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Kultur

Umfassende Staatstrauer für Erdbebenopfer in China

Drei Tage lang gedenkt China der Opfer des Erdbebens eine Woche zuvor. Karaoke-Bars und Kinos sind geschlossen, Spiele-Webseiten gesperrt. Wieder wurden zwei Überlebende unter Trümmern hervorgeholt.

Ein Taxifahrer in Peking weint und schweigt (Foto: AP)

Ein Taxifahrer in Peking weint und schweigt

Eine Woche nach dem schweren Erdbeben in China hat das Land am Montag (19.5.2008) eine dreitägige Staatstrauer begonnen. Flaggen wurden auf halbmast gehisst, am Nachmittag gedachten die Chinesen mit drei Schweigeminuten der zehntausenden Opfer. Um 14.28 Uhr Ortszeit (8.28 Uhr MESZ), auf die Minute genau eine Woche nach dem Beben, heulten im ganzen Land die Sirenen und die Menschen hielten inne. Nach neuen Angaben kamen bei dem Beben der Stärke 8,0 mehr als 34.000 Menschen ums Leben. Vermutlich sind es mehr als 50.000 Todesopfer.

Halbmast auf dem Tian'anmen-Platz (Foto: AP)

Halbmast auf dem Tian'anmen-Platz

Mit der morgendlichen Flaggenzeremonie bei Sonnenaufgang am Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) begann die Staatstrauer. Bisher wurde Staatstrauer nur nach dem Tod hoher politischer Führer angeordnet. Die Nationalfahne und andere Flaggen wehen auf halbmast. Das Staatsfernsehen zeigte das Politbüro mit Staats- und Parteichef Hu Jintao an der Spitze während der Schweigeminuten in einem Hof im Machtzentrum Zhongnanhai in Peking mit gesenkten Köpfen. Das letzte Mal war 1997 nach dem Tod des marktwirtschaftlichen Reformarchitekten Deng Xiaoping Staatstrauer angeordnet worden.

Geschlossen, blockiert, ausgesetzt

Der olympische Fackellauf in China ist für drei Tage unterbrochen. Vergnügungsstätten wie Karaoke-Bars oder Diskotheken sollen solange ihren Betrieb einstellen. Kinos sind geschlossen. Zeitungen zeigten vielfach schwarze Trauerbalken. Große Webportale erschienen in den chinesischen Trauerfarben Weiß, Schwarz und Gelb. Im Internet mussten Unterhaltungs- und Spieleseiten gesperrt werden. Bei Zuwiderhandlung droht die Schließung. Suchfunktionen für Musik oder Videos sind blockiert. Im Satellitenfernsehen erschien statt amerikanischer Spielfilme ein Trauerhinweis. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen sowie die Waren- und Terminbörsen setzten am Montag für drei Minuten den Handel aus.

Auch ausländische Botschaften in Peking hissten ihre Flaggen auf halbmast. In allen chinesischen Botschaften im Ausland liegen Beileidsbücher aus. Bislang sind 34.000 Tote bestätigt, doch geht der Krisenstab von mehr als 50.000 Todesopfern aus. Rund 245.000 Menschen wurden verletzt. Mehr als 100.000 Verletzte werden in Hospitälern oder Lazaretten behandelt. Knapp 10.000 Verschüttete werden noch unter den Trümmern vermutet. Um der Seuchengefahr vorzubeugen, wurden Desinfektionsmittel versprüht. Rettungstrupps bemühten sich weiter, 77 Dörfer in den Bergen zu erreichen, die immer noch von der Außenwelt abgeschnitten sind.

200 getötete Rettungskräfte

Bei den Rettungsarbeiten wurden in den vergangenen Tagen mehr als 200 Helfer durch Schlammlawinen verschüttet, die durch heftigen Regen oder Nachbeben ausgelöst wurden. Sieben Tage nach dem schweren Erdbeben fanden die Helfer noch wenige Überlebende. Eine 50-jährige Frau wurde aus den Trümmern eines Wohnhauses in Tianchi gerettet. Sie zeigte nur noch "schwache Lebenszeichen", wie die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Suchgeräte deuteten darauf hin, dass vielleicht noch mehr Überlebende an der Stelle zu finden sein könnten. Auch in der Kreishauptstadt Beichuan wurde eine Frau geborgen.

Seit dem Erdbeben haben 24 starke Nachbeben mit einer Stärke zwischen 5 und 5,9 die Region erschüttert. Vier weitere Nachbeben waren sogar stärker als 6.

Geld und Nahrungsmittel

Nach einer Krisensitzung in Peking kündigte die Regierung an, dass alle Obdachlosen in den nächsten drei Monaten pro Tag jeweils zehn Yuan (92 europäische Cent) Unterstützung und 500 Gramm Nahrungsmittel bekommen sollen. Die Angehörigen von Erdbebentoten erhalten einmalig 5000 Yuan (460 Euro) Unterstützung. Die Regierung hat 5,78 Milliarden Yuan (532 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. EU-Länder spendeten bislang rund zehn Millionen Euro. (kap)

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