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Wirtschaft

Ultraschall statt Glühbirnen

Der US-Gigant General Electric streckt seine Fühler weiter nach Europa aus. Dabei setzt der Konzern vor allem auf Medizintechnik. Für zwei Milliarden Euro will er das größte finnische Unternehmen in diesem Sektor kaufen.

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Computertomograph: Medizintechnik ist eine Zukunftsbranche

Der größte Technikkonzern der Welt – gemessen am Börsenwert – nimmt Europa ins Visier. Geplant sei ein "substantielles Wachstum in Europa", sagt General-Electric Chef, Jefferey Immelt. Die Übernahme des finnischen Unternehmens Instrumentarium ist dabei nur ein weiterer Schritt in diese Richtung. Bereits heute zählt General Electric rund 70.000 Mitarbeiter in Europa.

Zwei Milliarden Euro will General Electric für das finnische Traditionsunternehmen auf den Tisch legen. Beide Unternehmensführungen haben der Transaktion bereits zugestimmt. Schon seit Juni hält ein Experten-Team des US-Konzerns von Brüssel und London aus nach geeigneten Übernahmekandidaten Ausschau. In Finnland wurde es fündig. Instrumentarium, das vor allem Geräte zur Anästhesie und Überwachung von Patienten in Krankenhäusern herstellt, hat beste Referenzen. Im Jahr 2001 lag der Umsatz bei über einer Milliarde Euro. 5400 Menschen weltweit arbeiten für das Unternehmen mit Stammsitz in Helsinki, das neben Betrieben in Schweden und den USA auch ein Werk in Nürnberg betreibt.

Neue Schwerpunkte

Mit der Übernahme stärkt General Electric weiter seine medizintechnische Sparte GE Medical Systems. Hier scheint sich der US-Konzern die größten Wachstumschancen auszurechnen. General Electric - 1872 vom Erfinder der Glühbirne, Thomas Edison, gegründet - ist ein Mischkonzern, der in seinen klassischen Geschäftsbereichen eher mittelmäßige Wachstumsraten zu erwarten hat.

Zwar konnte das Unternehmen in den vergangenen Jahren wiederholt seinen operativen Gewinn steigern. Auch im kommenden Jahr wird der Gewinn in elf der dreizehn Geschäftsbereiche in jedem Fall zweistellig wachsen. Die fetten Jahre sind allerdings vorbei. Schwächere Ergebnisse gab es beispielsweise beim Flugzeugmotorenbau oder in der Kunststoffherstellung. Auch der Boom im Gasturbinengeschäft ist abgeflaut. Im November musste General Electric seine Gewinnprognose wegen der hohen Verluste der Rückversicherungstochter Employers Reinsurance senken.

Hauptkonkurrent Siemens

Dagegen bietet der Bereich der Medizintechnik große Möglichkeiten. Hier ist eine Art Strukturwandel im Gange, wie ihn die Montanindustrie vor etwa 30 Jahren erlebte. "In diesem Sektor gibt es ein hohes Rationalisierungspotential", meint Roland Pitz, Analyst bei der Hypovereinsbank (HVB), zu DW-WORLD. Krankenhäuser würden ihre Gerätschaften umrüsten und Arbeitsabläufe neu strukturieren. Die Nachfrage sei also garantiert. Allerdings werde sich General Electric auf dem europäischen Markt vor allem gegen Hauptkonkurrent Siemens behaupten müssen, so Pitz.

Da zeigt sich General Electric kampfeslustig. Der Unternehmenschef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Thomas P. Limberger, kündigte kürzlich an, den Marktführer Siemens beim Bau von Computertomographen und Röntgengeräten vom Thron stoßen zu wollen. 15 Unternehmen hat GE Medical Systems in Deutschland bereits erworben. "Deutschland ist für uns der stärkste Markt im medizintechnischen Bereich", sagt Rudolf Beyenburg, Sprecher bei GE Medical Systems Deutschland, zu DW-WORLD. Er sieht rosige Aussichten für die Medizinsparte. "Wir haben derzeit einen Investitionsstau von rund 15 Milliarden Euro, der muss ja irgendwann einmal frei gesetzt werden".

Ehrgeizige Pläne

Übernahmen und Beteiligungen durch General Electric werde es auch im nächsten Jahr geben, kündigte Limberger kürzlich an. Neben der Medizintechnik will General Electric in Deutschland aber auch die Bereiche Financial Services und regenerative Energien ausbauen. In nur drei Jahren will der ehrgeizige Deutschland-Chef den Umsatz verdoppeln. Eines der wichtigsten Projekte wird dabei direkt vor der Haustüre des Hauptkonkurrenten Siemens verwirklicht. In Garching bei München baut General Electric bis 2004 ein europäisches Forschungszentrum, in dem 150 Wissenschaftler zu Biotechnologie und erneuerbare Energien forschen sollen.

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