacht. Am 5.11. kam es auf dem Tempelberg wieder zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei.