1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Filme

Ulrich Mühe: Tod auf dem Karriere-Höhepunkt

"Das Leben der Anderen" machte den Schauspieler Ulrich Mühe weltbekannt. Sein Erfolg hatte ihm die Möglichkeit einer Hollywood-Karriere eröffnet. Doch am Sonntag starb der 54-Jährige an Krebs.

Ulrich Mühe (Quelle: AP)

2006 bekam Ulrich Mühe den deutschen Filmpreis für "Das Leben der Anderen"

"Ich hoffe, dass es mir bald wieder besser geht". Mit diesen Worten wurde der Schauspieler Ulrich Mühe am Sonntag (22.07.07) in einer Zeitung zitiert. Doch die Hoffnung war vergebens: Wie erst am Mittwoch bekannt wurde, erlag der 54-Jährige am selben Tag dem Magenkrebs. Schon seit Februar hatte Mühe von seiner Krankheit gewusst, sich aber bis wenige Tage vor seinem Tod nicht dazu geäußert. Als er die Diagnose bereits kannte, nahm er noch an der Oscar-Verleihung in Los Angeles teil, bei der "Das Leben der Anderen" als bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet wurde. Seine Rolle als zunächst überzeugter, aber zunehmend zweifelnder Stasi-Abhörspezialist Gerd Wiesler in "Das Leben der Anderen" machte Mühe weit über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt.

Enorme Wandlungsfähigkeit

Filmfigur Gerd Wiesler sitzt auf dem Dachboden eines Hauses und belauscht elektronisch die Leute, die er beschattet. (Quelle: dpa)

Ulrich Mühe als Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler...

Der Oscar-Erfolg blieb Mühes letzter Auftritt. Kurz nach der Rückkehr aus Los Angeles unterzog er sich einer schweren Magenoperation. Seitdem eine große deutsche Boulevardzeitung gemeldet hatte, der Schauspieler habe Krebs, wurde er regelrecht belagert. Das Telefon klingelte fast ständig, Paparazzi lauerten vor der Wohnung, und Mühes Frau, der Schauspielerin Susanne Lothar, wurde eine fünfstellige Summe für ein Foto ihres kranken Mannes geboten. Ein Kollege wurde gebeten, einen Nachruf zu schreiben. Ein Bestatter bot am Telefon seine Dienste feil. Mühe, der fünf Kinder aus drei Ehen hinterlässt, verbrachte in den letzten Wochen seines Lebens viel Zeit mit der Familie. Er starb in Walbeck in Sachsen-Anhalt, wo ein Teil seiner Familie wohnt.

Ulrich Mühe in Das Leben der Anderen

...und als Baulöwe Jochen Schuster in "Peanuts"

Schon in den 1970er-Jahren, als Wehrdienstleistender bei der Nationalen Volksarmee der DDR, hatte der gebürtige Sachse Magengeschwüre. Ärzte entfernten zwei Drittel seines Magens - eine Maßnahme, die zu Krebs führen kann. Mühe brach den Wehrdienst ab und studierte an der Leipziger Theaterhochschule. In der DDR-Zeit war er an der Berliner Volksbühne und am Deutschen Theater engagiert. Zudem arbeitete er für Film und Fernsehen. Von Goethes Egmont 1986 am Deutschen Theater in Ost-Berlin bis hin zu Hitlers jüdischem Schauspiel-Lehrer in der Satire "Mein Führer" (2007) mit Helge Schneider als Diktator stellte Mühe die unterschiedlichsten Charaktere dar. Mit seiner enormen Wandlungsfähigkeit beeindruckte Mühe Publikum wie Kritiker immer wieder aufs Neue.

Tod auf dem Höhepunkt

Bei den Arbeiten an "Das Leben der Anderen" holte die eigene DDR-Vergangenheit Mühe wieder ein. Mit seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Jenny Gröllmann, lieferte er sich einen Rechtsstreit. Er hatte ihr vorgeworfen, für die Stasi, das Überwachungsinstrument der DDR, gearbeitet zu haben. Gröllmann bestreitet die Vorwürfe.

Ulrich Mühe hatte zuletzt kurz davor gestanden, in die Riege der hoch bezahlten Hollywood-Schauspieler vorzustoßen. Er hatte zahlreiche Rollenangebote - auch aus den Vereinigten Staaten. Der Schauspieler Tom Cruise, derzeit für Dreharbeiten in Deutschland, wünschte Mühe persönlich gute Besserung. Am Mittwoch wird er im engsten Kreis der Familie beigesetzt. (ask)

Die Redaktion empfiehlt

Symbolbild Film Festival roter Teppich

Dossier KINO Favoriten: Die Besten des deutschen Films

Was sind die besten Dramen, die lustigsten Komödien, die Top-Schauspielerinnen und die größten Leinwandhelden? In der Serie "KINO Favoriten" präsentiert das DW-Filmmagazin seine ganz persönliche Auswahl.